Tempel

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    Nichtchristlicher Kultbau; ursprünglich Beobachtungskreis der Auguren. Als Vorläufer der Stein- und Ziegelbauten gelten Lehm- und Holzbauten. Der Tempelbau reicht sehr weit zurück; unter anderem wurden Tonmodelle von Haustempeln einer Schlangengöttin aus dem 6. Jh. v.Chr. gefunden. Tempel wurden in den verschiedenen Kulturen je nach Gottes- und Kultverständnis in unterschiedlicher Weise entwickelt.

    Frühzeit

    Die ersten Tempel im alten Mesopotamien bestanden aus einem in zwei Bereiche (Opferaltar und Kultbild) geteilten Rechteckraum, aus denen sich mehrere Tempeltypen herausbildeten.

    Die hethitischen Tempel sind gekennzeichnet durch Torbauten und Innenhöfe, von denen aus die Kulträume nur durch mehrere Vorräume in wechselnder Richtung zugänglich sind.

    Die ägyptische Kunst kennt Tempel für den Totenkult bei den Pyramiden. Hier bestehen die Tempel aus Pylon, offenem Hof, Säulenhalle, Speisesaal und Kultbildraum.

    Charakteristisch für die vorderasiatische Kunst sind Tempelstädte und auch mächtige Zikkurate.

    Der jüdische Tempel König Salomos in Jerusalem war nach Überlieferung der Bibel ein Langhaus-Tempel mit einem an der Schmalseite abgetrennten Allerheiligsten.

    Griechische und römische Antike

    Der Tempel der griechischen und römischen Antike war jeweils einem der Götter des Olymp geweiht. Im Gegensatz zum christlichen Kultraum ist der Tempel kein Versammlungsraum, sondern nur Wohnsitz der Gottheit.

    Der Standort des griechischen Tempels kann isoliert (Bassae) oder in einem Tempelbezirk mit anderen Tempeln, Wandelhallen, Schatzhäusern und Torbauten (Propylon) sein. Die aus dem Megaron entwickelte, rechteckige, stets fensterlose Cella ist der einfachste Tempeltyp. Wenn sie bzw. der Tempel keine Säulen hat, heißt sie Astylos.

    Der Rechteckraum der Cella (Naos) mit dem Götterbild besaß ursprünglich eine Säulenreihe in der Mitte. Diese verstellte den Blick auf das Götterbild; deshalb wurden zwei Säulenreihen gebaut und teilweise stark an die Außenwand gerückt. Manchmal erhielt das Götterbild einen Extraraum, Adyton genannt. Der aufgehenden Sonne zu liegt der Eingang. Die Cella steht auf einem dreistufigen Unterbau aus Quadern mit Abdeckplatte. Sie wird von Säulen umgeben, deren Unterbau (Stylobat) leicht zur Mitte hin erhöht ist, ebenso auch das Gebälk (Kurvatur). Der Aufbau folgt den verschiedenen Säulenordnungen.

    Man spricht von Antentempel, wenn die seitlichen Cellawände etwas vorgezogen werden, so dass Mauerzungen (Anten) entstehen. Mit den Anten zusammen bilden eingestellte Säulen eine Vorhalle (Pronaos), auch an der Rückseite (Opistodom) vorkommend (Doppelanten-Tempel). Die Anlage wird Prostylos bzw. Amphiprostylos (bei einer zweiten Säulenhalle auf der Rückseite) genannt, wenn dem Anten-Tempel eine Säulenhalle vorgelagert ist.

    Umzieht die Säulenhalle die gesamte Cella, wird der Tempel Peripteros genannt; Pseudoperipteros dann, wenn Wandsäulen verwendet wurden. Ein Tempel mit doppeltem Säulenkranz heißt Dipteros bzw. Pseudodipteros, wenn eine Säulenstellung aus Wandsäulen besteht.

    Auch als Rundtempel mit runder Cella und äußerem Säulenkranz (Tholos) oder ohne Cella (Monopteros) können die klassischen Tempel gebaut sein. Dem Tempelnamen wird mit griechischen Zahlen die Anzahl der Frontsäulen zugefügt. Von Bedeutung sind Durchmesser, Höhe und Zwischenräume (Interkolumnien) der Säulen. Der Bau der verschiedenen Tempeltypen geschieht zeitlich nebeneinander.

    Römische Tempel lassen sich von griechischen und etruskischen Vorbildern ableiten. Ein wesentlicher Unterschied ist die klare Ausrichtung: Der Tempel steht auf einem hohen Unterbau und ist mit einer frontseitigen Freitreppe ausgestattet (Podiums-Tempel).

    Asien

    Der Hindu-Tempel der indischen Kunst ist dreigeteilt, mit Versammlungsraum, Vorhalle und Allerheiligstem mit Kultsymbol (der Lingam Schiwas), über dem sich ein Turm erhebt.

    Zahlreiche Einzelgebäude mit abgestufter Struktur weist der Tempelbezirk der ostasiatischen Kunst auf. Die Hauptachse des Tempelbezirks verläuft in Nord-Süd-Richtung mit südlichem Eingang. An dieser Achse liegen die wichtigsten Gebäude, z.B. Predigthallen, Pagoden, Goldene Halle mit dem Buddhabild auf einem Sockel. Hinzu kommen Hallen für die vier Himmelskönige, Speicher usw.

    Amerika

    Die Tempel in Mittelamerika sind kleine, einzeln stehende oder in Gruppen angeordnete Hochtempel auf Stufenpyramiden oder Terrassen.



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