Giovanni Pierluigi da Palestrina

    Aus WISSEN-digital.de

    italienischer Komponist; * zwischen 3. Februar 1525 und 2. Februar 1526 in Palestrina, † 2. Februar 1594 in Rom

    Als Sängerknabe wurde Palestrina zunächst in Rom an Santa Maria Maggiore musikalisch ausgebildet, bevor er in seiner Heimatstadt von 1544 bis 1551 als Organist wirkte. Anschließend bekleidete er die Kapellmeisterstelle in Rom an der Cappella Giulia (Petersdom) und wechselte 1555 in die päpstliche Kapelle (Sixtinische Kapelle) als Sänger, eine Position, die er nur kurze Zeit behielt, da Papst Paul IV. keine verheirateten Sänger mehr duldete. Es folgte im selben Jahr eine Anstellung an San Giovanni in Laterano sowie ab 1561 an Santa Maria Maggiore jeweils als Kapellmeister.

    Schon 1554 war sein erster Band mit Messen im Druck erschienen. Der zweite Band, 1567 gedruckt, enthält die "Missa Papae Marcelli", die vermeintlich der gegenreformatorischen Forderung nach besserer Textverständlichkeit in der polyphonen Musik nachkommen soll. An ihr hat sich die Legendenbildung von Palestrina als Retter der katholischen Kirchenmusik entsponnen. Seine Madrigalbücher, das erste 1555 erschienen, wurden in der Folge häufig nachgedruckt, ebenso die sechs Motettenbücher (1563-1584), die insgesamt 177 Werke enthalten.

    Von 1567 bis 1571 war er im Dienst des Kardinals d’Este und anschließend kehrte er auf seinen Kapellmeisterposten an der Capella Giulia am Petersdom zurück, auf dem er bis zu seinem Tod verblieb.

    Palestrina führte als Hauptvertreter der römischen Schule das Erbe der kunstvollen kontrapunktischen Vielstimmigkeit der niederländischen Meister (franko-flämische Schule) zu höchster Blüte und verband die Vokalpolyphonie mit dem neuen harmonischen Empfinden des späten 16. Jh.s.

    Sein A-cappella-Stil wurde nach dem Tridentiner Konzil (1545-63) für die katholische Kirchenmusik als vorbildlich angesehen. Der von ihm gepflegte, ausgewogen-artifizielle Kompositionsstil blieb über die Jahrhunderte Basis für alle wichtigen Lehrwerke zum Kontrapunkt. Ein spätes Aufleben des so genannten "Palestrinastils" brachte der Historismus im 19. Jahrhundert (Cäcilianismus). Gesamtausgaben der Werke Palestrinas erschienen im 19. Jh. (hg. von F.X. Haberl) und im 20. Jh. (hg. von R. Casimiri).

    Werke: 104 Messen, über 375 Motetten, 68 Offertorien, über 65 Hymnen, 4 Lamentationen, über 140 Madrigale, über 50 geistliche Madrigale.

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