Geschichte: Das Reich in der Defensive

    Aus WISSEN-digital.de


    Die Ideen Echnatons scheiterten - nicht zuletzt daran, dass Echnaton als Herrscher versagte.

    Tatenlos sah er zu, wie die Hethiter Nordsyrien in ihre Gewalt brachten, die Fürsten Palästinas abfielen, wie sich in Ägypten Unordnung und Korruption ausbreiteten. Die Gegenreaktion konnte nicht ausbleiben. Bereits sein Nachfolger Tutanchaton (1347-1338) wurde gezwungen, nach Theben zurückzukehren, die alten Götterkulte wieder einzusetzen und seinen Namen in Tutanchamun zu ändern.

    Die endgültige Restauration aber ging vom Heer aus: Etwa 15 Jahre nach Echnatons Tod übernahm der General Haremhab (1333-1306) die Königsherrschaft, stellte die Ordnung im Land wieder her und schuf alle Voraussetzungen dafür, dass die nun folgende 19. Dynastie der Hethitergefahr erfolgreich begegnen konnte.

    Die Auseinandersetzung Ägyptens mit den Hethitern ist verbunden mit dem Namen der Schlacht von Kadesch. Ramses II. (1290-1224), dessen Vater sich schon die Fürsten Palästinas und Südsyriens wieder Untertan gemacht hatte, griff nun die Hethiter in Nordsyrien an. Bei Kadesch erwartete ihn 1285 der Hethiterkönig Muwatallis. Zwei ebenbürtige Gegner trafen aufeinander. Ramses musste sich zurückziehen.

    Thronstreitigkeiten schwächten in der Folgezeit das Hethiterreich, mit Assyrien aber erstand ihm ein immer mächtiger werdender Nachbar. Fünfzehn Jahre nach der Schlacht von Kadesch war die Zeit reif für einen Beistandspakt mit Ägypten. Freundschaft herrschte nun zwischen beiden Völkern, die noch durch eine Heirat Ramses' II. mit einer hethitischen Prinzessin besiegelt wurde.

    Die Hethitergefahr war gebannt. Doch neue, unberechenbarere Gefahren drohten durch Völkerverschiebungen im Mittelmeerraum. Indoeuropäische Stämme, die hauptsächlich über das Meer kamen und die die Ägypter deshalb "Seevölker" nannten, überfluteten die Inseln und Küsten des Mittelmeeres, ergossen sich nach Kleinasien und Libyen. Unter ihrem Druck verstärkten sich die Wanderbewegungen libyscher Stämme, die sich mit ihnen vermischten und ins Delta drängten. Bereits Merenphtah (1224-1214), der Sohn und Nachfolger Ramses' II., musste der Invasion libyscher Stämme im Delta entgegentreten. Die Schlacht von 1219 endete mit der Vernichtung der Feinde.

    Ägypten wurde dennoch immer mehr in die Defensive gedrängt. Das Neue Reich verlor zusehends an innerer Substanz. Die Dynastie des großen Ramses endete in Wirren, die ihr folgende 20. Dynastie brachte nur einen großen Herrscher hervor, Ramses III. (1184-1153). Dieser wehrte zwar den erneuten Ansturm der Libyer und der Seevölker ab. Doch mit ihm war die ägyptische Widerstandskraft erschöpft. Es war nur noch eine Frage der Zeit, wann fremde Völker sich des Niltales bemächtigen würden.

    Gesetzlosigkeit und Verbrechen breiteten sich aus. Die Könige der 20. Dynastie vermochten nicht einmal mehr die Gräber ihrer Vorfahren zu schützen. Sie selbst waren nur noch Marionetten in der Hand der mächtigen Priesterschaft. Als diese sich mit dem Heer verband, war das Ende des Neuen Reiches gekommen. Um 1070 schob der General Herihor, der mit der Würde des Oberpriesters des Amun betraut worden war, den König beiseite und begründete die 21. Dynastie, die Dynastie der Priesterkönige.

    Damit begann die Spätzeit, in der Ägypten bald unter die Macht fremder Herrscherhäuser geriet. Zwei Jahrhunderte nach den großen Abwehrkämpfen Ramses' III. bestiegen libysche Söldnerfürsten aus dem Delta kampflos den Pharaonenthron. Auf sie folgten Äthiopier, Assyrer, Perser, Makedonen und Römer. Ihr aller Hauptziel war die Ausbeutung des Landes. Die Kultur des alten Ägypten lebte jedoch fort, wenn auch in mittlerweile bizarren Formen.

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