Kulturkampf

    Aus WISSEN-digital.de

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    Otto Fürst von Bismarck; Gemälde

    Kampf zwischen Staat und Kirche, nach einem erstmals von dem radikalliberal gesinnten Arzt Virchow gebrauchten Ausdruck für den Kampf des Staates unter Führung Bismarcks gegen die katholische Kirche in Preußen von 1871 bis 1876.

    Der Kulturkampf ist aus dem Gegensatz der durch das Kaisertum erstarkten preußisch-protestantischen Staatsgewalt einerseits und der politischen Bewegung des Katholizismus seit dem 1. Vatikankonzil von 1869/70 andererseits erwachsen. Er war von innen- und außenpolitischen Erwägungen bestimmt (Polenfrage; Freundschaft mit Italien, das sich gleichfalls mit der Kurie in Konflikt befand).

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    Wilhelm Emanuel Freiherr von Ketteler

    Unterstützt und ermuntert von den liberalen Parteien, versuchten Bismarck und der preußische Kulturminister Falk, die Kompetenzen des Staates gegenüber der katholischen Kirche zu erweitern und den kirchlichen Einfluss besonders im Schulwesen zu schwächen. Die Rechte und Ansprüche der Kirche verfocht die katholische Zentrumspartei unter Führung Windthorsts, mit ihr sympathisierten die Konservativen.

    Der Konflikt begann mit der Aufhebung der katholischen Abteilung im preußischen Kultusministerium 1871, verschärfte sich mit dem Kanzelparagraphen (1871) und der Ausweitung aufs Reichsgebiet (1872 Seelsorge- und Niederlassungsverbot für die Jesuiten unter anderem in ganz Deutschland). Der Kulturkampf erreichte seinen Höhepunkt 1873 in den Maigesetzen; 1874/75 wurde die Zivilehe eingeführt; 1875 alle Orden und ordensähnlichen Genossenschaften aufgehoben außer den krankenpflegerischen (diese unter Staatsaufsicht).

    Am geschlossenen passiven Widerstand von Geistlichkeit und katholischer Bevölkerung erlahmte der Vorstoß des Staates. Nach dem Tode Papst Pius' IX. und dem Amtsantritt Leos XIII. 1878 kam eine Annäherung zu Stande, bis 1887 wurden die meisten Kampfgesetze rückgängig gemacht (Jesuitengesetz 1917 aufgehoben); die obligatorische Zivilehe und die staatliche Schulaufsicht blieben bestehen.

    Die Vergiftung der politischen Atmosphäre durch den Weltanschauungskampf und das Misstrauen des katholischen Bevölkerungsteils gegen die preußische protestantische Reichsspitze wirkten lange fort. Zu einem Kulturkampf kam es auch in Baden und Hessen (ebenfalls in den 70er/80er Jahren); auch in Italien, Frankreich (um die Jahrhundertwende), Mexiko (20er Jahre), im Dritten Reich und im bolschewistischen Russland.

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