Andorra Geschichte

    Aus WISSEN-digital.de

    Antike

    Das heutige Andorra gehörte zwischen dem 2. Jahrhundert v.Chr. und dem 5. Jahrhundert n.Chr. wie die gesamte iberische Halbinsel zum Römischen Reich (Provinz Hispania). Den Römern folgten die Westgoten, dessen König Roderich musste um 711 vor den Mauren kapitulieren, die - aus Afrika kommend - bereits den Süden der Iberischen Halbinsel erobert hatten. 712 war das Gebiet des heutigen Andorra Teil des arabischen "Al-Andalus".

    Mittelalter und frühe Neuzeit

    Als die Mauren zu Beginn des 9. Jahrhunderts den Armeen Karls des Großen weichen mussten, wurde das Gebiet Teil des fränkischen Reiches. Der Sohn Karls des Großen, Ludwig der Fromme, überließ das Gebiet dem spanischen Bischof von Seo de Urgel, einer Stadt in den Ostpyrenäen. Bis ins 12. Jahrhundert hinein stritten sich weltliche und kirchliche Feudalherren um den Besitz von Andorra, bis es endgültig unter die Lehnsherrschaft des katalanischen Bischofs von Seo de Urgel kam. Durch geleistete Waffenhilfe beim Kampf gegen die Mauren machte auch der Graf von Caboet bzw. sein Nachfolger, der Graf von Fois, Ansprüche auf das Gebiet geltend. In einem Schiedsspruch (Paréage-Vertrag) vom 8. September 1278 wurde Andorra zu einem französisch-spanischen Kondominat erklärt, das gemeinsam von einem spanischen und einem französischen Landvogt regiert wurde. Mit Abänderungen blieb dieser Vertrag prinzipiell bis zur Verfassung von 1993 gültig.

    Die Herrschaftsrechte der Grafen gingen im 16. Jahrhundert auf die französische Krone über, so dass das Staatsoberhaupt Frankreichs gemeinsam mit dem jeweiligen Bischof von Urgel die Geschicke des Landes leitete. Zwar hatten die Andorraner bereits zu Beginn des 15. Jahrhunderts eine gewisse innere Autonomie erreicht in Form eines Landesrates ("Consell de la Terra", 1419), der auch Gesetze erlassen durfte, jedoch waren diese von der Zustimmung des spanischen und des französischen Co-Fürsten abhängig, die auch für alle außenpolitischen Entscheidungen zuständig waren. Ende des 17./Anfang des 18. Jahrhunderts hatte Andorra etwa 3 000 Einwohner. Durch die Beschaffenheit der gebirgigen Landschaft und das Nichtvorhandensein anderer Ressourcen konnten die Bewohner nur durch den Handel überleben, der durch die von Frankreich und Spanien gewährte Handelssteuerbefreiung ermöglicht wurde.

    Einführung der Demokratie

    1806 wurde Andorra von Napoleon Bonaparte zur Republik erklärt, doch erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde hier ein modernes demokratisches Staatswesen geschaffen: 1966 Einführung der gesetzlichen Sozialversicherung, 1970 das allgemeine Wahlrecht, 1982 die Trennung von Exekutive und Legislative. In den 80er Jahren trat eine Regierung an die Seite der Volksvertretung (Generalrat), die nacheinander von Oskar Ribas Reig, Josep Pintat i Solans und dann erneut von Oskar Ribas Reig geführt wurde.

    Die letzten Bastionen der noch aus dem Mittelalter stammenden feudalen Herrschaftsstrukturen (die z.B. eine symbolische Tributzahlung Andorras an Frankreich und Spanien beinhalteten) wurden erst durch die neue Verfassung von 1993 abgeschafft: Andorra wurde souveränes Fürstentum. Rund 75 % der wahlberechtigten Bevölkerung hatten sich in einer Abstimmung für ein souveränes Fürstentum ausgesprochen. Die Lehensrechte der Co-Fürsten gingen auf die Bürger Andorras über, die Co-Fürsten blieben zwar nach wie vor offizielle Staatsoberhäupter, die Gesetzgebung lag aber nun beim Generalrat. Im gleichen Jahr trat Andorra auch der UNO bei, ein Jahr später dem Europarat.

    Die jüngste Zeit

    Bei den vierten freien Parlamentswahlen nach Einführung der neuen Verfassung, die im April 2005 stattfanden, verlor die Regierungspartei (Liberale Union) die absolute Mehrheit, stellt aber weiterhin den Ministerpräsidenten, den früheren Außenminister Albert Pintat Santolària. Nur rund 13 100 Bürger Andorras waren wahlberechtigt, das entspricht etwa 20 % der Gesamtbevölkerung. Die vielen Ausländer, die im Steuerparadies Andorra leben, sind nicht wahlberechtigt.


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