Deutsches Schulbarometer 2026: Psychische Belastung bei Kindern und Jugendlichen steigt wieder deutlich an
Aus WISSEN-digital.de
Inhaltsverzeichnis
- 1 Studie der Robert Bosch Stiftung zeigt alarmierende Entwicklungen bei mentaler Gesundheit, Mobbing und fehlender Mitbestimmung an deutschen Schulen
- 2 Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen verschlechtert sich
- 3 Leistungsdruck an Schulen bleibt hoch
- 4 Schüler wünschen sich mehr Mitbestimmung im Unterricht
- 5 Mobbing bleibt ein ernstes Problem an deutschen Schulen
- 6 Schulbarometer 2026 zeigt dringenden Handlungsbedarf
Studie der Robert Bosch Stiftung zeigt alarmierende Entwicklungen bei mentaler Gesundheit, Mobbing und fehlender Mitbestimmung an deutschen Schulen
Die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland nimmt erstmals seit dem Ende der Corona-Pandemie wieder spürbar zu. Zu diesem Ergebnis kommt das aktuelle Deutsche Schulbarometer 2026 der Robert Bosch Stiftung, das in Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig durchgeführt wurde. Die repräsentative Studie zeichnet ein besorgniserregendes Bild der Situation an deutschen Schulen: Jedes vierte Kind zeigt psychische Auffälligkeiten, viele Jugendliche leiden unter Leistungsdruck, und Mobbing gehört für zahlreiche Schülerinnen und Schüler weiterhin zum Schulalltag.
Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen verschlechtert sich
Laut den aktuellen Ergebnissen fühlen sich 25 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler psychisch belastet. Nachdem die Belastungswerte nach der Corona-Pandemie zunächst rückläufig waren, steigt die Zahl nun wieder an. Bereits 2024 lag der Wert bei 21 Prozent, 2025 bei 25 Prozent. Die Entwicklung gilt für Bildungsexperten als deutliches Warnsignal.
Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien. Die Studie zeigt, dass die soziale Herkunft einen erheblichen Einfluss auf die mentale Gesundheit hat. So berichten 31 Prozent der Kinder aus einkommensschwachen Haushalten von psychischen Belastungen. Gleichzeitig geben 29 Prozent dieser Gruppe ein geringes schulisches Wohlbefinden an, während 36 Prozent ihre allgemeine Lebensqualität als niedrig einschätzen.
Diese Zahlen verdeutlichen, dass Bildungs- und Gesundheitschancen in Deutschland weiterhin stark von den finanziellen Möglichkeiten der Familien abhängen.
Leistungsdruck an Schulen bleibt hoch
Neben psychischen Belastungen spielt auch der schulische Leistungsdruck eine zentrale Rolle. Fast die Hälfte aller befragten Schülerinnen und Schüler empfindet einen hohen oder sehr hohen Leistungsdruck. Viele Jugendliche berichten zudem, dass sie regelmäßig auch am Wochenende lernen müssen, um den schulischen Anforderungen gerecht zu werden.
Bildungsexperten sehen darin eine zusätzliche Belastung für die mentale Gesundheit junger Menschen. Die Studie zeigt gleichzeitig, dass ein unterstützendes Lernumfeld entscheidend dazu beitragen kann, Stress abzubauen und das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler zu stärken.
Dr. Anna Gronostaj, Bildungsexpertin der Robert Bosch Stiftung, betont, dass guter Unterricht weit über die reine Wissensvermittlung hinausgeht. Lehrkräfte, die ihre Schülerinnen und Schüler fördern, ohne sie zu überfordern, sowie ein positives Klassenklima können maßgeblich dazu beitragen, psychische Belastungen zu reduzieren.
Schüler wünschen sich mehr Mitbestimmung im Unterricht
Ein weiteres zentrales Ergebnis des Deutschen Schulbarometers betrifft die Mitbestimmung an Schulen. Die Mehrheit der Jugendlichen fühlt sich bei wichtigen schulischen Entscheidungen nicht ausreichend eingebunden.
Rund drei Viertel der befragten Schülerinnen und Schüler wünschen sich mehr Einfluss auf Unterrichtsinhalte, Lernmethoden und Prüfungsformate. Gleichzeitig geben etwa 80 Prozent an, aktuell kaum Möglichkeiten zu haben, ihre Vorstellungen einzubringen.
Selbst bestehende Beteiligungsstrukturen stoßen auf Kritik. So bewerten 43 Prozent der Jugendlichen die Arbeit der Schülervertretungen als wenig wirksam oder wirkungslos.
Die Studie zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen Mitbestimmung und Wohlbefinden. Schülerinnen und Schüler, die aktiv an schulischen Entscheidungen beteiligt werden, fühlen sich nachweislich wohler in ihrer Schule und identifizieren sich stärker mit ihrem Lernumfeld.
Interessant ist dabei die unterschiedliche Wahrnehmung zwischen Lehrkräften und Jugendlichen. In einer früheren Erhebung des Deutschen Schulbarometers waren 55 Prozent der Lehrkräfte der Ansicht, dass ausreichend Möglichkeiten zur Mitbestimmung vorhanden seien. Die aktuellen Ergebnisse verdeutlichen jedoch, dass viele Schülerinnen und Schüler dies anders erleben.
Mobbing bleibt ein ernstes Problem an deutschen Schulen
Auch das Thema Mobbing beschäftigt weiterhin zahlreiche Kinder und Jugendliche. Die Studie zeigt, dass etwa ein Drittel der 11- bis 17-Jährigen mindestens einmal pro Monat von Mitschülerinnen oder Mitschülern schikaniert wird. Besonders alarmierend: Jede zehnte befragte Person erlebt Mobbing sogar wöchentlich oder täglich.
Am häufigsten betroffen sind 14-jährige Jugendliche. In dieser Altersgruppe berichten 38 Prozent von regelmäßigen Mobbingerfahrungen.
Dabei findet Mobbing überwiegend im direkten persönlichen Kontakt statt. Cybermobbing über soziale Netzwerke oder Messenger-Dienste tritt zwar ebenfalls auf, wird jedoch seltener isoliert beobachtet. Häufig gehen beide Formen miteinander einher.
Trotz der weiterhin hohen Betroffenenzahlen gibt es auch positive Entwicklungen. Vier von fünf Schülerinnen und Schülern wissen nach eigenen Angaben, an wen sie sich bei Mobbing oder anderen Problemen wenden können. Dies deutet darauf hin, dass Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen an vielen Schulen Wirkung zeigen.
Schulbarometer 2026 zeigt dringenden Handlungsbedarf
Die Ergebnisse des Deutschen Schulbarometers 2026 machen deutlich, dass Schulen in Deutschland vor großen Herausforderungen stehen. Psychische Belastungen nehmen wieder zu, soziale Ungleichheiten beeinflussen die Lebensqualität vieler Kinder erheblich, und Mobbing bleibt ein weit verbreitetes Problem.
Gleichzeitig zeigt die Studie, dass Schulen wichtige Hebel besitzen, um die Situation zu verbessern. Ein unterstützendes Klassenklima, eine stärkere Beteiligung der Schülerinnen und Schüler sowie gezielte Maßnahmen gegen Leistungsdruck und Mobbing könnten einen entscheidenden Beitrag zur Förderung der psychischen Gesundheit leisten.
Die aktuelle Untersuchung der Robert Bosch Stiftung liefert damit wichtige Erkenntnisse für Bildungspolitik, Schulen und Eltern. Sie macht deutlich, dass die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen künftig noch stärker in den Mittelpunkt schulischer Entwicklungsprozesse rücken muss.
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