Südsudan - ein neuer Staat ist geboren

    Aus WISSEN-digital.de

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    Nach langen Geburtswehen war es am vergangenen Samstag, dem 9. Juli, endlich so weit: Der Südsudan erblickte als 193. Staat der Internationalen Gemeinschaft das Licht der Erde. Vorangegangen waren mehr als zwanzig Jahre Bürgerkrieg zwischen dem islamischen Norden und dem überwiegend christlichen Süden des Sudans.

    Im Jahr 2005 wurde offiziell ein Friedensabkommen geschlossen, das in einer Regierung der Nationalen Einheit mit gewählten Vertretern des jeweiligen Landesteiles gipfelte. Eine Bestimmung des Friedensabkommens war die Abhaltung eines Referendums über die Abspaltung des Südsudans, der seit 2005 bereits Autonomie-Status innerhalb des Sudans erlangt hatte.

    Anfang 2011 wurde dieses Referendum schließlich durchgeführt, und erwartungsgemäß sprach sich mit etwa 99 Prozent fast die gesamte Bevölkerung des Südsudans für die Abspaltung vom Norden aus. Aufgrund des hohen Zuspruchs war die Sezession des Südsudans gemäß dem Selbstbestimmungsrecht der Völker weder vom Sudan noch der Internationalen Gemeinschaft ernsthaft zu verhindern, und so erklärte der Südsudan, mit wohlwollender Zustimmung vor allem des Westens, am 9. Juli seine völkerrechtliche Unabhängigkeit.

    Nach Anerkennung der Unabhängigkeit durch international wichtige Staaten wie China, Russland, die USA und auch der gesamten EU und der Aufnahme des Südsudans in die UNO löst der Südsudan nun die Republik Kosovo als jüngsten Staat der Welt ab. Trotz landesweiter Freudenfeste über die endlich erreichte Unabhängigkeit steht dem Südsudan die eigentliche Arbeit allerdings erst noch bevor.

    Umstrittene Grenzverläufe müssen geklärt werden, es wird mit etwa drei Millionen zurückkehrenden Flüchtlingen gerechnet und zudem müssen in den nächsten Jahren erst noch mühsam Wirtschafts- und Verwaltungsstrukturen entflochten werden. Das drängendste Problem stellt aber die Verteilung der Einnahmen aus dem Ölexport dar. Seit der Unabhängigkeit befinden sich über drei Viertel der Ölvorkommen im Südsudan, für den Export muss das Öl allerdings über eine Pipeline durch den Sudan ans Rote Meer gepumpt werden – Streitigkeiten über Transitgebühren sind vorprogrammiert.

    Zudem bleibt abzuwarten, ob die ethnischen Konflikte mit der Unabhängigkeit des Südsudans tatsächlich beseitigt sind, oder ob dem Bürgerkrieg ein Staatenkrieg folgt. Aus dieser Perspektive ist die Unabhängigkeit nur ein erster Schritt, dem weitere mühsame Schritte folgen müssen.



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