Asiatische Hornisse in Sachsen 2026: Erstnachweis in Leipzig und neue Technik zur Nestortung
Aus WISSEN-digital.de
Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) ist 2026 erstmals offiziell in Sachsen nachgewiesen worden. Der bestätigte Fund im Leipziger Stadtteil Grünau markiert einen wichtigen Punkt für den Naturschutz und die Imkerei im Freistaat. Gleichzeitig zeigt der Fall, wie aufwendig die Suche nach den Nestern der invasiven Hornissenart sein kann und welche Bedeutung moderne Ortungstechniken dabei gewinnen. Neben Lockstoffen und Flugbeobachtungen kommen inzwischen auch winzige Funk- und Telemetriesender infrage, mit denen einzelne Hornissen bis zu ihrem Nest verfolgt werden können.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Erster bestätigter Nachweis der Asiatischen Hornisse in Sachsen
- 2 Aufwendige Suche nach dem Nest in Leipzig-Grünau
- 3 Kleine Sender können Hornissen bis zum Nest verfolgen
- 4 Extrem leichte Sender für die Asiatische Hornisse
- 5 GPS-Tracker-Test in Niedersachsen zeigt Potenzial der Methode
- 6 Bedeutung für Imker und Naturschutz in Sachsen
- 7 Aktueller Stand der Asiatischen Hornisse in Sachsen
Erster bestätigter Nachweis der Asiatischen Hornisse in Sachsen
Am 9. August 2026 wurde im Leipziger Stadtteil Grünau eine Asiatische Hornisse entdeckt. Ein Imker hatte das Tier an einem Bienenstand beobachtet und auf Video festgehalten. Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) bestätigte anschließend anhand der Aufnahmen eindeutig die Art.
Damit lag erstmals ein bestätigter Nachweis der Asiatischen Hornisse in Sachsen vor. Für die Behörden und die Imkerschaft war der Fund von besonderer Bedeutung, da die Art in Deutschland bereits in mehreren Regionen vorkommt und sich ihr Verbreitungsgebiet weiter ausgedehnt hat.
Die Asiatische Hornisse ist von der heimischen Europäischen Hornisse zu unterscheiden. Typische Merkmale sind der überwiegend dunkle Körper, der schwarze Brustbereich, die gelben Beinenden und das orangefarbene vierte Hinterleibssegment. Arbeiterinnen erreichen ungefähr 1,5 bis 2,4 Zentimeter Körperlänge, Königinnen können bis etwa drei Zentimeter groß werden.
Aufwendige Suche nach dem Nest in Leipzig-Grünau
Nach dem ersten Nachweis begann die gezielte Suche nach dem Nest. Die Herausforderung bestand darin, dass einzelne beobachtete Hornissen nicht zwangsläufig unmittelbar am Nest gesichtet werden. Die Tiere können erhebliche Strecken zwischen Nahrungsquelle und Nest zurücklegen.
In Leipzig kamen deshalb sogenannte Dochttöpfe mit Lockstoffen zum Einsatz. Anhand der Flugbewegungen konnte beobachtet werden, aus welcher Richtung die Hornissen zu ihren Nahrungsquellen zurückflogen. Durch die Kombination mehrerer Beobachtungen ließ sich das mögliche Nestgebiet zunehmend eingrenzen.
An der Suche waren verschiedene Fachleute und Organisationen beteiligt. Dazu gehörten unter anderem Experten aus Sachsen-Anhalt, Dresden, das Netzwerk Velutina-Army sowie der NABU Leipzig.
Am 25. August 2026 gelang schließlich der entscheidende Fund. Das Nest befand sich etwa 14 Meter hoch in einer Lärche auf einem Kirchengelände in Leipzig-Grünau. Nach den vorliegenden Angaben war das Nest zu diesem Zeitpunkt erst ungefähr zwei bis drei Wochen alt.
Die Entfernung erfolgte unter professionellen Bedingungen. Wegen der Höhe des Nestes kamen unter anderem eine Feuerwehr-Drehleiter und spezielle Schutzkleidung zum Einsatz. Das Nest wurde anschließend entfernt.
Kleine Sender können Hornissen bis zum Nest verfolgen
Besonders interessant ist die bei der Suche diskutierte beziehungsweise eingesetzte moderne Ortungstechnik. Der NABU Leipzig beschreibt die Möglichkeit, einzelne Asiatische Hornissen mit kleinen Sendern auszustatten und anschließend ihren Flug bis zum Nest zu verfolgen. Auch der MDR berichtete im Zusammenhang mit der Suche in Leipzig über dieses Verfahren.
Dabei wird eine Hornisse zunächst vorsichtig eingefangen. Anschließend kann ein sehr kleiner Sender am Tier befestigt werden. Nach der Freilassung fliegt die Hornisse normalerweise wieder in Richtung ihres Nestes. Über das Funksignal lässt sich ihre Flugrichtung verfolgen.
