Die Linke und Kontakte zum Clan-Milieu in Berlin – Was über Remmo, Koçak und Sarah Nagel tatsächlich bekannt ist

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    Die Diskussion über mögliche Kontakte der Partei Die Linke zum Berliner Clan-Milieu hat im September 2026 neue Dynamik bekommen. Auslöser waren der überraschende Auftritt von Issa Remmo auf einer Wahlparty der Berliner Linken in Neukölln sowie die anschließend veröffentlichten Chatnachrichten zwischen dem Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak und Firas Remmo, einem Sohn von Issa Remmo. Gleichzeitig rücken ältere Auseinandersetzungen um die Neuköllner Linken-Politikerin Sarah Nagel und sogenannte Verbundeinsätze von Polizei, Zoll und Ordnungsamt erneut in den Fokus. Die bisher bekannten Vorgänge reichen damit von persönlichen Kontakten über politische Kommunikation bis hin zu grundsätzlichen Konflikten über den Umgang staatlicher Behörden mit sogenannter Clankriminalität. Einen belastbaren Nachweis dafür, dass die Partei Die Linke als Organisation mit kriminellen Clans zusammenarbeitet, liefern die bislang öffentlich bekannten Fälle allerdings nicht. Belegt sind vielmehr einzelne Kontakte und politische Kontroversen, deren Bedeutung unterschiedlich bewertet wird.

    Issa Remmo auf der Wahlparty der Berliner Linken

    Am Wahlabend in Berlin erschien Issa Remmo auf einer Wahlparty der Linken in Neukölln. Die Anwesenheit des bekannten Mitglieds einer Großfamilie, deren einzelne Angehörige wegen verschiedener Straftaten verurteilt wurden, sorgte unmittelbar für politische Aufmerksamkeit.

    Die Berliner Linke erklärte, Remmo sei nicht eingeladen gewesen und habe nicht auf der Gästeliste gestanden. Nach Angaben der Partei war seine Anwesenheit den Verantwortlichen zunächst nicht bekannt. Nachdem er erkannt worden sei, sei er von der Veranstaltung verwiesen worden. Die Parteiführung distanzierte sich anschließend deutlich von dem Vorgang.

    Damit ist ein wichtiger Punkt festzuhalten: Der bloße Aufenthalt einer Person auf einer öffentlich zugänglichen politischen Veranstaltung ist noch kein Beleg für eine Einladung oder eine organisierte politische Zusammenarbeit. Nach der derzeit veröffentlichten Darstellung der Berliner Linken bestand keine geplante Verbindung zwischen der Wahlparty und Issa Remmo.

    Der Chat zwischen Ferat Koçak und Firas Remmo

    Wesentlich konkreter ist der anschließend bekannt gewordene Chat zwischen Ferat Koçak und Firas Remmo. Firas Remmo veröffentlichte Ausschnitte eines Gesprächs, das auf den 17. Februar datiert ist. Koçak bestätigte später die Echtheit des Chats.

    In den veröffentlichten Nachrichten grüßt Koçak Firas Remmo und richtet Grüße an dessen Vater Issa Remmo aus. Außerdem wird ein persönliches Treffen thematisiert. In einem weiteren Teil des Austauschs bittet Koçak darum, einen Ausschnitt aus einer seiner Bundestagsreden weiterzuverbreiten. Firas Remmo reagiert darauf positiv.

    Gerade dieser Teil des Vorgangs ist politisch relevant, weil es sich nicht lediglich um ein zufälliges Aufeinandertreffen handelt. Der veröffentlichte Chat dokumentiert eine direkte Kommunikation zwischen einem amtierenden Bundestagsabgeordneten der Linken und einem Mitglied der Remmo-Familie.

    Koçak erklärte später, er habe zunächst nicht gewusst, mit wem er kommuniziere. In seinem öffentlichen Statement räumte er zugleich ein, dass er später erneut Kontakt aufgenommen habe, obwohl ihm die Identität seines Gesprächspartners zu diesem Zeitpunkt bekannt gewesen sei. Er bezeichnete den Vorgang als Fehler und entschuldigte sich.

    Koçak zieht Konsequenzen

    Nach der öffentlichen Diskussion über den Chat kündigte Ferat Koçak an, seine parlamentarischen Funktionen vorerst ruhen zu lassen. Die Linken-Fraktionsführung erklärte, dass dies so lange gelten solle, bis vollständige Transparenz über den Vorgang hergestellt sei.

    Koçak selbst erklärte, er kommuniziere regelmäßig mit vielen Menschen aus Neukölln und habe auch Firas Remmo zunächst wie andere Personen angesprochen, die über seine politischen Aktivitäten Kontakt zu ihm aufnehmen. Gleichzeitig räumte er ein, dass Kontakte von Mandatsträgern zu Personen, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden, erhebliche Fragen aufwerfen.

