Haustiere in Deutschland: Warum Katzen, Hunde und andere Heimtiere für Millionen Menschen zum Familienleben gehören

    Aus WISSEN-digital.de

    Quelle / Copyright: Youtube /SONNENSEITE

    Haustiere sind aus deutschen Haushalten nicht mehr wegzudenken. Ob Katze, Hund, Kaninchen, Vogel, Aquarium oder Terrarium: Millionen Menschen teilen ihr Zuhause mit einem tierischen Mitbewohner. Aktuelle Zahlen des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) und des Industrieverbands Heimtierbedarf (IVH) zeigen, wie groß die Bedeutung von Haustieren in Deutschland inzwischen ist. 2025 lebten allein 33,4 Millionen Katzen, Hunde, Kleinsäuger und Ziervögel in deutschen Haushalten. Hinzu kommen zahlreiche Zierfische und Terrarientiere. In insgesamt 43 Prozent der deutschen Haushalte wurde mindestens ein Heimtier gehalten.

    Katze oder Hund: Welches Haustier ist in Deutschland am beliebtesten?

    Die klare Nummer eins unter den Haustieren ist die Katze. 2025 lebten rund 15,7 Millionen Katzen in Deutschland. Sie wurden in etwa 24 Prozent der Haushalte gehalten. Damit liegen Katzen deutlich vor Hunden: Auf rund 10 Millionen Hunde kamen etwa 20 Prozent der Haushalte. Hinzu kamen rund 4,4 Millionen Kleinsäuger und 3,3 Millionen Ziervögel.

    Besonders interessant ist die Mehrkatzenhaltung. 43 Prozent der Katzenhalter haben zwei oder mehr Katzen. Die Katze ist damit nicht nur das beliebteste Haustier Deutschlands, sondern wird auch besonders häufig gemeinsam mit Artgenossen gehalten.

    Bei Hunden ist die Situation etwas anders. Von den rund zehn Millionen Hunden in Deutschland sind etwa 43 Prozent Mischlinge. Hunde sind außerdem mit einem erheblichen finanziellen und organisatorischen Aufwand verbunden: Futter, Tierarzt, Versicherung, Hundesteuer, Betreuung und gegebenenfalls Hundeschule gehören für viele Halter langfristig zum Alltag.

    Fast jeder zweite Haushalt hat ein Haustier

    Die Zahl von 43 Prozent bedeutet: Fast jeder zweite deutsche Haushalt lebt mit mindestens einem Heimtier. Besonders ausgeprägt ist die Haustierhaltung bei Familien mit Kindern. Rund 67 Prozent der Familien mit Kindern haben ein Haustier. Aber auch alleinlebende Menschen spielen eine wichtige Rolle: Bei Singles liegt der Anteil bei etwa 28 Prozent.

    Haustiere sind damit längst nicht nur ein klassisches Familienphänomen. Gerade für alleinlebende Menschen können Hund, Katze oder andere Tiere zum wichtigen Bestandteil des Alltags werden.

    Auch Mehrtierhaltung ist verbreitet. In 13 Prozent aller deutschen Haushalte werden mindestens zwei verschiedene Heimtierarten gehalten. Dabei handelt es sich beispielsweise um Haushalte mit Hund und Katze oder um Kombinationen aus Katze, Kleintieren, Vögeln oder Aquarien.

    Haustiere leben in allen Generationen

    Interessant ist auch der Blick auf die Altersstruktur. Haustierhaltung ist keineswegs nur bei jungen Menschen verbreitet. Die Gruppe der über 60-Jährigen stellt sogar einen besonders großen Anteil der Heimtierhalter-Haushalte.

    Auch bei der Haushaltsgröße zeigt sich ein vielseitiges Bild: Rund 26 Prozent der Heimtierhalter leben allein, 35 Prozent in Zweipersonenhaushalten und 39 Prozent in Haushalten mit drei oder mehr Personen.

    Das bedeutet: Vom Single-Haushalt bis zur Großfamilie sind Haustiere in nahezu allen Lebenssituationen vertreten.

    Warum entscheiden sich Menschen für ein Haustier?

    Hinter den Statistiken steckt vor allem eine emotionale Entwicklung: Für viele Menschen ist ein Haustier heute nicht mehr einfach ein Tier, das im Haushalt lebt, sondern ein Familienmitglied und Sozialpartner.