Wichtig ist die technische Unterscheidung zwischen einem klassischen GPS-Tracker und einem Funk- beziehungsweise Radiotelemetriesender. Bei den für Insekten entwickelten Systemen wird nicht zwangsläufig die GPS-Position direkt auf einem Smartphone angezeigt. Stattdessen wird ein Funksignal mit einem speziellen Empfänger und einer Richtantenne verfolgt.
Extrem leichte Sender für die Asiatische Hornisse
Für die Verfolgung von Asiatischen Hornissen existieren speziell entwickelte Miniatursender. Ein Beispiel ist der G17D3R VV von Plecotus Solutions. Der Sender wiegt nach Herstellerangaben höchstens rund 0,17 Gramm und wurde speziell für die Verfolgung von Vespa velutina entwickelt.
Auch sogenannte NanoPin-Sender werden für die Radiotelemetrie eingesetzt. Solche Geräte können nur wenige Millimeter groß sein und je nach Ausführung über mehrere Tage oder länger funken.
Das geringe Gewicht ist entscheidend. Asiatische Hornissen sind zwar für Insekten vergleichsweise groß, tragen aber dennoch nur ein sehr geringes zusätzliches Gewicht. Wissenschaftliche Untersuchungen beschäftigen sich deshalb intensiv mit der Frage, wie schwer ein Sender sein darf, ohne das natürliche Flugverhalten der Tiere wesentlich zu beeinflussen.
GPS-Tracker-Test in Niedersachsen zeigt Potenzial der Methode
Wie leistungsfähig diese Technik inzwischen ist, zeigte ein aktueller Test am 30. September 2026 in Linsburg im Landkreis Nienburg/Weser in Niedersachsen. Dort wurde eine Asiatische Hornisse mit einem kleinen Sender ausgestattet und anschließend über das Funksignal verfolgt.
Das Suchteam konnte auf diese Weise ein Nest in einem Baum lokalisieren. Die gesamte Suche dauerte nach den veröffentlichten Berichten ungefähr fünf Stunden.
Der Praxistest zeigte gleichzeitig die Grenzen der Technologie. Bei einem Tier fiel das Signal vermutlich aufgrund eines leeren Akkus aus. Bei einem anderen Tier erschwerte die dichte Vegetation die Ortung. Die Methode ermöglicht damit eine wesentlich gezieltere Suche, ersetzt aber nicht die Erfahrung der beteiligten Fachleute.
Nach den vorliegenden Berichten stammt die eingesetzte Technik aus der Schweiz, wo entsprechende Verfahren bereits länger bei der Bekämpfung beziehungsweise Überwachung der Asiatischen Hornisse verwendet werden.
Bedeutung für Imker und Naturschutz in Sachsen
Für Sachsen ist die Entwicklung besonders relevant. Bienenstände können von Asiatischen Hornissen als Nahrungsquelle aufgesucht werden. Deshalb sind Imker häufig unter denjenigen, die erste verdächtige Tiere entdecken.
Das sächsische Imkernetzwerk und die zuständigen Behörden bitten bei Verdachtsfällen um möglichst genaue Angaben. Dazu gehören insbesondere das Datum der Beobachtung, aussagekräftige Fotos oder Videos und der möglichst genaue Fundort.
Bei einem möglichen Nest sollte ausreichend Abstand gehalten werden. Eine eigenständige Entfernung ist nicht empfehlenswert, da die Tiere ihr Nest verteidigen können und insbesondere bei Störungen eine erhebliche Zahl von Hornissen reagieren kann.
Aktueller Stand der Asiatischen Hornisse in Sachsen
Der Leipziger Fund ist derzeit der zentrale öffentlich dokumentierte Nachweis der Asiatischen Hornisse in Sachsen. Das dort gefundene Nest wurde entfernt. Ein öffentlich belegter weiterer bestätigter Nestfund in Sachsen ist nach den derzeit verfügbaren Informationen nicht dokumentiert.
Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass die Beobachtung und Meldung möglicher weiterer Tiere weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird. Der Leipziger Fall zeigt, wie schnell aus der Sichtung eines einzelnen Tieres eine aufwendige Suchaktion entstehen kann.
Die Kombination aus Lockstoffmethoden, Flugbeobachtung, fachlicher Bestimmung und moderner Radiotelemetrie bietet dabei neue Möglichkeiten. Besonders die Miniatursender können helfen, die Suche nach schwer auffindbaren Nestern deutlich gezielter durchzuführen.
Für Sachsen bedeutet der Erstnachweis in Leipzig damit nicht nur einen neuen Eintrag in den Meldedaten, sondern auch einen praktischen Test dafür, wie Behörden, Imker, Naturschutzorganisationen und spezialisierte Suchteams mit der weiteren Ausbreitung der Asiatischen Hornisse umgehen.
Die weitere Entwicklung wird insbesondere davon abhängen, ob nach dem Leipziger Erstfund zusätzliche Tiere oder Nester in Sachsen entdeckt werden und in welchem Umfang moderne Ortungstechnologien bei zukünftigen Suchaktionen eingesetzt werden."
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