Evolutionstheorie

    Aus WISSEN-digital.de

    Die Geschichte der Evolutionstheorie beginnt erst im 18. Jh. Sicherlich gab es auch in der Antike Überlegungen dazu, dass alles Lebende aus den vier Elementen Wasser, Erde, Luft und Feuer entstanden sei. Doch damals waren die meisten Menschen davon überzeugt, dass alle Lebewesen von den Göttern abstammen würden.


    Diese Argumentation verfolgte auch das Christentum, das die Rückführung aber auf einen Gott beschränkte. Frühe Überlegungen zur Evolution, wie die des französischen Mathematikers Pierre L. M. de Maupertuis (1698-1759), lehnten sich noch an diese Gedanken an.

    Lamarckismus

    Erst der französische Zoologe und Botaniker J.-B. A. de Monet de Lamarck (1744-1829) brachte mit seiner Theorie über die Ursachen des evolutionären Wandels Bewegung in das Denken der Zeit. Seine Theorie, die auch als Lamarckismus bekannt ist, sagt, dass die Vererbung erworbener Eigenschaften, ob direkt durch die Umwelt oder indirekt auf physiologischem Wege ausgelöst, Grundvoraussetzung für den evolutionären Wandel sei. Diese Annahme konnte jedoch wissenschaftlich nicht bestätigt werden.

    Darwinismus

    1859 veröffentlichte der englische Naturforscher und Biologe Charles Darwin (1809-82) sein berühmtes Werk zur Evolution "On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life"; übersetzt: "Über die Entstehung der Arten im Thier- und Pflanzenreich durch natürliche Züchtung, oder Erhaltung der vervollkommneten Rassen im Kampfe ums Dasein", meist kurz als "Die Entstehung der Arten" zitiert.

    Das Paradebeispiel adaptiver Radiation der nach ihm benannten Darwinfinken auf den Galapagosinseln hatten ihm den gedanklichen Anstoß zu seinem Werk gegeben, in dem er seine Theorie der Evolution aller Lebewesen vorstellte, die als Darwinismus bekannt ist.

    Der Darwinismus erklärt die Entstehung und Umformung aller Tier- und Pflanzenarten durch die Prinzipien der Variation (Abweichung vom Elterntypus), natürliche Auslese (Selektion, abhängig von der Bewährung der Variation bei der Lebensbehauptung, "Kampf ums Dasein") und Vererbung (vorzugsweise der günstigen Variationen). Die Entstehung der Arten ist kausal, vom Ziel her bestimmt.

    In Form dieser Auslese- oder Selektionstheorie verhalf der Darwinismus zusammen mit den Theorien Lamarcks der Abstammungslehre zum Sieg, wonach alle Lebewesen nicht von Anfang an in der heutigen Form da waren, sondern sich aus einer oder wenigen gemeinsamen Urformen erst durch natürliche Zuchtwahl im Kampf ums Dasein entwickelt haben.

    Die Passage "survival of the fittest", das Überleben des Geeignetsten (des Angepasstesten), wurde als zentrale Aussage des Werkes schon bald von anderen Wissenschaftlern bestätigt. Das Werk über die Abstammung des Menschen vom Affen veröffentlichte Darwin erst 1871. Bewiesen hat die Theorie Gregor J. Mendel (1822-84) mit seinen Züchtungsversuchen.

    Ohne die genauen Kenntnisse der heutigen Genetik zu haben, konnte ab da bestätigt werden, dass die Artmerkmale von Generation zu Generation vererbt werden. Der niederländische Botaniker und Genetiker Hugo de Vries (1848-1935) entdeckte nicht nur die unbeachtet gebliebenen Arbeiten von Mendel wieder, sondern erkannte, dass das Auftreten von Mutationen bei der Vererbung die Basis für die Artenvielfalt und Artenvariabilität ist.

    Die moderne Molekularbiologie und die Genetik haben inzwischen die Richtigkeit der Darwin'schen Theorie bestätigt. So sind die Vielzahl der genetischen Codes bei allen Lebensformen in großen Teilen identisch oder sehr ähnlich. Damit ist ausgeschlossen, dass es noch einen anderen "Grund"-Code geben kann. Dieser Argumentation konnte sich auch die katholische Kirche nicht verschließen und erkannte 1996 die Evolutionstheorie an. Der Darwinismus ist heute allgemein anerkannt und durch die Mutationstheorie ergänzt.

    Im positivistisch eingestellten 19. Jh. (Positivismus) feierte der Darwinismus höchste Triumphe, gegen die Absicht Darwins auch außerhalb seines eigentlichen biologischen Bereiches (z.B. Darwinistische Weltanschauung, Nietzsches Herrenmenschentum durch Auslese, Materialismus, Manchestertum, Imperialismus, Nationalsozialismus). Siehe auch Evolutionismus.

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