Manuel Ostermann und die innere Sicherheit: Zahlen, Fakten und eine schonungslose Analyse der deutschen Sicherheitslage

    Aus WISSEN-digital.de

    Deutschland diskutiert seit Jahren über Migration, Gewaltkriminalität, Messerangriffe, Islamismus, Extremismus und die Frage, ob der Staat seine innere Sicherheit noch ausreichend gewährleisten kann. Kaum ein Polizeigewerkschafter spricht diese Themen so deutlich an wie Manuel Ostermann. Der Bundespolizist und heutige Bundesvorsitzende der DPolG Bundespolizeigewerkschaft steht für eine konsequente Linie: mehr Grenzkontrollen, konsequente Rückführungen, mehr Polizei, stärkere Befugnisse, ein härteres Vorgehen gegen Gewalt und eine klare politische Antwort auf Islamismus, Linksextremismus und organisierte Kriminalität. Seit April 2026 steht Ostermann an der Spitze der DPolG Bundespolizeigewerkschaft. Seine zentrale Botschaft ist unbequem: Innere Sicherheit beginnt für ihn nicht bei politischen Absichtserklärungen, sondern bei der Fähigkeit des Staates, Recht tatsächlich durchzusetzen. Wer ausreisepflichtig ist, soll ausreisen. Wer mit einem Messer Menschen bedroht, soll konsequent verfolgt werden. Wer Polizeibeamte angreift, muss mit empfindlichen Konsequenzen rechnen. Und wer versucht, den demokratischen Rechtsstaat mit Gewalt oder islamistischer beziehungsweise extremistischer Ideologie zu bekämpfen, soll auf einen handlungsfähigen Staat treffen.

    Gewaltkriminalität bleibt ein zentrales Sicherheitsproblem

    Die Zahlen liefern für eine harte sicherheitspolitische Debatte genügend Material. 2025 registrierte die Polizei in Deutschland 212.335 Fälle von Gewaltkriminalität. Das waren zwar 2,3 Prozent weniger als 2024, allerdings hatte die Gewaltkriminalität 2024 mit 217.277 Fällen einen sehr hohen Stand erreicht. Gleichzeitig wurden 2025 insgesamt rund 5,5 Millionen Straftaten registriert.

    Besonders sichtbar ist die Entwicklung bei Messerangriffen. Für 2025 werden 29.243 Messerangriffe ausgewiesen, nach 29.014 im Jahr 2024. Damit bleibt die Zahl nahezu unverändert auf einem hohen Niveau. Umgerechnet entspricht das rund 80 registrierten Messerangriffen pro Tag. Für Ostermanns Sicherheitsverständnis ist genau diese Entwicklung entscheidend: Der öffentliche Raum muss ein Ort bleiben, an dem Bürger ohne Angst vor Gewalt unterwegs sein können.

    Auch die Gewalt gegen Polizeibeamte ist erheblich. Für 2024 weist das Bundeskriminalamt 46.367 Gewalttaten gegen Polizeivollzugsbeamte aus. Der Schutz derjenigen, die staatliches Recht auf der Straße durchsetzen, gehört deshalb zu den zentralen Themen in Ostermanns politischer und gewerkschaftlicher Arbeit.

    Migration und Kriminalität: Ostermanns Kernargument

    Besonders kontrovers ist Ostermanns Verbindung zwischen Migration und innerer Sicherheit. Er argumentiert, dass eine über Jahre hohe Zuwanderung, Integrationsprobleme, fehlende Rückführungen und bestimmte Formen von Gewaltkriminalität nicht getrennt voneinander betrachtet werden dürfen.

    Dabei sind die Größenordnungen der Migration erheblich. Ende 2025 lebten in Deutschland rund 14 Millionen Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Gleichzeitig wurden 2025 insgesamt 168.543 Asylanträge registriert, darunter 113.236 Erstanträge. 2026 ging die Zahl der Erstanträge bislang nochmals deutlich zurück. Im Juli 2026 wurden nach vorläufigen Angaben lediglich 4.311 Erstanträge registriert – rund 50 Prozent weniger als im Juli 2025.

