Osmanisches Reich

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    auch: Ottomanisches Reich;

    Bezeichnung für das türkische Großreich für den Zeitraum von etwa 1300 bis 1918, die heutige Türkei.

    Anfänge des Osmanischen Reichs

    Datei:Sule1957.jpg
    Suleiman der Große mit seinen Ratgebern; Illustration

    Mit dem Vordringen der Mongolen wanderten Nomaden aus Turkestan nach Westen ab. Unter ihnen befanden sich türkische Moslems, die sich ab 1243 in Kleinasien niederließen. 1298 ernannte sich Osman, Emir der turkmenischen Oghusen, zum Sultan und legte damit den Grundstein zum nach ihm benannten Osmanischen Reich; ab 1300 drang er immer mehr nach Westen vor. Die Osmanen lagen in ununterbrochenen Grenzkriegen im Kampf mit Byzanz, vereinten die türkischen Fürstentümer Anatoliens unter ihrer Herrschaft und drangen in Kleinasien und auf dem Balkan vor (Überschreiten der Dardanellen); 1361 Eroberung von Adrianopel, dadurch Einkreisung von Byzanz und Unterbrechung der Landverbindung mit dem christlichen Abendland; unter Sultan Bajasid Niederkämpfung des letzten selbstständigen türkischen Teilfürstentums in Anatolien. 1393/94 eroberten die osmanischen Türken Bulgarien und die Walachei und schlugen in der Schlacht bei Nikopolis 1396 ein großes europäisches Kreuzritterheer vernichtend; gleichzeitig langdauernde Belagerung von Byzanz.

    Vorübergehende Zerschlagung des osmanischen Weltreiches durch den Mongolenkhan Timur Leng (Tamerlan) nach der Schlacht von Ankara 1402.

    Aufstieg und Blüte

    Nach Bruderkämpfen zwischen den verschonten Restherrschaften der Osmanen in Anatolien Wiederaufrichtung des Osmanischen Reiches mithilfe der Elitetruppen der Janitscharen; Wiedereroberung der verlorenen kleinasiatischen Gebiete, Inbesitznahme fast des ganzen Balkans und 1453 Erstürmung von Byzanz (Konstantinopel) durch Mehemed II.; Konstantinopel wurde unter dem neuen Namen Istanbul zur Hauptstadt des Osmanenreiches. 1459 wurden Serbien und Bosnien türkisch; 1460/61 das kleine byzantinische Kaiserreich Trapezunt am Schwarzen Meer (letzter christlicher Vorposten), 1466 Albanien; erfolgreiche Verteidigung der eroberten Gebiete gegen Venedig und Persien (1463-1473). Nach dem Tod des kraftvollen Mehemed II. innere Unruhen, später erfolgreiche Kämpfe (auch zur See) gegen Venedig, Persien und gegen die ägyptischen Mamelucken in deren Einflussgebiet Syrien (Eroberung von Aleppo und Damaskus); Verlagerung der Kämpfe nach Ägypten, das im Jahr 1517 ganz den Türken zufiel: Das Osmanenreich übernahm an Stelle der Mamelucken die Schutzherrschaft über den gesamten Islam (Kalifat); friedliche Unterwerfung der Barbareskenstaaten Tunis, Algier und Tripolis. - Beherrschende Weltgeltung der osmanischen Türken unter Sultan Suleiman dem Prächtigen (1522-1566); Eroberung Belgrads (1521), des größten Teils von Ungarn, Erstürmung der Johanniter auf Rhodos (1522), Belagerung Wiens (1529), Ausdehnung des Osmanischen Reiches zur Zeit der höchsten Blüte: Anatolien, Rumelien (südöstlicher Balkan, verloren 1913), Bulgarien (verloren 1878), Ungarn (verloren 1718), Siebenbürgen (verloren 1699), Fürstentum Moldau und Bessarabien (verloren 1775 bzw. 1812), Podolien und Jelisan (zw. Dnjestr und Bug, verloren 1699 bzw. 1792). Krimfürstentum (rund um das Asowsche Meer, verloren 1783), Armenien und Georgien (verloren 1607 bzw. 1878/1921). Aserbaidschan (verloren 1603-1639), Mesopotamien und Syrien (verloren 1920/23), Ägypten (verloren 1882), Tripolis (verloren 1912), Tunis (verloren 1882) und Algerien (verloren 1830).