    Bei der Anschaffung eines neuen Heimtiers spielen unterschiedliche Gründe eine Rolle. Dazu gehören der Wunsch nach Gesellschaft, die Freude an der Tierhaltung, das Bedürfnis, sich um ein Lebewesen zu kümmern, aber auch der Tod eines vorherigen Tieres. Besonders bei Hunden und Katzen ist die emotionale Bindung häufig sehr eng.

    Diese Entwicklung hat auch wirtschaftliche Folgen. Wenn Menschen ihr Haustier als Familienmitglied betrachten, steigt die Bereitschaft, in hochwertiges Futter, Gesundheitsvorsorge, Medikamente, Versicherungen, Pflege und Zubehör zu investieren.

    Der Haustiermarkt ist ein Milliardenmarkt

    Die Bedeutung von Haustieren lässt sich deshalb nicht nur an der Zahl der Tiere messen. Auch wirtschaftlich ist die Heimtierhaltung ein bedeutender Faktor.

    2025 erzielte die deutsche Heimtierbranche einen Umsatz von knapp sieben Milliarden Euro. Rund 5,3 Milliarden Euro entfielen auf den stationären Fach- und Lebensmitteleinzelhandel, mehr als 1,5 Milliarden Euro auf den Onlinehandel und weitere 134 Millionen Euro auf Wildvogelfutter.

    Besonders bemerkenswert: Der Markt für Heimtier-Fertignahrung blieb 2025 mit rund 4,3 Milliarden Euro nahezu stabil. Während der Bereich Zubehör und Bedarfsartikel um 4,6 Prozent zurückging, blieb die Nachfrage nach Futter ausgesprochen robust.

    Das zeigt, wie widerstandsfähig der Haustiermarkt ist. Bei wirtschaftlich schwierigen Zeiten können Verbraucher möglicherweise bei Spielzeug oder Zubehör sparen – beim täglichen Futter für Hund und Katze ist das deutlich schwieriger.

    Katzenfutter ist der größte Futtermarkt

    Beim Tierfutter liegt die Katze ebenfalls vorne. Katzenfutter erzielte 2025 im stationären Handel einen Umsatz von mehr als 2,3 Milliarden Euro und war damit das größte Futtersegment. Der Markt wuchs um 1,3 Prozent. Besonders Katzen-Snacks entwickelten sich positiv.

    Beim Hundefutter war das Bild gemischter. Hundefutter-Snacks legten um 2,1 Prozent zu und erreichten rund 768 Millionen Euro. Nassfutter und Trockenfutter gingen dagegen zurück.

    Der Trend zeigt: Snacks, Belohnungsprodukte und spezielle Ernährungsangebote gewinnen an Bedeutung. Haustierhalter achten zunehmend darauf, was ihr Tier frisst und welche Produkte zu seinem individuellen Bedarf passen.

    Onlinehandel verändert den Haustiermarkt

    Auch beim Einkauf von Tierprodukten verändert sich das Verhalten der Verbraucher. 61 Prozent der Tierhalter kaufen sowohl stationär als auch online. Der Onlinehandel mit Heimtierprodukten erreichte 2025 ein Volumen von mehr als 1,5 Milliarden Euro.

    Der Fachhandel bleibt besonders bei Zubehör und Bedarfsartikeln wichtig. Gleichzeitig bietet das Internet Vorteile bei regelmäßigen Bestellungen, Preisvergleichen und Abonnements für Futter oder Einstreu.

    Für Unternehmen bedeutet das: Der moderne Haustierhalter erwartet zunehmend eine Kombination aus Beratung, Verfügbarkeit, Convenience und digitalem Einkauf.

    Tiergesundheit wird immer wichtiger

    Ein besonders stark wachsender Bereich ist die Gesundheit von Haustieren. Die Heimtierstudie 2025 beziffert die Umsätze in den Bereichen Veterinärwesen, Tierheilpraktiker und verwandte Leistungen auf rund 4 bis 4,2 Milliarden Euro. Ein wichtiger Faktor ist dabei die seit 2022 geltende neue Gebührenordnung für Tierärzte.

    Auch Tierversicherungen haben deutlich an Bedeutung gewonnen. Ihr Marktvolumen wird inzwischen auf rund 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro geschätzt.

