Geschichte: Erste Staatsbildungen

    Aus WISSEN-digital.de


    Inschriften auf Gedenksteinen, an Tempelwänden und in den Gräbern sowie einige wenige Urkunden auf Papyrus sind die Zeitdokumente, auf die sich unsere Kenntnis altägyptischer Geschichte stützt. Erst im 3. Jahrhundert v.Chr. findet sich ein ägyptisches Geschichtswerk, das der Priester Mantho verfasste. Er teilte die Herrscherhäuser der Pharaonen vor Alexander dem Großen in 30 Dynastien ein. Die Ägyptologie hat diese Einteilung übernommen.

    Bis zum Ende des 4. Jahrtausends v.Chr. stand Ägypten unter der Herrschaft lokaler Stammesfürsten, die sich im Laufe der Zeit zusammenschlossen, so dass sich im Delta ein unterägyptisches Reich bildete, dem das oberägyptische gegenüberstand. Um 3000 gelang es dem mächtigen Fürsten Menes (auch Narmer genannt), die beiden Reiche zu einen. An der Nahtstelle beider Länder errichtete er die Hauptstadt Memphis, die er "Waage der Länder" nannte.

    Der Dualismus von Ober- und Unterägypten blieb den Ägyptern Zeit ihrer Geschichte bewusst. Bei Amtsantritt eines neuen Pharaos und bei Jubiläumsfesten wurde die Vereinigung beider Länder kultisch immer wieder neu vollzogen. Zum Königsornat gehörte die Doppelkrone, die die Herrschaft über beide Länder symbolisierte.

    Das Alte Reich erstreckte sich bis zum 1. Katarakt, brachte aber bereits die Stämme Nubiens, wie das südlich vom 1. Katarakt gelegene Land genannt wurde, in eine gewisse Abhängigkeit. Die Kupferminen des Sinai wurden ausgebeutet, Expeditionen ins Rote Meer entsandt, ägyptische Schiffe fuhren über das östliche Mittelmeer. Die Macht der Pharaonen wuchs beständig und bereits Djoser, ein Pharao der 3. Dynastie, ließ 2630 v.Chr. für sich eine gewaltige Grabstätte errichten: die Stufenpyramide von Sakkara, den bis dahin größten Steinbau der Geschichte.

    Die gewaltigsten Pyramiden aber entstanden unter den Pharaonen der 4. Dynastie (2590-2470 v.Chr.), so die Pyramide des Cheops, das größte Bauwerk dieser Art. Über einer Seitenlänge von 230 Metern erhebt sie sich in stereometrischer Klarheit zu einer Höhe von 146 Metern. 2,3 Millionen Blöcke mit einem Durchschnittsgewicht von 2,5 Tonnen wurden zu ihrem Bau verwandt. Während der Überschwemmungszeit arbeiteten 100 000 Bauern an ihrer Vollendung, 4000 Steinmetze waren ganzjährig tätig.

    Die Beobachtung des Sternenhimmels erlaubte eine von modernen Instrumenten kaum übertroffene Genauigkeit in der Einordnung der Pyramide. Mit Hilfe von Wassergräben wurde die exakte Planierung des Geländes und der einzelnen Steinlagen kontrolliert. Auf einer riesigen Rampe, die rechtwinklig zur Pyramide verlief, ihre ganze Breite einnahm und mit ihr laufend erhöht wurde, zogen Arbeitergruppen von 15 bis 20 Mann die schweren Blöcke auf Schlitten an ihren Platz.

    Der Sinn der Pyramide war es, den mumifizierten Körper des Pharao in Ewigkeit zu erhalten, zugleich aber die Aufstiegsrampe bei seinem Weg ins Jenseits zu sein. "Der Himmel hat für dich die Strahlen der Sonne gestärkt, damit du dich auf ihnen in den Himmel erheben mögest als das Auge des Re", heißt es in den Pyramidentexten.

    In der 5. und 6. Dynastie erweiterten die Beamten des Hofes ihre Rechte, die Gaufürsten, die sich nun "große Herren" nennen konnten, erlangten weitgehende Selbstständigkeit. Nach 500-jährigem Bestehen zerfiel das Reich in die früheren Provinzen.

