Analytisches Drama

    Aus WISSEN-digital.de

    Bühnenwerk, das nur den Höhepunkt eines Geschehens darstellt; die Vorgeschichte wird erst im Verlauf der Darstellung Stück für Stück enthüllt.

    Bezeichnendes Beispiel ist "König Ödipus" von Sophokles: Ödipus möchte den Mörder des vorigen Königs von Theben finden. Dabei ahnt er nicht im geringsten dass er es selbst ist. Durch verschiedene Botenberichte werden neue Informationen über die Vergangenheit des Ödipus geliefert. Die Boten kennen nur einen Teil der "Wahrheit"; erst durch deren Berichte kann sie zu einem Ganzen zusammengesetzt werden (wie in einer Detektivgeschichte). Eine Reihe von durch Orakelsprüche vorhergesehene Umstände bringt Ödipus dazu, als Baby vom Tod gerettet zu werden, ohne es zu wissen, seinen eigenen Vater zu erschlagen, und schließlich den Thron von Theben und die Hand der verwitweten Königin (die seine eigene Mutter ist) als Belohnung für die Befreiung der Stadt von der Sphinx zu erlangen. Am Ende, nachdem die Katastrophe in allen Einzelheiten bekannt ist, erhängt sich seine Frau und Mutter und führt Ödipus zu seiner symbolischen Blendung. Das Publikum ist die ganze Zeit (im Gegensatz zum Hauptdarsteller) über die Sachbestände informiert (der Mythos des König Ödipus war weitgehend bekannt), kann aber sein Wissen nicht weitergeben, was das Stück noch interessanter macht. Ein ähnliches Beispiel ist Heinrich von Kleists "Der zerbrochene Krug".


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    KALENDERBLATT - 19. Januar

    1829 Uraufführung des ersten Teils von Johann Wolfgang von Goethes Tragödie "Faust".
    1853 Uraufführung von Giuseppe Verdis Oper "Il Trovatore".
    1906 Uraufführung von Gerhart Hauptmanns Schauspiel "Und Pippa tanzt!".