Taiwan Geschichte

    Aus WISSEN-digital.de

    Anfänge

    Die Insel Taiwan wurde erstmals schriftlich erwähnt in chinesischen Dokumenten, die aus dem 3. Jh. n.Chr. stammen. Vermutlich ab dem 6. Jh. kamen die ersten chinesischen Siedler vom Festland auf die Insel und gaben ihr den Namen "Taiwan", was soviel wie "sich aus dem Meer erhebende Terrasse" bedeutet. Die neuen Siedler vertrieben die ansässige malaiisch-polynesische Bevölkerung in das gebirgige Landesinnere.

    Wechselnde Vorherrschaft

    Ab dem 13. Jh. hatten die verschiedenen chinesischen Herrscher-Dynastien auf der Insel Stützpunkte für ihre Flotte, die im 16. Jh. wieder aufgegeben wurden. 1590 entdeckten portugiesische Seefahrer als die ersten Europäer die Insel und gaben ihr den Namen "Ilha Formosa" (Schöne Insel). Rund 30 Jahre später gründeten auch die Niederländer und die Spanier erste Siedlungen auf Taiwan, ab 1642 konnten sich die Niederlande die Vorherrschaft sichern. Als sich auf dem chinesischen Festland die Qing-Dynastie (Mandschu-Dynastie, 1644-1912) durchsetzen konnte, flohen die Anhänger der unterlegenen Ming-Dynastie auf die Insel Taiwan und vertrieben dort 1661 die Niederländer. Nur knapp 20 Jahre später konnte sich die Insel der angreifenden Mandschu-Truppen nicht mehr erwehren und wurde der südchinesischen Provinz Fujian angegliedert. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Bevölkerung der Insel bereits stark angestiegen, bis 1885 umfasste die Bevölkerung ca. 2,5 Millionen Menschen.

    1885 erhielt Taiwan den Status einer eigenständigen chinesischen Provinz. Nach der Niederlage Chinas im ersten chinesisch-japanischen Krieg (1894/95) geriet die Insel für 50 Jahre unter japanische Herrschaft. Die wohlhabende Insel wurde für das rohstoffarme Japan zum wertvollen Lieferanten. Chinesisch als Landessprache wurde verboten, die chinesische Kultur unterdrückt. Die zu Beginn der Besatzung ausbrechenden Aufstände und der Ruf nach Unabhängigkeit wurden massiv bekämpft.

    Die Republik China unter Tschiang Kai-schek

    Nach der Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg fiel Taiwan gemäß den internationalen Abkommen wieder an China zurück. Dort zerbrach kurz nach Kriegsende das Bündnis zwischen der Kommunistischen Partei Chinas und der Kuomintang (KMT) unter dem amtierenden Präsidenten Tschiang Kai-schek, die sich im Kampf gegen die japanische Bedrohung 1937 zusammengeschlossen hatten.

    Zunächst befand sich nur der Norden Chinas unter der Kontrolle der von Mao Tse-tung geführten Kommunistischen Partei, doch im Herbst 1949 mussten Tschiang Kai-schek und ca. 1,2 Millionen Anhängern der Kuomintang vom Festland auf die Insel Taiwan flüchten. Im März 1950 rief Tschiang Kai-schek die Nationale Republik China mit der Hauptstadt Taipeh aus. Die Kuomintang wurde Staatspartei. Die Regierung in Taipeh sah sich als die einzige legitimierte Vertretung für ganz China, die 1949 auf dem Festland gegründete Volksrepublik China unter kommunistischer Führung wurde nicht anerkannt. Ähnlich hielten es zunächst auch die meisten anderen Staaten: Die Nationale Republik China wurde anerkannt und nahm in der UNO den Platz Chinas ein. Die USA sandten Militärverbände nach Taiwan und halfen beim Aufbau des taiwanesischen Militärs zum Schutz vor kommunistischen Übergriffen. Die Volksrepublik China ihrerseits bezeichnete Taiwan ab diesem Zeitpunkt als abtrünnige Provinz. Mehrmals versuchte die kommunistische Führung, Taiwan wieder anzugliedern (Quemoy-Krise 1955, 1958), doch die Militärpräsenz der USA und deren Garantievertrag für Taiwan verhinderten dies.

    Taiwan entwickelte sich unter anderem mit Hilfe der westlichen Staaten rasch zu einem modernen Industriestaat. Als sich die Volksrepublik China ab Anfang der 70er Jahren zunehmend aus der politischen Isolation löste und sich in Richtung Westen öffnete, verlor die Regierung von Tschiang Kai-schek auf internationaler Ebene den Status der einzigen legitimierten Regierung Chinas. 1971 wurde die VR China in die UNO aufgenommen, Taiwan wurde ausgeschlossen. Infolge brachen viele Staaten ihre offiziellen diplomatischen Beziehungen zu Taiwan ab. Die Handelsbeziehungen zum Inselstaat wurde jedoch beibehalten. Jedoch dauerte es bis 1995, bis erstmals wieder ein taiwanesischer Staatsmann in die USA einreisen durfte.

