Helmut Kohl

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    Helmut Kohl, deutscher Politiker; * 3. April 1930 in Ludwigshafen am Rhein, † 16. Juni 2017 ebenda

    Der Sohn eines Finanzbeamten gründete mit 17 Jahren die Junge Union in Ludwigshafen und wurde Vorsitzender des dortigen Kreisverbands. 1953 wurde er jüngstes Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand der CDU Rheinland-Pfalz, 1954 stellvertrender Vorsitzender der Jungen Union Rheinland-Pfalz.

    Nach Beendigung seines Geschichts- und Rechtsstudiums als Dr. phil. (Promotionsthema: "Wiedererstehen der Parteien nach dem Zusammenbruch") trat Kohl 1955 als Jüngster in den Landesvorstand der CDU ein, wurde vier Jahre darauf jüngster deutscher Landtagsabgeordneter, 1961 jüngster stellvertretender Fraktionsvorsitzender und 1963 jüngster Fraktionsvorsitzender in der Bundesrepublik Deutschland. Ein Jahr später saß Kohl im CDU-Bundesvorstand und am 19. Mai 1969 übernahm er als Nachfolger Peter Altmeiers die Amtsgeschäfte des Ministerpräsidenten in Mainz. 1969 bis1976 blieb er Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz, seit 1973 war er als Nachfolger von Rainer Barzel Bundesvorsitzender der CDU.

    Am 1. Oktober 1982 wurde er nach konstruktivem Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt zum sechsten Bundeskanzler gewählt; mit 52 Jahren war er der bislang jüngste Inhaber dieses Amtes. Er wurde insgesamt viermal als Kanzler wiedergewählt.

    Durchgängiger Schwerpunkt der Regierung Kohl war der europäische Einigungsprozess, den er durch persönliches Engagement zusammen mit dem französischen Staatspräsidenten F. Mitterand entscheidend vorantrieb. Große Leistungen seiner Europapolitik waren der Ausbau der Europäischen Gemeinschaft zur Europäischen Union (EU), der Abbau innereuropäischer Grenzen durch das Schengener Abkommen (1985 und 1990), der Aufbau einer europäischen Zentralbank und einer gemeinsamen europäischen Währung (Euro) u.a.

    Bedeutende innenpolitische Erfolge erwarb Kohl vor allem durch seine Rolle innerhalb der Deutschen Wiedervereinigung. Nach der friedlichen Revolution, die 1989 zur Auflösung der DDR führte, war er der erste Kanzler Gesamtdeutschlands und förderte den so genannten "Aufbau Ost" und die strukturelle Erneuerung der neuen Bundesländer maßgeblich.

    Kohl schied nach der Bundestagswahl 1998 aus dem Amt des Bundeskanzlers und des Parteivorsitzenden aus, blieb aber CDU-Ehrenvorsitzender. Kohls Regierungszeit ist mit 16 Jahren die bislang längste eines Bundeskanzlers.

    Im November 1999 wurde im Zusammenhang mit der CDU-Parteispendenaffäre wegen des Verdachts der Untreue ein Ermittlungsverfahren gegen Kohl eingeleitet. Im Januar 2000 folgte Kohl der Aufforderung des CDU-Vorstands, sein Amt als Ehrenvorsitzender niederzulegen. Das Verfahren wegen des Verdachts der Untreue wurde im März 2001 gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt. Im folgenden Jahr nahm Kohl erstmals seit 1999 wieder an einem CDU-Parteitag teil, um eine Rede anlässlich des Tages der Deutschen Einheit zu halten.

    1988 erhielt Helmut Kohl zusammen mit dem damaligen französischen Staatspräsidenten François Mitterrand den Karlspreis der Stadt Aachen. 1996 erschien sein Buch "Ich wollte Deutschlands Einheit"; 2005 veröffentlichte Kohl den zweiten Teil seiner Memoiren, "Erinnerungen 1982-90".

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