Digitale Identitäten in Deutschland: Kabinett beschließt Gesetz für die EUDI-Wallet – Europaweite digitale Ausweise ab 2027

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    Berlin, 20. Mai 2026 – Die Bundesregierung hat den Entwurf für das neue Digitale-Identitäten-Gesetz (DIdG) beschlossen und damit den Weg für die Einführung der European Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet) in Deutschland freigemacht. Mit der digitalen Brieftasche sollen Bürgerinnen und Bürger künftig ihre Identität sicher per Smartphone nachweisen, Dokumente digital verwalten und zahlreiche Behördengänge sowie Vertragsabschlüsse einfacher erledigen können. Die Nutzung der digitalen Identität wird freiwillig sein und soll ab Januar 2027 europaweit verfügbar werden.

    Bundesregierung schafft Grundlage für digitale Identitäten

    Mit dem Kabinettsbeschluss setzt Deutschland einen wichtigen Baustein der europäischen Digitalisierungsstrategie um. Das Digitale-Identitäten-Gesetz schafft die notwendigen nationalen Rahmenbedingungen für die Einführung der EUDI-Wallet und ergänzt die bereits geltenden europäischen Vorschriften der sogenannten eIDAS-Verordnung (EU) Nr. 910/2014.

    Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger betonte die Bedeutung des Vorhabens für Bürgerinnen und Bürger sowie für die Wirtschaft. Die neue digitale Identitätslösung soll den Alltag vereinfachen und gleichzeitig höchste Sicherheits- und Datenschutzstandards gewährleisten.

    Was ist die EUDI-Wallet?

    Die European Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet) ist eine digitale Brieftasche für Smartphones, in der Nutzerinnen und Nutzer ihre digitale Identität sowie verschiedene amtliche Nachweise speichern und verwenden können. Die Wallet dient als sichere Schnittstelle zwischen Bürgern, Behörden und Unternehmen.

    Mit der EUDI-Wallet können künftig unter anderem:

    • digitale Identitätsnachweise erbracht werden,
    • Behördendienste online genutzt werden,
    • Bankkonten eröffnet werden,
    • Verträge digital unterschrieben werden,
    • elektronische Signaturen verwendet werden,
    • Altersnachweise erbracht werden,
    • digitale Dokumente sicher gespeichert werden,
    • Online-Dienste europaweit genutzt werden.

    Die digitale Brieftasche soll sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich eingesetzt werden können und damit zahlreiche Prozesse vereinfachen.

    Europaweite Nutzung der digitalen Identität

    Ein zentrales Ziel der EUDI-Wallet ist die grenzüberschreitende Anerkennung innerhalb der Europäischen Union. Nutzerinnen und Nutzer sollen ihre digitale Identität künftig nicht nur in Deutschland, sondern auch in allen anderen EU-Mitgliedstaaten verwenden können.

    Damit entsteht erstmals ein europaweit einheitliches System für digitale Identitäten. Dies soll insbesondere Reisen, Geschäftsabschlüsse, Online-Services sowie den Zugang zu öffentlichen Verwaltungsleistungen in anderen EU-Ländern erleichtern.

    Die Bundesregierung sieht darin einen wichtigen Schritt zur Stärkung des europäischen Binnenmarktes und der digitalen Souveränität Europas.

    Mehr Komfort bei Behördengängen und Online-Diensten

    Die EUDI-Wallet soll künftig als zentrale Plattform für den digitalen Austausch zwischen Bürgern, Unternehmen und Behörden dienen. Geplant ist unter anderem, dass Entscheidungen, Bescheide und weitere Dokumente von Bundesbehörden direkt in die Wallet übertragen werden können.

    Dadurch könnten zahlreiche Behördengänge vollständig digital abgewickelt werden. Gleichzeitig profitieren Unternehmen von schnelleren und sichereren Identifizierungsverfahren bei Vertragsabschlüssen oder Kundenregistrierungen.

    Auch im Bereich Social Media und bei Alterskontrollen eröffnet die digitale Identität neue Möglichkeiten. Nutzer könnten künftig ihr Alter datenschutzfreundlich nachweisen, ohne weitere persönliche Daten offenlegen zu müssen.

    Hohe Sicherheitsstandards und umfassender Datenschutz

    Ein Schwerpunkt des Digitale-Identitäten-Gesetzes liegt auf der Sicherheit. Nach Angaben der Bundesregierung wird die EUDI-Wallet erstmals ein elektronisches Identifizierungsmittel mit dem Sicherheitsniveau „hoch“ auf mobilen Endgeräten bereitstellen.

    Die gesetzlichen Regelungen schaffen zudem klare Vorgaben für Datenschutz und Datensicherheit. Ziel ist es, die Vertraulichkeit, Integrität und Unversehrtheit aller gespeicherten Daten sicherzustellen.

    Die Bundesregierung betont, dass die Nutzung der Wallet freiwillig bleibt. Bürgerinnen und Bürger entscheiden selbst, ob sie die digitale Identität verwenden möchten.

    Umsetzung der EU-Vorgaben bis Ende 2026

    Mit dem Gesetz erfüllt Deutschland die Verpflichtungen aus der überarbeiteten eIDAS-Verordnung. Die Europäische Union sieht vor, dass die Mitgliedstaaten die technischen und rechtlichen Voraussetzungen für die Bereitstellung der EUDI-Wallet bis spätestens zum 24. Dezember 2026 schaffen.

    Parallel zum parlamentarischen Verfahren arbeitet die Bundesregierung bereits an der technischen Infrastruktur. Zudem laufen verschiedene Pilotprojekte, in denen die digitale Brieftasche in realen Alltagsszenarien getestet wird.

    Nach aktuellem Zeitplan soll die EUDI-Wallet ab Januar 2027 flächendeckend in Deutschland zur Verfügung stehen.

    Neuerungen beim Personalausweis: Entlastung für Senioren

    Neben der Einführung digitaler Identitäten enthält das Gesetz weitere Änderungen im Personalausweisrecht. Besonders Seniorinnen und Senioren sollen künftig von bürokratischen Erleichterungen profitieren.

    Nach den neuen Regelungen müssen Personen ab dem 70. Lebensjahr künftig nicht mehr persönlich zur Behörde gehen, um ihren Personalausweis verlängern zu lassen. Der Ausweis soll nach der vorgesehenen Gesetzesänderung zeitlich unbegrenzt weiterverwendet werden können.

    Die Maßnahme ist Teil der Föderalen Modernisierungsagenda, mit der Bund und Länder mehr als 200 Maßnahmen zum Bürokratieabbau und zur Modernisierung staatlicher Verwaltungsprozesse beschlossen haben.

    Fazit: Deutschland startet in das Zeitalter der digitalen Identität

    Mit dem Digitale-Identitäten-Gesetz setzt die Bundesregierung einen wichtigen Meilenstein für die digitale Transformation Deutschlands und Europas. Die Einführung der EUDI-Wallet verspricht einfachere Verwaltungsverfahren, mehr Komfort bei Online-Diensten, sichere digitale Identitätsnachweise und eine europaweite Nutzbarkeit.

    Gelingt die Umsetzung wie geplant, könnte die digitale Brieftasche ab 2027 zu einem zentralen Bestandteil des digitalen Alltags von Millionen Bürgerinnen und Bürgern werden und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland stärken.