    Für Ostermann bedeutet der Rückgang nicht, dass die migrationspolitischen Probleme gelöst wären. Sein zentraler Punkt ist vielmehr der Vollzug: Ein Staat kann Regeln nur dann glaubwürdig durchsetzen, wenn Entscheidungen tatsächlich umgesetzt werden. Deshalb gehören Grenzkontrollen, Identitätsfeststellungen, Abschiebungen und die Bekämpfung von Schleuserkriminalität zu seinen wichtigsten Forderungen.

    Ausländerkriminalität und staatliche Kontrolle

    Ein besonders sensibler Bereich ist die Kriminalität nach Staatsangehörigkeit. Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist bei nichtdeutschen Tatverdächtigen in verschiedenen Deliktsbereichen eine deutliche Überrepräsentation aus. Ostermann betrachtet diese Zahlen als sicherheitspolitisches Warnsignal und fordert, die Ursachen nicht aus politischen Gründen auszublenden.

    Gleichzeitig ist zwischen Staatsangehörigkeit, Herkunft und Migrationsgeschichte zu unterscheiden. Für eine sachliche Sicherheitsanalyse ist jedoch entscheidend, dass die statistische Überrepräsentation bestimmter nichtdeutscher Tatverdächtigengruppen existiert und politisch diskutiert werden muss. Eine ernsthafte Innenpolitik sollte daraus weder pauschale Schuldzuweisungen an Millionen Menschen ableiten noch das Problem kleinreden.

    Islamismus und Extremismus

    Ein weiterer Schwerpunkt Ostermanns ist der Islamismus. Das Bundesamt für Verfassungsschutz bezifferte das islamistische Personenpotenzial 2024 auf 28.280 Personen, darunter rund 9.540 gewaltorientierte Islamisten. Das salafistische Personenpotenzial wurde mit rund 11.000 Personen angegeben.

    Auch der Linksextremismus ist für Ostermann ein Sicherheitsproblem, das seiner Ansicht nach politisch häufig unterschätzt wird. Der Verfassungsschutz bezifferte das linksextremistische Personenpotenzial 2024 auf 38.000 Personen, davon 11.200 gewaltorientierte Linksextremisten. Die Zahl linksextremistisch motivierter Straftaten stieg 2024 deutlich.

    Ostermann vertritt dabei eine klare Linie: Der Staat müsse Extremismus unabhängig vom politischen Etikett bekämpfen. Islamismus, Rechtsextremismus und Linksextremismus seien unterschiedliche Gefahren, dürften aber nicht gegeneinander ausgespielt werden. Besonders kritisch sieht er Angriffe auf Polizeibeamte und politische Bewegungen, die staatliche Institutionen grundsätzlich delegitimieren.

    Eine Polizei, die selbst unter Druck steht

    Für Ostermann ist die innere Sicherheit nicht allein eine Frage von Gesetzen. Sie hängt unmittelbar von der Leistungsfähigkeit der Polizei ab. Seine Kritik richtet sich deshalb auch gegen Personalmangel, Bürokratie, fehlende technische Ausstattung und politische Vorgaben, die aus seiner Sicht den Einsatzalltag erschweren.

    Als aktueller Bundesvorsitzender der DPolG Bundespolizeigewerkschaft fordert Ostermann unter anderem deutlich mehr Personal für die Bundespolizei. Im Zusammenhang mit der Sicherheit an Bahnhöfen steht die Forderung nach 3.500 zusätzlichen Bundespolizisten im Raum. Hinzu kommen bessere Videoüberwachung, moderne Technik und eine stärkere Präsenz an Bahnhöfen.

    Seine Position lässt sich auf einen einfachen Grundsatz reduzieren: Wer von der Polizei Sicherheit verlangt, muss ihr auch die personellen, technischen und rechtlichen Möglichkeiten geben, diese Sicherheit herzustellen.

