Tizian

    Aus WISSEN-digital.de

    italienischer Maler; * um 1477 oder 1489 in Pieve di Cadore, Dolomiten, † 27. August 1576 in Venedig

    Tizian gilt als Hauptmeister der Malerei der Hochrenaissance. Mit Tintoretto und Veronese zählt Tizian zu den bedeutendsten Meistern der Lagunenstadt Venedig.

    Lebensstationen

    Tizian kam bereits mit zehn Jahren nach Venedig, wo er Schüler Giovanni Bellinis wurde. Mit Giorgione arbeitete er an den - nicht erhaltenen - Fresken am Außenbau des Fondaco dei Tedeschi. Ab 1516, nach dem Tod Bellinis, arbeitete Tizian als Hofmaler der Dogen. Die Dogenbildnisse wurden jedoch beim Brand des Dogenpalastes 1577 vernichtet. 1533 wurde er von Karl V. zum Hofmaler ernannt und geadelt. In den Jahren 1575 bis 1577 hielt sich der Maler in Rom bei Papst Paul II. auf. 1578 war Tizian in Augsburg, wo er Kaiser Karl V. porträtierte.

    Künstlerisches Werk

    Tizian durchlief in seinem Schaffen unterschiedliche Phasen. In der Frühzeit (ca. 1500-18) bewegte sich sein Werk noch in der Nähe von Bellini und Giorgione: Die "Zigeunermadonna" (um 1510) steht ganz unter dem Einfluss seines Lehrers Bellini. Auch sind Einflüsse Dürers und der Niederländer spürbar.

    Die zweite Periode, an deren Anfang die "Assunta" (1518) steht, zeichnet sich durch größere Pracht und eine großzügigere Bildkomposition aus, die Bilder sind von einer fast barocken Fülle und Prachtentfaltung. Das monumentale Altarbild in der Franziskanerkirche Santa Maria dei Frari in Venedig besticht durch seine kompositorische Virtuosität und die genau berechnete Lichtinszenierung. Ein weiteres bedeutendes Altargemälde Tizians in derselben Kirche ist die Pesaro-Madonna, die ein knappes Jahrzehnt später entstand und ihre Wirkung vor allem durch die architektonischen Motive erhält.

    In der dritten Phase (1530-1550) entstanden vor allem bedeutende Porträts, die in einzigartiger Weise die dargestellten Personen in äußerer Prachtentfaltung und innerer Haltung charakterisieren. Die Komposition der Gemälde dieser Periode ist ruhiger als in früheren Werken.

    In den 1540er Jahren beeinflussten den Künstler insbesondere die Eindrücke seines Romaufenthaltes, nicht nur die antike Kunst, sondern auch die Gestaltungsprinzipien des Manierismus, wie sie in Michelangelos "Jüngstem Gericht" in der Sixtinischen Kapelle zum Ausdruck kommen. Die Gemälde dieser Jahre sind von bewegten, asymmetrischen Kompositionen bestimmt.

    Das Spätwerk Tizians ist von dramatischer Leidenschaft geprägt. Mit den Mitteln von Farbe und Licht erreichte er die äußerste Steigerung des Ausdrucks. Die klare Umrisslinie und geschlossene Bildoberfläche gab er dagegen auf: Die "Dornenkrönung" weist in ihrer leidenschaftlichen Pinselführung und Lichtinszenierung bereits auf die Malerei des Barock voraus. Für Philipp II. von Spanien fertigte Tizian zahlreiche mythologische Gemälde an, darunter der "Raub der Europa".

    Werke (Auswahl)

    "Himmlische und irdische Liebe" (um 1516, Rom, Galleria Borghese), "Himmelfahrt Mariä" (1516-18, Venedig, Frari-Kirche), "Venusfest" (1516-18, Madrid, Prado), "Himmelfahrt Mariä" (1525, Verona, Dom), "Madonna Pesaro" (um 1526, Venedig, Santa Maria dei Frari), "Mariä Tempelgang" (1534-38, Venedig, Accademia), "Venus von Urbino" (1538, Florenz, Uffizien), Fresko der Schlacht bei Cadore im Dogenpalast (1537, 1577 verbrannt, erhalten in einem Stich des G. Fontana), "Dornenkrönung Christi" (um 1548, Paris, Louvre), "Ecce Homo" (Chantilly, Musée Condé), "Papst Paul III. mit Kardinal Alessandro Farnese und Herzog Ottavio Farnese" (1545, Neapel, Galleria Nazionale), "Karl V. zu Pferd bei Mühlberg" (1550, Madrid, Prado), "Philipp II." (um 1553, Neapel, Galleria Nazionale), "Grablegung Christi" (1559, Madrid, Prado), "Mariä Verkündigung" (1565, Venedig, San Salvatore), "Selbstbildnis" (um 1565-70, Madrid, Prado), "Dornenkrönung" (um 1576, München, Alte Pinakothek).



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