    Unter Suleimans Nachfolgern nur noch einzelne Erfolge, langsamer Machtrückgang, innere Unruhe(Janitscharen-Aufstände), Grenzkämpfe gegen Österreich, Polen, Venedig, Russland; erst unter Mehemed IV. (1645-1687) neue politische und militärische Offensive (Ungarn, Kreta, Podolien, Teil-Ukraine, Belagerung von Wien 1683).

    Reichsverfall

    Rückgang der osmanischen Macht besonders in den "Türkenkriegen" gegen Österreich und Russland; Verlust von Ungarn. Siebenbürgen, Kroatien und Slawonien im 1. Türkenkrieg; im 2. Türkenkrieg (1715-18) Eroberung von Belgrad durch Prinz Eugen, Nordserbiens, des Banats und der kleinen Walachei (Passarowitz); im 3. Türkenkrieg (1736-39) Rückgewinnung der Walachei und Serbiens durch die Türken, endgültiger Verlust im 4. Türkenkrieg (1787-92). 1804 serbischer Befreiungsaufstand, 1821 Erhebung in Griechenland. Seit 1839 innere Reformen und Straffung der Verwaltung (Bekämpfung der Korruption) und des Militärs (Zerschlagung des Janitscharenkorps), doch war der Niedergang nicht aufzuhalten; die Sultane gaben den liberalen Forderungen der "Jungtürken" nach und gewährten 1878 ein Parlament; nach dem Rumänisch-Türkischen Krieg unterstützte der Berliner Friede von 1878 die Nationalbestrebungen der Balkanvölker (Bulgarien, Serbien. Rumänien wurden autonom. Bosnien und Herzegowina kamen unter österreichische Einfluss [1908 österreichischer Besitz], Zypern wurde britisch; 1881 Verlust von Tunesien (an Frankreich), Ägyptens (an Großbritannien), 1912 Tripolitaniens (an Italien) und Erhebung Albaniens; 1912/13 Niederlage im 1. Balkankrieg gegen den Viererbund Bulgarien-Serbien-Griechenland-Montenegro (Londoner Friede 1913); 1913 2. Balkankrieg der Türkei, Rumäniens, Serbiens, Griechenlands gegen das (unterliegende) Bulgarien (Friede von Bukarest); Endergebnis der Balkankriege: Die Türkei verlor fast alle europäischen Gebiete (Adrianopel blieb bei der Türken); die geplante völlige Aufteilung der Türkei ("Kranker Mann am Bosporus") wurde durch Deutschland und Großbritannien verhindert (deutsche Militärmission, Bau der Bagdadbahn, Flottenreorganisation durch britische Marinefachleute); im Ersten Weltkrieg war die Türkei Verbündeter Deutschlands und Österreichs (Abwehrkämpfe an verschiedenen Fronten, alliierte Landungsversuche bei Gallipoli verhindert); bei Kriegsende völliger Zusammenbruch der auch innerlich zerrütteten Türkei; am 30.10.1918 unterzeichnete Sultan Mehmed VI. einen von den Alliierten Siegermächten erarbeiteten Waffenstillstand, der praktisch das Ende des Osmanischen Reichs bedeutete; die Sieger besetzten Istanbul und kontrollierten die Dardanellen; 1920 Friede von Sèvres: Verlust aller Gebiete außerhalb Anatoliens und außerhalb der auf dem Balkan liegenden Umgebung von Istanbul.

    KALENDERBLATT - 17. Juli

    1789 Der französische König Ludwig XVI. wird aus Versailles ins revolutionäre Paris gebracht.
    1917 Der englische König Georg V. benennt im Ersten Weltkrieg seine Dynastie um. Um ein Zeichen gegen den Kriegsgegner Deutschland zu setzen, heißt sein Haus von diesem Tag an Windsor und nicht mehr Sachsen-Coburg-Gotha.
    1945 Die Potsdamer Konferenz, an der die Regierungschefs von Großbritannien (Churchill), der USA (Truman) und der UdSSR (Stalin) teilnehmen, wird eröffnet.



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