Reinhold Schneider

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    deutscher Schriftsteller; * 13. Mai 1903 in Baden-Baden, † 6. April 1958 in Freiburg

    Reinhold Schneider beschloss Ende der 1920er Jahre, seine Stelle als Übersetzer in Dresden aufzugeben und freier Schriftsteller zu werden. Er begann, Reisen innerhalb Europas zu unternehmen, die er zu Studien für seine Erzählungen nutzte. Bald machte er sich einen Namen als Autor großer historiografischer Erzählungen, in denen er sein tragisches Geschichtskonzept entwickelte. Zu diesen Erzählungen gehören "Das Leiden des Camoes oder Untergang und Vollendung der portugiesischen Macht" (1930), "Philipp II." (1931) und "Die Hohenzollern" (1933).

    Nachdem die Nationalsozialisten 1933 die Macht erlangt hatten, begann Schneider seine weltanschaulichen Grundlagen zu überdenken. Er hatte das Unrecht und den verbrecherischen Charakter des neuen Regimes sehr schnell erkannt, musste aber feststellen, dass sein tragisches Geschichtskonzept, das letztlich auf einer nihilistischen Sicht beruhte, die Ausbildung von Werten, von denen aus der Nationalsozialismus kritisierbar wäre, nicht zuließ. Schneider brach deshalb mit seiner alten Geschichtsauffassung und wandte sich Mitte der 1930er Jahre dem katholischen Glauben zu.

    Der Autor wurde zu einem der wichtigsten Vertreter des literarischen Widerstandes auf der Grundlage des christlichen Glaubens. Sein Eintreten für die Erneuerung des Glaubens war untrennbar mit einem Aufruf zum Protest gegen Hitler verbunden. In Form von versteckter Kritik und der so genannten historischen Camouflage versuchte er immer wieder, den kriminellen Charakter der neuen Herrschaft aufzuzeigen.

    Obwohl Schneider zu den entschiedensten Kritikern des Regimes gehörte, wurde ihm erst Anfang der 1940er Jahre Publikationsverbot erteilt. Der Schriftsteller fand aber weiterhin Wege, seine Schriften und Gedichte zu veröffentlichen: Schneiders Verleger Joseph Rossé etwa datierte Verträge auf die Zeit vor dem Veröffentlichungsverbot vor, so dass weiterhin Werke erscheinen konnten.

    Während Schneider in seiner frühen Werkphase vor allem umfangreiche historische Erzählungen schrieb, verfasste er in seiner mittleren hauptsächlich Essays, kurze Erzählungen und Sonette. Die Erzählung "Las Casas vor Karl V." (1938) wird als eines der bedeutendsten Werke der so genannten inneren Emigration gewertet. Schneider wurde während des Zweiten Weltkrieges mehrfach Opfer von Hausdurchsuchungen der Gestapo. Gegen Kriegsende erging Anklage wegen Hochverrat gegen Schneider, die aber keine Folgen mehr für den Schriftsteller hatte.

    Nach dem Krieg trat Schneider für eine intensive Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit ein. Er bezog entschieden Stellung gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland und wurde dafür teilweise heftig angegriffen. Seine literarischen Werke aus diesen Jahren spiegeln einen erneuten Umbruch im Denken des Schriftstellers: Positionen des Glaubens werden ihm immer fragwürdiger und machen einer zunehmenden weltanschaulichen Skepsis und Verzweiflung Platz, die ihren deutlichsten Ausdruck in Schneiders letztem Werk "Winter in Wien" (1958) findet. Reinhold Schneider erhielt zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen (unter anderem 1956 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels).

    Weitere Werke:

    "Das Inselreich" (1936), "Der große Verzicht" (Drama, 1950), "Verhüllter Tag" (Autobiografie, 1955) u.a.



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