    Eine zusätzliche Dimension entstand dadurch, dass Firas Remmo den Chat selbst politisch interpretierte. Er veröffentlichte die Nachrichten mit Aussagen, die eine gemeinsame politische Zielsetzung suggerierten. Diese Interpretation stammt jedoch von Firas Remmo selbst und kann nicht ohne weitere Belege als Darstellung der Position Koçaks oder der gesamten Linken übernommen werden.

    Sarah Nagel und die Auseinandersetzung um Clan-Razzien

    Bereits 2022 gab es in Berlin-Neukölln eine andere Kontroverse, in der eine Linken-Politikerin und der behördliche Umgang mit mutmaßlich problematischen Gewerbebetrieben eine zentrale Rolle spielten.

    Sarah Nagel, damals Bezirksstadträtin der Linken und Leiterin des Neuköllner Ordnungsamtes, stellte sich gegen die Teilnahme ihrer Mitarbeiter an bestimmten sogenannten Verbundeinsätzen. Bei diesen Einsätzen arbeiten unter anderem Polizei, Zoll und Ordnungsamt zusammen.

    In einem konkreten Fall ging es um ein Restaurant, bei dem eine vorherige Gewerbekontrolle abgebrochen worden war, nachdem Mitarbeiter des Ordnungsamtes nach Medienberichten auf aggressive Personen gestoßen waren. Bei einem anschließenden gemeinsamen Einsatz sollte das Restaurant erneut kontrolliert beziehungsweise durchsucht werden. Nagel untersagte ihren Mitarbeitern die Teilnahme. Als Begründung wurde unter anderem genannt, dass eine Vermischung der Gewerbeüberwachung mit anderen polizeilichen Zielen und der Informationsgewinnung nicht ausgeschlossen werden könne.

    Die Entscheidung löste heftige politische Kritik aus. Die Neuköllner FDP beantragte sogar die Abwahl Nagels und warf ihr vor, ihren Aufgaben als Bezirksamtsmitglied nicht ausreichend nachzukommen.

    Lob aus dem Clan-Milieu und die daraus entstandene Kontroverse

    Besonders brisant wurde der Vorgang dadurch, dass Nagel anschließend aus dem Clan-Milieu öffentlich als „Ehrenfrau“ bezeichnet worden sein soll. Medien berichteten über entsprechende Reaktionen auf ihre Entscheidung.

    Aus diesem Umstand entstanden Vorwürfe, Nagels Vorgehen habe Personen aus dem Umfeld organisierter Kriminalität genutzt oder ihnen entgegengekommen. Ein Beleg für eine vorherige Absprache zwischen Nagel und einem Clan oder für eine Gegenleistung ist daraus jedoch nicht ersichtlich.

    Nagel begründete ihre Entscheidung vielmehr mit rechtlichen und verwaltungspraktischen Fragen. Sie kritisierte insbesondere die Verbindung von Gewerbekontrollen mit anderen polizeilichen Maßnahmen. Die damalige Kontroverse war somit zugleich Teil einer grundsätzlichen Debatte über die sogenannten Clan-Razzien in Berlin.

    Die Neuköllner Linke stellte sich ausdrücklich hinter Nagel. Der Bezirksverband erklärte, sogenannte Verbundeinsätze könnten aus seiner Sicht dazu führen, dass migrantische Gewerbetreibende aufgrund ihres Familiennamens unter Generalverdacht gerieten. Die Partei forderte stattdessen diskriminierungsfreie Gewerbekontrollen und unterstützte Nagels Entscheidung.

    Die politische Position der Linken zur Clankriminalität

    Die Debatte über Die Linke und das Clan-Milieu kann deshalb nicht ausschließlich anhand persönlicher Kontakte betrachtet werden. Eine zentrale Rolle spielt auch die unterschiedliche Bewertung des Begriffs „Clankriminalität“ und der behördlichen Vorgehensweise gegen bestimmte Betriebe.

    Teile der Berliner Linken kritisieren seit Jahren sogenannte Clan-Razzien, insbesondere wenn gemeinsame Kontrollen überwiegend migrantische Betriebe wie Shisha-Bars, Restaurants oder andere Gewerbe betreffen. Die Kritik richtet sich dabei gegen eine mögliche Stigmatisierung aufgrund von Herkunft oder Familiennamen.

    Das bedeutet nicht automatisch, dass die Linke organisierte Kriminalität verharmlost oder deren Bekämpfung ablehnt. Die Partei argumentiert vielmehr, dass staatliche Maßnahmen auf konkreten Verdachtsmomenten und Rechtsverstößen beruhen sollten und nicht auf der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Großfamilie.

