Sören Kierkegaard

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    dänischer Schriftsteller, Theologe und Philosoph; * 5. Mai 1813 in Kopenhagen, † 11. November 1855 in Kopenhagen

    Kierkegaard, Sören; Zeichnung

    Leben

    Als das jüngste der sieben Kinder des Woll- und Kolonialwarenhändlers Michael Pedersen Kierkegaard, erhielt Sören eine strenge christliche Erziehung und ließ sich 1830 als Student der Theologie an der Universität Kopenhagen einschreiben. Er beschäftigte sich intensiv vor allem mit der Literatur und Philosophie seiner Zeit. 1835 erfuhr er das "große Erdbeben", eine schwere innere Krise; sie löste bei ihm eine Schwermut aus, die ihm bis zu seinem Ende zu schaffen machte. Ab 1842 begann seine literarische Produktion, die er als freier Schriftsteller bis zu seinem Tode fortführte.

    Philosophie

    Auf den dänischen Pastor, dessen Schriften zu seinen Lebzeiten kaum Beachtung fanden und die erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckt wurden, geht die Existenzphilosophie zurück. Kierkegaard war ein scharfer Gegner Hegels und setzte dessen "objektivem Denken" die Leidenschaftlichkeit des subjektiven Denkens entgegen. Er war ein fanatischer Antirationalist; er philosophierte nicht mit dem Verstand, diesem (laut Kierkegaard) zur Meisterung des Lebens untauglichsten Vehikel, sondern mit dem Gefühl, der Fantasie, dem Pathos seines Herzens.

    Kierkegaard fasste als erster den Begriff Existenz im modernen Sinn: Existenz ist nicht denkend zu begreifen, sondern nur zu erleben, im Vorüberhuschen zu erahnen; sie ist ihrem Wesen nach irrational. Existenz ist konkretes, subjektives und waches menschliches Dasein. Sie wird dem Menschen bewusst in den Höhepunkten seines Lebens: in der starken Gemütsbewegung, in der leidenschaftlichen Tat, der bedeutsamen Entscheidung. Der Mensch "existiert" nur dann, wenn er sich über das Durchschnittsmaß, über die Nichtigkeit erhebt, transzendiert; im Übrigen lebt er dahin, der Eintagsfliege vergleichbar. Sein Wert ist nicht nach der Zahl seiner Jahre zu messen, sondern nach der Zahl der existenziellen Augenblicke. Ferner sind bei Kierkegaard bereits die Gedanken von der Einsamkeit des Menschen gegenüber Gott und von der Angst als der Grundbefindlichkeit des menschlichen Daseins zu finden.

    Entsprechend ist die Erkenntnisquelle für die moderne existenzialistische Philosophie nicht der Verstand, sondern das unmittelbare Erleben, ein Erleben, das vor allem durch die Angst bestimmt wird. Die Angst ist das Urerlebnis des Menschen, in dem er seiner Endlichkeit bewusst wird und der Brüchigkeit seiner Stellung in der Welt.

    Werke

    Sein unter wechselnden Pseudonymen herausgegebenes Werk umfasst verschiedene literarische Gattungen, so die dichterischen Werke "Entweder/Oder" (1843) von Victor Eremita, sein populärstes Werk, mit dem er seinen literarischen Ruhm begründete; "Stadien auf dem Lebenswege" (1845) von Hilarius Buchbinder. "Die Wiederholung" (1843) von Constantin Constantius und "Furcht und Zittern" (1843) von Johannes de Silento, sodann philosophische Abhandlungen wie "Philosophische Brocken oder ein Bröckchen Philosophie" (1844) von Johannes Climacus, "Der Begriff Angst" (1844) von Vigilius Haufniensis, "Abschließende unwissenschaftliche Nachschrift zu den philosophischen Brocken" (1846), ethisch-religiöse Abhandlungen wie "Die Krankheit zum Tode" (1849), "Einübung im Christentum" (1850), beide von Anticlimacus, außerdem erbauliche Traktate, zu denen Kierkegaard sich als Autor bekannte: 18 "erbauliche Reden" (1845), "Erbauliche Reden in verschiedenem Geist" (1847), "Christliche Reden" (1848), "Taten der Liebe" (1847), "Zur Selbstprüfung der Gegenwart empfohlen" (1851).

    Der Tod Bischof Mynsters 1854 wurde für Kierkegaard der Anlass zu seinem Kampf gegen die dänische Kirche, den er in der Flugblattreihe "Der Augenblick" (1855) führte.

    Posthum ediert wurden sein "Buch über Adler" (1847), "Der Gesichtspunkt für meine schriftstellerische Tätigkeit" (1849) und "Urteilt selbst!" (1852).

    Zitat
    Datei:Z65 kierkegaard.mp3



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