Mosaik

    Aus WISSEN-digital.de

    (griechisch "Muse", "Kunst")

    bildhafte oder ornamentale Flächendekoration (z.T. auch mit flachem Relief) aus kleinen Formstückchen, Plättchen oder Splittern aus Stein, Keramik, Marmor, Glas, Halbedelstein und Terrakotta.

    Nach Vorlage werden die Mosaiksteine in die noch feuchte Masse eingesetzt. Es gibt Fußboden-, Wand- und Gewölbemosaiken.


    Geschichte

    Seit dem 4. Jt. v.Chr. werden farbige Mosaiken hergestellt (Innin-Tempel, Uruk, Babylonien), ab 2500 v.Chr. auch schon Würfelmosaiken (tesserae) aus Perlmutter, Lapislazuli u.a.; seit dem 5. Jh. v.Chr. sind griechische Bodenmosaiken aus Kiesel (schwarz, weiß) nachgewiesen, in hellenistischer Zeit (2. Jh. v.Chr.) dann ergänzt um farbige Mosaiken (Pergamon, Delos mit Wandmosaik).

    Große Bodenmosaiken mit mythologischen und bukolischen Motiven mit rahmender Ornamentik finden sich in der römischen Kaiserzeit (Alexandermosaik, Pompeji, ca. 100 v.Chr.), die römische Kunst kannte auch das Wandmosaik in Thermen und Privathäusern. In Rom gab es die Konzentration auf das Schwarz-Weiß-Mosaik, während in den römischen Provinzen im 2.-6. Jh. das farbige Mosaik (z.B. Mosaikzyklen, Piazza Armerina, Sizilien) dominierte.

    Spätrömische Mosaiken mit z.T. bereits christlichem Gehalt leiten über zum frühchristlichen Wandmosaik aus Glassteinen und Goldplättchen mit religiösen Motiven (Santa Maria Maggiore, Rom, 2. Viertel des 5. Jh.s) und zur byzantinischen Mosaikkunst (so in Ravenna, San Vitale, S. Appollinare Nuovo, 6. Jh.; in Saloniki, Hagios Demetrios, 7. Jh.; in Aachen, 8. Jh.; in Kiew, Sophienkathedrale, 11. Jh.). Die zweite Blütezeit des byzantinischen Mosaiks war im 11.-13. Jh. (Hosios Lukas, 1. Drittel des 11. Jh.s; Daphni, um 1100). Im 12. Jh. entstanden italienische Mosaikzyklen in Sizilien (Cefalù, Palermo, Monreale), Venetien (San Marco, Murano, Torcello) und im 13. Jh. auch in Oberitalien (Florenz, Mosaiken des Baptisteriums).

    Die Deesis der Hagia Sophia (13. Jh.) und die Mosaiken des Choraklosters (14. Jh.) im heutigen Istanbul sind byzantinische Zeugnisse der dritten Blütezeit, der so genannten paläologischen Renaissance.

    Im 13./14. Jh. entstand das Fayence-Mosaik mit neuen Techniken (Aussägen); die italienische Renaissance brachte neben dem Florentinermosaik das kunstvolle Plattenmosaik für Fußböden, so genannte Cosmaten, hervor (Dom zu Siena), gefertigt aus gefärbtem, geäderten Marmor, mit Halbedelsteinen, Perlmutter und Korallen. Durch die Wandmalerei wurde das Mosaik ab dem 15. Jh. allmählich verdrängt.

    Eine Neubelebung der Mosaikkunst geschah im 19. Jh. und insbesondere zu Beginn des 20. Jh.s durch die dekorative Kunst des Jugendstils. Auf Grund neuer Materialien und Techniken entstand die Mosaikkunst z.T. als Wandverkleidung neu (z.B. Stockholmer Stadthaus, 1921-23). Spitzenleistungen moderner Mosaikkunst aber wurden in Lateinamerika geschaffen (Mestizenfries von Mérida, Guatemala; von D. Rivera Tonstift-Mosaik am Turm der Universitätsbibliothek von Mexiko-City, 1951-53, und Fassadenfries für das "Teatro de los insurgentes", 1952).

    In Europa schufen bedeutende Künstler Mosaikentwürfe, so unter anderem G. Braque, F. Léger, M. Chagall, G. Severini.

    Im außereuropäischen Bereich übernahm der Islam das spätantike Wandmosaik (688-91 Felsendom, Jerusalem; um 715 Große Moschee, Damaskus; 965 Moschee, Córdoba - allesamt nicht figürlich, d.h. auf Pflanzen und Kalligrafie beschränkt). Mosaiken wurden vom 15. bis 17. Jh. auch auf Außenwänden in Persien und Indien gestaltet.

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