    Gerade diese Unterscheidung ist für die aktuelle Diskussion entscheidend. Der Begriff „Clan“ bezeichnet nicht automatisch eine kriminelle Personengruppe. Innerhalb großer Familien können einzelne Mitglieder straffällig werden, während andere Familienangehörige keinerlei Bezug zu Straftaten haben.

    Der Fall Ibrahim Miri und die parlamentarische Debatte

    Ein weiterer Zusammenhang betrifft den Fall Ibrahim Miri aus dem Jahr 2019. Miri wird dem sogenannten Miri-Clan zugerechnet. Seine Abschiebung, die spätere Wiedereinreise und sein Asylverfahren führten zu einer intensiven politischen Debatte im Deutschen Bundestag.

    Auch Politiker der Linken beteiligten sich an dieser parlamentarischen Auseinandersetzung. Der damalige Linken-Abgeordnete Friedrich Straetmanns war an der Bundestagsdebatte über den Fall beteiligt. Der Bundestag dokumentiert die entsprechende Aktuelle Stunde vom 8. November 2019 zum Thema „Durchsetzung des Rechtsstaats im Fall Ibrahim Miri“.

    Auch hier muss zwischen einer politischen oder parlamentarischen Position und einer persönlichen Zusammenarbeit unterschieden werden. Die Teilnahme an einer Bundestagsdebatte über einen bekannten Fall von Clan-Kriminalität ist kein Beleg für einen persönlichen Kontakt oder eine Kooperation mit der betreffenden Person.

    Was tatsächlich belegt ist

    Die bekannten Vorgänge ergeben ein differenziertes Bild. Belegt ist, dass Issa Remmo auf einer Wahlparty der Berliner Linken auftauchte. Belegt ist ebenfalls, dass Ferat Koçak mit Firas Remmo kommunizierte und dass die Echtheit des veröffentlichten Chats von Koçak bestätigt wurde. Ebenso dokumentiert sind Koçaks Entschuldigung und sein vorläufiger Rückzug aus parlamentarischen Funktionen.

    Dokumentiert ist außerdem die politische Auseinandersetzung um Sarah Nagels Entscheidung, Mitarbeiter des Neuköllner Ordnungsamtes nicht an einem bestimmten Verbundeinsatz teilnehmen zu lassen. Ebenfalls dokumentiert ist die Unterstützung der Neuköllner Linken für diese Position.

    Nicht belegt ist dagegen, dass diese einzelnen Vorgänge Teil einer zentral gesteuerten Zusammenarbeit zwischen der Partei Die Linke und kriminellen Clans sind. Ebenso gibt es nach den derzeit öffentlich bekannten Informationen keinen Nachweis, dass die Linke als Gesamtpartei finanzielle, organisatorische oder politische Absprachen mit dem Remmo-, Miri- oder einem anderen Clan getroffen hätte.

    Fazit zur Debatte um Die Linke und kriminelle Clans

    Die aktuellen Ereignisse in Berlin werfen dennoch Fragen über den Umgang einzelner Linken-Politiker mit Personen aus dem Umfeld der organisierten Kriminalität auf. Besonders der bestätigte Chat zwischen Ferat Koçak und Firas Remmo unterscheidet sich deutlich von einem bloßen zufälligen Zusammentreffen. Dass Koçak den Kontakt später selbst als Fehler bezeichnete und seine parlamentarischen Funktionen vorerst ruhen lässt, unterstreicht die politische Bedeutung des Vorgangs.

    Gleichzeitig wäre es sachlich falsch, aus einzelnen Kontakten automatisch eine Zusammenarbeit der gesamten Partei Die Linke mit kriminellen Clans abzuleiten. Die bekannten Fälle müssen einzeln betrachtet werden. Bei Sarah Nagel steht eine politische und rechtliche Auseinandersetzung über behördliche Kontrollmaßnahmen im Mittelpunkt. Beim Fall Ibrahim Miri ging es um eine parlamentarische Debatte über Aufenthaltsrecht und Rechtsstaatlichkeit. Beim aktuellen Fall Koçak geht es dagegen um einen konkret dokumentierten persönlichen Chat.

    Die weitere politische Diskussion dürfte deshalb vor allem davon abhängen, welche zusätzlichen Informationen über die Kontakte, mögliche Treffen und den Kontext der Kommunikation veröffentlicht werden. Entscheidend bleibt die Trennung zwischen nachweisbaren Tatsachen, politischen Bewertungen und Behauptungen der jeweils beteiligten Akteure.