Geschichte

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    (von althochdeutsch: gisciht, "Geschehnis, Ereignis"; lateinisch: historia)

    Ursprünglich das augenblickliche, zufällige Ereignis; seit dem 15. Jh. entwickelte sich der Begriff in Abwendung von der Geschichte als Heilsgeschichte zur heutigen Bedeutung als Naturgeschichte im weiteren Sinn (Ablauf allen Geschehens in Raum und Zeit); im engeren eigentlichen Sinn bezieht er sich auf den Entwicklungsprozess der menschlichen Gesellschaft, ihrer ökonomischen, politischen, ideologischen, sozialen und kulturellen Ausprägung. Vergangenheit und Zukunft zugleich erfassend, wurde die Geschichte zu einem politischen und sozialen Leitbegriff für alle gemachte und noch zu machende Erfahrung.


    Von Geschichte ist im strikten Sinn nur dort zu reden, wo Geschichtsbewusstsein vorhanden ist. Geschichte ist also zugleich der Prozess ihrer bewussten Aneignung durch den Menschen und ein Gegenstand wissenschaftlicher Forschung.

    Die Geschichtswissenschaft versucht rational die Geschichte des Menschen als eines sozialen Wesens deutend zu verstehen.

    Die Geschichtsphilosophie ist ein auf Voltaire zurückgehender Begriff sowohl für die Deutung der Geschichte auf ihren Sinn hin oder ihre Erklärung durch allgemeine Gesetze als auch für die Methodologie der Geschichtsschreibung.

    Aufteilung in Einzeldisziplinen und Epochen

    Die verschiedenen Aspekte des politisch-sozialen Beziehungsgeflechts werden von den Einzeldisziplinen (Wirtschaftsgeschichte, Sozialgeschichte, Geistesgeschichte, Kulturgeschichte) erfasst.

    Die Geschichte lässt sich im Allgemeinen in vier Großepochen chronologisch aufteilen:

    Vor- und Frühgeschichte;Altertum;Mittelalter; Neuzeit und ihre jüngste Phase - die Zeitgeschichte.Diese Gliederung ist vor allem für die europäische Geschichte zutreffend, für manche Regionen der Welt (siehe Außereuropäische Hochkulturen) sind oft andere Begriffe und Periodisierungen sinnvoll und notwendig.

    Begriffswandlung

    Altertum

    Der Begriff "Historie" tritt in den Quellen seit dem 5. Jh. v.Chr. auf, das erste Mal bei Herodot, dem "pater historiae" ("Vater der Geschichtsschreibung"), wie er bei Cicero bezeichnet wird.

    Gegenstandsbereich sind die profane menschliche Vergangenheit, die menschlichen Taten und Geschehnisse. Bereits die Bestimmung des Gegenstandsbereichs ist ein Aspekt des großen kulturellen Wandlungsprozesses im 5. Jh. v.Chr., in dessen Verlauf sich Wissenschaft, Philosophie und Geschichtsschreibung herausbilden und der im weitesten Sinn als Abkehr vom Mythos zu beschreiben ist. "Historie" erstreckt sich lediglich auf das empirisch Erforschbare und kann somit nur zwei bis drei Generationen zurückreichen. Die Methode ist die der historischen Erklärung durch Befragen von Zeugen, womit ein hoher Wahrheitsanspruch verbunden ist.

    Mittelalter

    Das Christentum verändert das antike Geschichtsverständnis von Grund auf. Augustinus'Geschichtstheologie begreift die Auffassung des Mittelalters von der Geschichte als zielgerichtete Heilsgeschichte. Das durch Isidorus von Sevilla vermittelte Wahrheitsmotiv lässt sich bis ins Hochmittelalter hinein verfolgen.

    Neuzeit

    Das Neue gegenüber der Antike und dem Mittelalter besteht weniger in der Beschreibung und kausalen Verkettung von Ereignissen als in der durch zeitliches Distanzieren ermöglichten perspektivischen Ansicht der Vergangenheit.

    Am Anfang der neuzeitlichen Geschichtsauffassung steht die Historiografie der italienischen und zumal der florentinischen Vertreter des Humanismus (Dante, Machiavelli, Guicciardini). In ihnen verbindet sich ein neues Welt- und Lebensgefühl mit der Idealisierung der Antike und mit Ansätzen zu einer Säkularisation der Geschichte. Seit dem Ende des 15. Jh.s n.Chr. verbreitet sich die humanistische Historiografie von Italien aus über ganz Europa.

    Unter dem Einfluss der Glaubenskriege wird die von den Humanisten vernachlässigte Kirchengeschichte wieder entdeckt. Im Zeitalter der Aufklärung (18. Jh.) werden die humanistischen Konzeptionen mit Voltaire, Gibbon und Hume weitergeführt und erreichen ihren Höhepunkt. Die Historiker der Aufklärung sind die Ersten, die die Geschichte nicht mehr ausschließlich vom Standpunkt der Regierenden beurteilen. Sie überwinden die heils- und territorialgeschichtliche Verengung durch eine an der Entwicklung der Menschen orientierte Universalgeschichte (Weltgeschichte).

    19. und 20. Jahrhundert

    Die Vollendung der historischen Methode im 19. Jh. ist Deutschlands Beitrag zur Grundlegung der modernen Geschichtsauffassung. Die Kategorien Entwicklung und Individualität werden zu Leitprinzipien der Geschichtsschreibung.

    Im 20. Jh. ist ein Aufstieg der Sozialwissenschaften zu bemerken, Ausdruck gesellschaftlicher Bedürfnisse im Industriezeitalter. Der Übergang zu einer sich auch als Sozialwissenschaft verstehenden Geschichtsschreibung setzt sich in Folge der politischen Katastrophen und sozialen Krisen durch.

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