Kontrapunkt

    Aus WISSEN-digital.de

    (lateinisch: punctus contra punctum, "Note gegen Note")

    zentraler Begriff für die Technik mehrstimmigen Komponierens in der abendländischen Musik. Er schließt den homophonen ebenso wie den polyphonen Satzbau ein und beschreibt die Wechselwirkung der vertikalen (harmonischen) sowie der horizontalen (melodischen) Gestaltung mehrstimmiger Musik. Zentrale Satzregel eines kontrapunktisch gearbeiteten musikalischen Satzes ist diejenige der Stimmbewegung. Das Ideal vollkommener Eigenständigkeit der Einzelstimmen ist in der Gegenbewegung zu sehen, Parallelbewegungen (in Terzen und Sexten) gelten nicht als kontrapunktische Technik im engeren Sinn (Fauxbourdon). Die Kontrapunktlehre entstand ursprünglich aus der Stegreiftechnik, eine Choralmelodie oder einen Cantus firmus Note gegen Note mit einer Gegenstimme zu versehen. Diese Technik lag auch den ersten schriftlich fixierten Kompositionen zu Grunde. Frühformen des Kontrapunkts waren die Organum- und die Diascantus-Technik. Es bildeten sich folgende Fortschreitungsregeln heraus: gerade Bewegung, Seitenbewegung, Gegenbewegung; je nach Epoche ein sich weiter entwickelndes System aus Konsonanzen, Dissonanzen, Vorhalten und Durchgängen sowie Schlussformeln (Kadenzen). Als Satzfehler gelten Prim-, Quint- und Oktavparallelen, verdeckte Parallelen, Querstände, weite Sprünge in die gleiche Richtung. Typische Kompositionstechniken des Kontrapunkts sind:

    Cantus-firmus-Technik: Einer vorgegebenen Melodie werden eine oder mehrere Stimmen hinzugefügt.freie Imitation: Ein Motiv oder Soggetto erklingt nacheinander in allen Stimmen und wird in den jeweils begleitenden Stimmen mit freien Stimmführungen (nach kontrapunktischen Regeln) begleitet.Kanontechnik: strenge Imitation; alle folgenden Stimmen imitieren exakt die erste Stimme.doppelter/dreifacher/vierfacher Kontrapunkt: Die melodische Fortschreitung in den Einzelstimmen ist so angelegt, dass auch das Durchwechseln des musikalischen Materials durch die Stimmen immer noch zu einem musikalisch sinnvollen Ergebnis führt. Hierbei bilden sich beispielsweise bei dem doppelten Kontrapunkt in der Oktave durch die Oktavtranspositionen der beiden Stimmen die entsprechenden Komplementärintervalle (Sexte statt Terz; Quinte statt Quarte). Einen vierfachen Kontrapunkt komponierte J.S. Bach in der Fuge f-Moll aus seinem "Wohltemperierten Klavier" (erster Teil).


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