Völkerwanderung

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    1. die durch Klimawechsel, Landnot oder den Druck anderer Völker ausgelösten Wanderungen ganzer Völker und Stämme in Europa seit dem 3. Jahrtausend v.Chr. (z.B. Dorische Wanderung im 12. Jh. v.Chr., Keltische Wanderungen im 7. und 4/3. Jh. v.Chr., Kimbernwanderung im 2. Jh. v.Chr.).
    2. zusammenfassende Bezeichnung für die Wanderungen der germanischen Völker nach Süd- und Westeuropa (die große germanische Völkerwanderung) vom 2. Jh. bzw. von etwa 375 n.Chr. an (Eindringen des mongolischen Nomaden-Reitervolks der Hunnen aus Zentralasien in den Siedlungsraum der Goten in Südrussland) bis Anfang des 8. Jh.s. Treibende Kraft der Wanderzüge von Stämmen und Stammesverbänden vor allem Landnot (Mittel- und Nordeuropa in dieser Zeit vornehmlich Waldgebiet mit ausgedehnten Mooren), waldfreier Siedlungsraum bei zunehmender Bevölkerungszahl nicht ausreichend, da die Germanen um diese Zeit noch nicht rodeten ("vergießen lieber Blut als Schweiß"); Stoßrichtung dieser frühen Völkerverschiebungen wegen des nach Westen und Süden sperrenden Limes und der Abwehrkraft des römischen Imperiums in dieser Zeit nach Osten und Südosten: Weichselgebiet, Schlesien und Südrussland, Auswanderung oftmals nur überschüssiger Volksteile in Gruppen; Ursache vielfach auch Zwietracht innerhalb der Völkerschaften (Abzug der besiegten Partei); weniger ausschlaggebend Wander-, Beutetrieb oder Abenteurertum der Stammesfürsten.

    In der frühen Zeit der Völkerwanderung verstärktes Einsickern in den Bereich des römischen Imperiums; zunächst noch Einschmelzung oder Einordnung in das Staatsganze (Legionärsdienst), dann aber mächtiger, gewaltsamer Einbruch in das Reichsgefüge in den Markomannenkriegen 166-180 (Markomannen von den Goten vorwärtsgeschoben); insgesamt aber bis ins 4. Jh. Unterwanderung des Römerreiches in staatlich noch zu bewältigender Form; Ansiedlung der Zugewanderten als Kolonen (freie Pächter), Liten (laeti, Angehörige unterworfener Völkerscharten, minderfreie Militärkolonisten), Föderaten (ganze Völkerschaften im Grenzschutzdienst, vertraglich geregelt); seit Konstantin Eindringen auch in die Offiziersstellen des Heers und in die kaiserlichen Hofämter; Grenzlegionen in dieser Zeit fast nur fremdvölkisch und die Masse der Eingewanderten nicht mehr der Romanisierung unterwerfbar.

    Konzentrierter Stoß der Wandervölker begann nach dem Auftauchen der Hunnen am östlichen Horizont Europas 375 n.Chr. und dem Inbewegungungkommen der Alanen und dem Ausweichen der Westgoten; über den Verlauf dieser im allgemeinen als eigentliche Völkerwanderung bezeichneten Epoche siehe die Stichwörter Alemannen, Alanen, Goten (West- und Ostgoten), Vandalen, Hunnen, Langobarden, Gepiden, Heruler, Angelsachsen u.a.

    Wie der Beginn der Völkerwanderung nicht durch eine Jahreszahl genau datiert werden kann, so auch nicht das Ende; es wird gekennzeichnet entweder durch dauernde Staatenbildungen innerhalb des alten Imperiums oder durch das Fehlschlagen versuchter Staatsgründungen (Vandalen, Langobarden, Westgoten); abgeschlossen war die Völkerwanderung Anfang des 8. Jh.s durch die die Wanderströmungen eindämmende fränkische Reichsgründung.



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