Geschichte: Aufklärung und Reaktion in Österreich

    Aus WISSEN-digital.de


    Die von Maria Theresia vorsichtig eingeleitete und unter Kaiser Joseph II. (1780-1790) fortgeführte Epoche der Aufklärung in Österreich blieb Episode, der ein reaktionärer Rückschlag folgte.

    Lediglich die zentralistischen Maßnahmen Josephs, die Toleranzgesetzgebung, die Beseitigung der letzten ständischen Rechte und die ungarische Grafschaftsverfassung waren von Dauer. Joseph, der katholische Gläubigkeit mit aufklärerischem Denken vereinte, unternahm geradezu revolutionäre Veränderungen. Er überstürzte Maßnahmen, die er gegen Ende seiner Regierungszeit unter dem Druck der klerikalen, aristokratischen und antideutschen Nationalitätenopposition zum größten Teil wieder rückgängig machen musste.

    Zu seinen Reformen gehörten die Aufhebung der Leibeigenschaft und des Zunftzwangs, die Einführung der Rechtsgleichheit und die kirchenpolitischen Maßnahmen, die in der Bildung eines staatskirchlichen Systems und der Säkularisation vieler Klöster gipfelten, verbunden mit der Verkündigung der Glaubensfreiheit im Toleranzpatent von 1781, sowie Bestimmungen zur Judenemanzipation. Der Kaiser reformierte die Besoldung der Pfarrer und errichtete neue Schulen und Kirchen. Dem Steuerwesen widmete er sich mit besonderer Aufmerksamkeit.

    Nach physiokratischen Grundsätzen gründete er 1785 eine Hofkommission für Landesvermessung und Katasterbildung, deren Arbeit überhaupt erst eine systematische Veranlagung zur Grundsteuer möglich machte; 1789 wurde dann ein allgemeines Steuerregulierungspatent verkündet.

    Das Schutzzollgesetz von 1784 beseitigte die Binnenzölle und ließ einen nach außen abgegrenzten geschlossenen Wirtschaftsraum entstehen. Joseph II. förderte den wirtschaftlichen Aufschwung in seinem Staat zugleich durch die Errichtung von Volksschulen, Gymnasien und Universitäten, die eine den modernen Anforderungen entsprechende bürgerlich-bäuerliche Bildungsschicht heranziehen sollten. Bahnbrechend war auch seine Fabrikgesetzgebung von 1786, mit der die Kinderarbeit in den Manufakturen weitgehend verboten oder wenigstens eingeschränkt wurde. Die soziale Volksfürsorge Josephs fand auch in der Errichtung von Blinden- und Taubstummenheimen und Krankenhäusern ihren Ausdruck. Mit diesen Maßnahmen wies die Politik des Kaisers in die Zukunft.

    Am Ende der Epoche standen die beiden Mächte im zunächst friedlichen Wettbewerb um die politische, geistige und kulturelle Führung im deutschsprachigen Raum. Das Preußen Friedrichs des Großen und das Österreich Josephs II. wurden mit ihrer Regierungsform des aufgeklärten Absolutismus Vorbild für ganz Deutschland. Zur selbstgewählten Rolle des Landesherrn gehörte es, als "erster Diener des Staates" (so Friedrich der Große in seinem Antimacchiavell) geeignete Maßnahmen zur Pflege des wirtschaftlichen Wohlergehens seiner Untertanen zu treffen, Landwirtschaft, Handel und Gewerbe zu fördern, eine gerechte und sachgetreue Verwaltung und Justiz zu sichern und das Bildungswesen im Geist religiöser Duldung zu pflegen. Der absolutistische Staat wurde beibehalten, seine Strenge jedoch gemildert. Im Grund war er aufnahmefähig gemacht für die Forderungen der Untertanen nach Mitbestimmung und Mitregierung. In beiden Ländern, aber auch in kleineren deutschen Staaten entstanden Verhältnisse, die einer organischen Weiterentwicklung offen gewesen wären. Die soziale Reaktion verhinderte jedoch diese Weiterentwicklung und nährte damit ein bedrohliches revolutionäres Potenzial. Die Kluft zwischen Regierung und Volk vertiefte sich; legitimistische und revolutionäre Fronten standen sich auch in Deutschland verhängnisvoll unversöhnlich gegenüber.

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