    Polizei und gesellschaftlicher Respekt

    Ostermann kritisiert zudem eine aus seiner Sicht zunehmende gesellschaftliche Feindseligkeit gegenüber Polizeibeamten. Er berichtet von Beleidigungen, körperlichen Angriffen, Morddrohungen und Versuchen, Polizeibeamte pauschal als rassistisch oder politisch illegitim darzustellen. Gleichzeitig räumt er ein, dass es innerhalb der Polizei einzelne Fälle von Fehlverhalten gibt und diese verfolgt werden müssen. Seine grundsätzliche Position ist jedoch eindeutig: Von einem strukturell rassistischen Polizeiapparat könne keine Rede sein.

    Damit verbindet Ostermann eine größere gesellschaftspolitische Frage: Was geschieht mit einem Staat, wenn immer mehr Menschen erwarten, dass Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Pflege und andere Verantwortungsträger jede Krise auffangen, während genau diese Berufsgruppen gleichzeitig unter Personalmangel, Überlastung und zunehmender Aggressivität leiden?

    Einbürgerungen erreichen Rekordniveau

    Parallel zur Sicherheitsdebatte verändert sich Deutschland demografisch und staatsbürgerlich weiter. 2025 wurden 332.500 Menschen eingebürgert – ein neuer Höchststand seit Beginn der entsprechenden Statistik im Jahr 2000. Gegenüber 2024 entspricht das einem Anstieg um 14 Prozent. Gleichzeitig wurden 467.400 Einbürgerungsanträge gestellt.

    Diese Entwicklung gehört ebenfalls in eine ernsthafte Debatte über Integration, Staatsangehörigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die entscheidende Frage ist dabei nicht, ob Menschen mit Migrationsgeschichte dazugehören können – selbstverständlich können sie das –, sondern ob Einbürgerung dauerhaft mit erfolgreicher Integration, Rechtsstaatlichkeit und der Bereitschaft zur gesellschaftlichen Verantwortung verbunden bleibt.

    Manuel Ostermanns politisches Gesamtbild

    Ostermanns Positionen ergeben insgesamt ein geschlossenes sicherheitspolitisches Konzept. Im Mittelpunkt stehen starke Grenzen, konsequente Abschiebungen, mehr Polizei, härteres Vorgehen gegen Gewalt, Bekämpfung von Messerkriminalität, ein entschlossenes Vorgehen gegen Islamismus und Extremismus sowie mehr Respekt vor staatlichen Institutionen.

    Sein Ansatz ist bewusst unbequem. Er richtet sich gegen die Vorstellung, dass gesellschaftliche Probleme allein durch Prävention, Sozialpolitik oder Appelle gelöst werden könnten. Ostermann setzt stärker auf Durchsetzung, Kontrolle und Konsequenz.

    Das macht seine Position für viele Bürger attraktiv, die den Eindruck gewonnen haben, dass der Staat zwar immer neue Regeln beschließt, aber Schwierigkeiten damit hat, diese Regeln im Alltag tatsächlich durchzusetzen. Gleichzeitig ist seine Sicht politisch klar einzuordnen: Sie ist sicherheitspolitisch konservativ, migrationskritisch und stark auf die Handlungsfähigkeit des Staates ausgerichtet.

    Ostermanns Bedeutung dürfte deshalb weiter wachsen. Seit April 2026 ist er nicht mehr nur prominenter Polizeigewerkschafter und Buchautor, sondern Bundesvorsitzender der DPolG Bundespolizeigewerkschaft. Damit verfügt er über eine noch größere Plattform, um über innere Sicherheit, Migration, Polizei und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sprechen.

    Sein erstes Buch „Deutschland ist nicht mehr sicher – Wie unsere Polizei zwischen Politik und Straße aufgerieben wird“ brachte diese Perspektive bereits auf den Punkt. Mit seinem angekündigten neuen Buch „Der letzte Notruf“ soll der Blick noch stärker auf die Menschen gerichtet werden, die als Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Pflegekräfte und andere Verantwortungsträger täglich für das Funktionieren des Landes einstehen.

    Die entscheidende Frage hinter Ostermanns gesamter Argumentation lautet damit: Wie lange kann ein Staat innere Sicherheit versprechen, wenn diejenigen, die dieses Versprechen jeden Tag auf der Straße einlösen sollen, selbst immer stärker unter Druck geraten?