    Das passt zu einem übergeordneten gesellschaftlichen Trend: Je stärker Haustiere als Familienmitglieder wahrgenommen werden, desto größer wird die Bereitschaft, auch bei Krankheit oder im Alter umfangreiche medizinische Leistungen in Anspruch zu nehmen.

    Haustiere sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor

    Die wirtschaftliche Bedeutung geht weit über Futter und Zubehör hinaus. Eine von Prof. Dr. Renate Ohr von der Georg-August-Universität Göttingen erstellte Heimtierstudie beziffert die mit der Heimtierhaltung verbundenen Umsätze für 2024 auf mehr als 18 Milliarden Euro. Nach Berücksichtigung der Importe ergibt sich ein Beitrag zur deutschen Wertschöpfung von etwa 15,2 Milliarden Euro. Das entspricht rund 0,35 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Mit der Heimtierhaltung sind laut Studie bis zu 165.000 Arbeitsplätze verbunden.

    Dazu gehören nicht nur Mitarbeiter in Zoofachgeschäften und bei Futtermittelherstellern. Auch Tierärzte, Tierkliniken, Versicherungen, Tierpensionen, Hundeschulen, Pflegeanbieter, Hersteller von Zubehör und zahlreiche weitere Dienstleister profitieren von der Haustierhaltung.

    Selbst die öffentliche Hand profitiert: Die Einnahmen aus der Hundesteuer stiegen von rund 359 Millionen Euro im Jahr 2018 auf etwa 430 Millionen Euro im Jahr 2024.

    Aquarien und Terrarien machen die Statistik noch größer

    Die Zahl von 33,4 Millionen Heimtieren ist deshalb mit Vorsicht zu betrachten. Sie umfasst Katzen, Hunde, Kleinsäuger und Ziervögel. Zierfische und Terrarientiere sind darin nicht als einzelne Tiere enthalten.

    2025 gab es in Deutschland etwa 2,1 Millionen Aquarien und rund 1 Million Terrarien. Zusätzlich existierten ungefähr eine Million Gartenteiche mit Zierfischen. Die tatsächliche Zahl der einzelnen Tiere in deutschen Haushalten liegt deshalb deutlich höher als die häufig zitierte Zahl von 33,4 Millionen.

    Eine weitere interessante Nische ist das sogenannte Homefarming. Auch Hühner und Wachteln werden zunehmend im privaten Umfeld gehalten. 2025 gab es entsprechende Tierhaltungen in rund 1,4 Prozent der privaten Haushalte.

    Haustiere bleiben ein gesellschaftlicher Megatrend

    Die Zahlen zeigen insgesamt ein klares Bild: Haustiere sind in Deutschland tief in der Gesellschaft verankert. Katzen bleiben mit 15,7 Millionen Tieren die beliebteste Haustierart, gefolgt von rund zehn Millionen Hunden. Gleichzeitig wächst die wirtschaftliche Bedeutung der Tierhaltung weit über den klassischen Zoofachhandel hinaus.

    Von hochwertigem Tierfutter über Onlinehandel und Versicherungen bis hin zu Tiermedizin, Pflege und Betreuung entsteht ein immer größerer Markt. Gleichzeitig verändert sich die Beziehung zwischen Mensch und Tier. Haustiere werden zunehmend als Familienmitglieder, Begleiter und Sozialpartner wahrgenommen.

    Für die kommenden Jahre dürften deshalb vor allem Themen wie Premium-Tierfutter, Tiergesundheit, Versicherungen, digitale Services, GPS-Tracker, Tierkameras, automatische Futterautomaten, individuelle Ernährung und professionelle Betreuung weiter an Bedeutung gewinnen.

    Das Fazit: Deutschland ist ein Land der Haustiere. Rund 43 Prozent der Haushalte halten mindestens ein Heimtier, Millionen Menschen leben mit Hund, Katze oder anderen Tieren zusammen. Hinter dieser Tierliebe steht längst nicht mehr nur ein Hobby, sondern ein bedeutender gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Markt. Wer verstehen will, wie sich Konsum, Familie, Einsamkeit, Gesundheit und Lifestyle in Deutschland verändern, sollte deshalb auch einen Blick auf die Haustierhaltung werfen.