Humanismus

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    (lateinisch: humanitas, "Menschlichkeit")

    Der Begriff im allgemeinen Sinne bezeichnet eine philosophische, soziale und politische Geisteshaltung, die sich am Menschen und seinem Wert ausrichtet. Daraus ergibt sich die unbedingte Achtung der Menschenwürde, der Freiheit und der Gleichheit aller Menschen.

    In der Lehre des Humanismus wird allen Menschen die Möglichkeit gegeben, ihre äußere und innere Freiheit und ihre angeborenen Fähigkeiten grenzenlos zu entwickeln.

    Geschichte

    Der Humanismus bezeichnet eine im 14. Jh. aus der italienischen Renaissance entwachsene geistige Strömung und wissenschaftliche Bewegung, die nach der Ausbildung und freien Entfaltung der Persönlichkeit als Individuum im Sinne der (idealisiert betrachteten) klassischen Antike strebte.

    Die Entfremdung vom christlichen, jenseitsorientierten Welt- und Menschenbild und die allmähliche Lösung von den festen geistigen und sozialen Bindungen des Mittelalters, die in den Persönlichkeitskult der Renaissance mündeten, verband sich mit der Überzeugung, durch unmittelbare Aneignung des Geistesguts der wesensverwandten Antike ein dem neuen Lebensgefühl gemäßes Kultur- und Menschenideal zu erreichen. In bewusster Abkehr von der Scholastik, die mit zunehmender Erstarrung die letzten Rinnsale antiken Geistes zu verschütten drohte, forderte der Humanismus das kritische Studium der griechischen und römischen Autoren im Originaltext (Suche nach alten Handschriften).

    Das wichtigste Ergebnis war die Wiederentdeckung Platos; Epikur und die Stoa standen im Mittelpunkt eines antik-heidnischen Humanismus (Lorenzo Valla), der mit der Autorität der Kirche zusammenstieß und in Grenzfällen auch die christliche Lehre angriff.

    Auf der Gegenseite formte sich ein christlicher Humanismus, deren behutsame Synthese Erasmus von Rotterdam versuchte. V.a. in Deutschland verband sich der Humanismus mit dem sittlich-religiösen Verlangen nach Kirchenreform und dem reformatorischen Glaubensstreit.

    Beschränkt auf Fürstenhöfe und Patrizierhäuser, Universitäten und Akademien, vermochte der Humanismus nicht auf breitere Schichten zu wirken. Neben kosmopolitischen Tendenzen hatte er auch eine nationale Note, besonders in der Geschichtsschreibung. In ihm lagen die Wurzeln des Rationalismus und Empirismus der Aufklärungsphilosophie des 17./18. Jh.s. Sein Ideal der "humanitas" wurde gegen Ende des 18. Jh.s zum Anliegen des deutschen Neu-Humanismus bei Herder und Wilhelm von Humboldt.


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