    Die Republik China nach dem Tod Kai-scheks

    1975 starb Tschiang Kai-schek, der bis zu diesem Zeitpunkt autoritär regiert hatte. Sein Sohn Tschiang Tsching-kuo, seit drei Jahren Regierungschef, wurde sein Nachfolger als Parteichef der KMT. Staatspräsident wurde Yen-Chia. 1978 schloss das Land einen Freundschaftsvertrag mit Japan und es begann ein Prozess der vorsichtigen Annäherung an die VR China. Im gleichen Jahr brachen auch die USA ihre diplomatischen Beziehungen zu Taipeh offiziell ab, dennoch blieben die wirtschaftlichen und kulturellen Kontakte weiter bestehen. Gleichzeitig begann Tschiang Tsching-kuo, nun auch Staatspräsident Taiwans, einen allmählichen Demokratisierungsprozess. 1986 wurde auf Taiwan die oppositionelle Demokratische Fortschrittspartei (DDP) gegründet. Ein Jahr später wurde das im Jahr 1949 verhängte und seitdem gültige Kriegsrecht aufgehoben, was unter anderem dazu führte, dass erstmals Bewohner Taiwans Verwandte auf dem chinesischen Festland besuchen durften.

    1988 kam es erneut zu einem Regierungswechsel: neuer Vorsitzender der Kuomintang und Staatspräsident des Landes wurde der auf Taiwan geborene Lee Teng-hui. Eine Änderung des Parteiengesetzes ein Jahr darauf führte das Mehrparteiensystem ein. Zu diesem Zeitpunkt war Taiwan nach Japan der zweitgrößte Industriestaat Asiens geworden. Zur VR China wurden Anfang der 90er Jahre erstmals inoffizielle Wirtschaftsbeziehungen aufgenommen, die Angebote einer Wiedereingliederung Taiwans als unabhängige Provinz in die Volksrepublik China wurden auch weiterhin entschieden abgelehnt.

    Immer wieder kam es zu Drohgebärden seitens der VR China vor der Küste Taiwans in Form von großangelegten Manövern der See- und Luftstreitkräfte. Bei den ersten freien Präsidentschaftswahlen in der Republik China im März 1996 wurde Lee Teng-hui im Amt des Staatsoberhauptes bestätigt. Die Kuomintang-Partei, deren erklärtes Ziel die friedliche Wiedervereinigung mit dem chinesischen Mutterland war (auf demokratischer Basis), gewann die Wahlen zur Nationalversammlung mit einem deutlichen Vorsprung gegenüber der oppositionellen DDP, die sich für ein unabhängiges Taiwan aussprach.

    1998 unterhielten nur noch insgesamt 28 Staaten diplomatische Beziehungen zu Taiwan und erkannten damit das Land als souveränen Staat an, während die anderen es als Bestandteil Gesamt-Chinas ansahen. Die kommunistische Führung der VR China bot Taiwan weiterhin die Wiederangliederung nach dem Model "Ein Land, zwei Systeme" an, wie sie ab 1997 zunächst mit Hongkong, ab 1999 dann auch mit der ehemaligen portugiesischen Kolonie Macao praktiziert wurde und eine Beibehaltung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Systems (zunächst für eine bestimmte Zeitdauer) vorsah. Demgegenüber kehrte der taiwanesische Staatspräsident Lee Teng-hui im Juli 1999 der so genannten "Ein-China-Politik" den Rücken und forderte die politische Gleichstellung Taiwans (nach dem Prinzip "Ein Volk, zwei Staaten"), was zu einer massiven Verschlechterung der chinesisch-taiwanesischen Beziehungen führte.

    Bei den Wahlen im März 2000 gewann erstmals der Vertreter der oppositionellen Demokratischen Fortschrittspartei (DDP), Chen Shui-bian, die Wahlen vor dem Kandidaten der Kuomintang, Lien Chan (der bisherige amtierende Präsident Lee Teng-hui durfte nach zweimaliger Amtszeit nicht mehr zur Wahl antreten). Erneut waren den Wahlen militärische und verbale Drohgebärden der VR China vorausgegangen. Der neue Staatschef Chen Shui-bian rief zum versöhnlichen Dialog mit Peking auf, lehnte aber eine Wiederangliederung Taiwans entschieden ab. Gleichzeitig nahm er aber auch davon Abstand, während seiner Amtszeit die Unabhängigkeit Taiwans auszurufen, die erklärtes Ziel seiner Partei ist. Bei den Parlamentswahlen Anfang Dezember 2001 errang die DDP erstmals die Mehrheit der Sitze im Parlament (Legislativ-Yuan), die bis dahin die Kuomintang inne hatte. Nach sieben Jahren an der Macht erlitt die DPP im Januar 2008 eine schwere Niederlage. Der Kandidat der Kuomintang, Ma Ying-jeou, gewann zwei Monate später die Präsidentschaftswahl. Das neue Staatsoberhaupt strebt ein Friedensabkommen und vollwertige Wirtschafts- und Handelsbeziehungen mit China an.



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