Antisemitismus

    Aus WISSEN-digital.de

    judenfeindliche Bewegung aus so genannten rassischen Gründen. 1879 von W. Marr geprägte Bezeichnung, die sich jedoch nicht auf die Gesamtheit der semitischen Völker bezieht, sondern ausschließlich gegen die Juden gerichtet ist.

    Geschichte

    Antisemitische Propaganda in den Niederlanden; Plakat zum Film »Der Ewige Jude«

    Bereits in frühchristlichen Zeiten ist der Antisemitismus hervorgetreten (Überlieferung des Neuen Testaments). Im Mittelalter wurden Juden als einzige Minderheit, die sich deutlich von der christlichen Mehrheit unterschied, unterdrückt und verfolgt. Diese Art des Antisemitismus unterscheidet sich jedoch vom Rassen-Antisemitismus, der sich besonders im 18. und 19. Jh. in Deutschland und Frankreich durchsetzte und die behaupteten negativen Eigenschaften der Juden als unaufhebbar betrachtete. Er erhielt durch die Schriften von J.A. de Gobineau, H.S. Chamberlain, R. Wagner, E. Drumont, W. Marr, E. Dühring, Th. Fritsch u.a. publizistisches und politisches Gewicht. Schwere Judenverfolgungen (Pogrome) gab es zunächst in Russland, im deutschen Reichstag saßen erstmals 1893 antisemitische Abgeordnete.

    Seinen schrecklichen Höhepunkt hatte der Antisemitismus im nationalsozialistischen Deutschland, als Hitler mit der Machtergreifung 1933 durch die NSDAP seinen stark antisemitischen Kurs durchsetzen konnte. Hitler begann sofort mit der Verwirklichung eines judenfeindlichen Programms, das schließlich durch Boykott und Sondergesetze (Nürnberger Gesetze) in der systematischen Ausrottung der Mehrzahl der europäischen Juden gipfelte (ca. sechs Millionen wurden Opfer des Holocaust).

    Antisemitische Postkarte "Er bot ein Roß Du kaufst nen Klepper..."

    Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 lebt der Antisemitismus fort, jedoch nicht als offen propagierte Ideologie, sondern meist in Form von Vorurteilen, Benachteiligungen und zeitweiligen gesellschaftlichen Diskriminierungen. Auch finden sich antisemitische Stereotype im so genannten "Antizionismus", der z.B. das Existenzrecht des Staates Israel in Frage stellt.

    Internationale Verträge zur Gewährleistung der Menschenrechte und innerstaatliche Verbote der Ungleichbehandlung von Menschen unterschiedlicher Abstammung, Rasse, Religionszugehörigkeit, politischer Anschauung usw. tragen zur Ächtung und Verhinderung des Antisemitismus bei (siehe auch Rassismus).


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