    Es folgte die 1. Zwischenzeit (2130-2040 v.Chr.), eine Epoche völliger Ordnungs- und Rechtlosigkeit. Nichts war vor Zerstörung sicher, die Pyramiden wurden erbrochen. Die Gaufürsten kämpften untereinander um die Vorherrschaft. In der 7.-10. Dynastie konnten einige von ihnen für kurze Zeit an die Macht kommen.

    Nach 200 Jahren gelang es Fürsten aus dem oberägyptischen Theben, das Land neu zu vereinen und damit das Mittlere Reich zu begründen. Die unumschränkte Königsmacht des Alten Reiches war jedoch verschwunden, es war ein Lehnsstaat entstanden. Die einzelnen Gaufürsten waren auf Selbstständigkeit bedacht und jeder schwache Herrscher konnte das Ende des Reiches bedeuten.

    Ein Land, das sich über 1000 Kilometer erstreckte, im Delta zwar zusammenhängendes Fruchtland besaß, in Oberägypten aber nur oasenhaft besiedelt war, bedurfte jedoch einer festen staatlichen Ordnung Sie wurde durch die Pharaonen der 12. Dynastie geschaffen: Amenemhet I. (1991-1962 v.Chr.), dessen Mitregenten und späteren Alleinherrscher Sesostris I. (1971-1962), vor allem aber durch Sesostris III. (1878-1841), der die Eroberungen in Nubien abschloss, in Palästina kämpfte, die Verwaltung des Reiches reformierte und die Macht der Gaufürsten einschränkte.

    Der oberste Minister blieb der Wesir, der den König in der Rechtsprechung unterstützte, die Verwaltung lenkte und die öffentlichen Arbeiten sowie die Militärbeamten beaufsichtigte. Eine besondere Bedeutung kam dem "Oberaufseher des Schatzhauses" zu, der einem Finanzminister gleichkam. Das Schatzhaus war die zentrale Verwaltungsinstanz. Hierhin hatten die einzelnen Gaufürsten oder Gaugouverneure die Naturalsteuern abzuliefern. Von hier wurden die Gehälter der Beamten gezahlt, wurde die Versorgung des Volkes in Dürrezeiten sichergestellt. Zahllose Beamte waren damit beschäftigt, mit Hilfe von Nilmessern die Höhe der Flut, von der die Bewässerung der Felder abhing, zu berechnen, die Felder zu vermessen, die Steuern festzusetzen und einzutreiben. Die Kenntnis der Schrift verschaffte Zugang zur Beamtenlaufbahn, "Schreiber" genossen höchstes Ansehen.

    Schon um 3000 v.Chr., etwa gleichzeitig mit den Sumerern, hatten die Ägypter die Schrift entwickelt. Zuerst setzten sie das Bild für den Gegenstand, doch bald hatten sie Zeichen für Konsonanten und Konsonantenverbindungen gefunden und waren in der Lage, auch abstrakte Begriffe niederzuschreiben. Die Griechen sprachen von "heiligen Zeichen", Hieroglyphen. Als religiös-kultische Schrift in Gräbern und Tempeln behielt Ägypten die Hieroglyphen bis in die Endzeit bei. Als Schreibschrift auf Leder und Papyrus aber bildete sich früh aus den Hieroglyphen die hieratische Schrift, die in der Spätzeit von der demotischen Schrift abgelöst wurde, einer Kursivschrift, die in ihren stilisierten Zeichen nur noch entfernt an die Hieroglyphen erinnert.

    Eine Zeit des Friedens im Mittleren Reich erlebte Ägypten unter Amenemhet III. (1842-1797), dem Nachfolger Sesostris' III. Er widmete seine Kraft einem gigantischen Werk: Durch riesige Dammbauten schuf er an der Spitze des Deltas einen Stausee, der die Ernteerträge Ägyptens um ein Drittel erhöhte. Mit ihm aber erlosch die Kraft dieses Geschlechtes. Das Reich löste sich unter seinen Nachfolgern auf und in der 2. Zwischenzeit erfolgte ein Niedergang von größter Tragweite: Aus Asien heranstürmende Horden, die Hyksos, konnten Ägypten überfluten.

    Wieder erwies sich der Süden des Landes als der stärkere, lebenskräftigere Teil. Oberägyptische Fürsten aus Theben vertrieben die Hyksos und begründeten mit der 18. Dynastie (1552-1306) das Neue Reich.

    KALENDERBLATT - 11. August

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