Römische Kunst

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    Einleitung

    Kunst der Antike und Spätantike im römischen Einflussbereich sowie in Rom selbst. Sie entwickelte sich auf der Grundlage der etruskischen und griechischen Kunst. Römische Kunst mit eigenem Profil entstand mit dem augusteischen Zeitalter (1. Jh. v.Chr.; so genannte römischen Reichskunst), auch wenn weiterhin griechische Kunstwerke nach Rom importiert und durch römische Künstler kopiert wurden. Eigenständige künstlerische Werke schuf die römische Kunst v.a. in der Architektur, primär Repräsentationsbauten und Einrichtungen des täglichen Lebens, z.B. Amphitheater, Aquädukte und Thermen; v.a. der Ausbau und Zustand des Straßennetzes blieb bis in die Neuzeit unerreicht.

    Bedeutende Werke finden sich auch in der Malerei, im historischen Relief und in der Porträtbüste. Immer jedoch ist in der römischen Kunst eine hellenisierend-klassizistische Traditionslinie festzustellen, die sich mit der griechischen Kunst als Vorbild auseinander setzte. Die römische Kunst diente im Wesentlichen privatem Luxus (Villa), staatlich-politischer Repräsentation (Palast, Basilika, Portikus, aber auch Ehrensäule, Triumphbogen, Grabbauten) und der Befriedigung öffentlicher Bedürfnisse (Thermen, Theater, Amphitheater) und wirkte auf die Architektur in den römischen Provinzen (Straßenanlagen, Kanalisation, Aquädukte, Brücken, Häfen u.a.). Als so genannte provinzialrömische Kunst verschmolz die römische Kunst in den besetzten Gebieten mit regionaler Kunst.

    Architektur

    In der römischen Baukunst wirkte das griechische Vorbild insbesondere in architektonischen Einzelheiten und Dekor nach. Die Römer übernahmen die griechischen Säulenordnungen und Tempelformen. Eigenständige Leistungen lagen in der Entwicklung neuer Bautypen wie Forum, Basilika, Thermen, Amphitheater, Podiumtempel, Triumphbogen, Villa, typischen Formen des Straßen-, Brücken- und Wasserleitungsbaus.

    In der Grundriss- und Raumgestaltung machte die römische Kunst große Fortschritte; Prinzipien der Symmetrie und Axialität setzten sich durch und wirkten bei repräsentativen Bauwerken (Kaiserthermen), monumentalen Platzanlagen (Kaiserforen) und Sakralbauten (Fortuna-Heiligtum Praeneste). Eine entscheidende technische Neuerung im Mauerwerk verlagerte in der Architektur den Schwerpunkt vom griechischen Baukörper auf die Gestaltung des Innenraumes: Das Gussmauerwerk (Ziegelmauerwerk mit Kalkmörtel und Gusshinterfüllung) ermöglichte weit gespannte Bogen- und Gewölbekonstruktionen, mehrstöckige Hochbauten, Kuppeln, Großräume ohne Innenstützen; es entstanden repräsentative Paläste und Kuppelbauten (Pantheon).

    Einen wichtigen Beitrag leisteten die Römer zur Stadtbaukunst. Die Weiterentwicklung der Axialität verbesserte die räumliche Organisation, was sich im System der Fernstraßen (Via Appia), der Aquädukte, aber auch im Podiumtempel, Terrassenheiligtum, im Hausbau und in den Foren ausdrückte.

    Die oligarchische Struktur der römischen Gesellschaft förderte den luxuriösen (Privat-)Hausbau: Das einst geschlossene Atriumhaus wurde seit dem 1. Jh. v.Chr. um griechische Elemente (Peristyle, Exedren, Loggien) erweitert und mit Plastiken, Brunnen, Steintischen, Wandmalereien, Nymphäen u.a. dekoriert. Die kaiserlichen Paläste (Hadriansvilla) strebten nach einer künstlich gestalteten, weitläufigen Umwelt; überdimensionierte Raumfolgen, prunkvolle Ausstattungen wurden als schöne Scheinwelt (Trajans- und Caracallathermen, Rom) errichtet; traditionalistische Monumentalarchitektur vermischte sich mit einfachem Pathos (Diokletiansthermen, Maxentiusbasilika).

    Aber neben luxuriösen Prachtbauten schuf die römische Architektur auch rationale Zweckbauten wie mehrstöckige Mietshäuser.

    Bildhauerei

    Besonders in zwei Bereichen entwickelte die römische Plastik einen eigenständigen künstlerischen Stil: in der Porträtbüste und im historischen Relief. Die Porträtkunst, hergeleitet aus dem Ahnenkult, schuf Kunstwerke hohen, individuell-veristischen Ausdrucks, seit Augustus (1. Jh. v.Chr.) mit klassizistischer Ausprägung (bedeutendes Werk: Ara Pacis Augustae, Rom). Seit Ende des 1. Jh.s ist die Herausbildung typischer Merkmale zur Steigerung der Individualität charakteristisch. Dann folgten seit der zweiten Hälfte des 2. Jh.s das verfeinerte Hofbildnis, insbesondere bei den Antoninen, und Anfang des 3. Jh.s Charakterporträts (Caracalla), die eine Verzerrung zur Erhöhung des Ausdrucks nicht scheuten: Eine Überbetonung des psychischen oder spirituellen Ausdrucks gegenüber der Körperlichkeit fällt auf, so drückte sich in der Überbetonung des Blicks psychische Zerrissenheit, Angst und Unsicherheit aus. Auch das historische Relief mit großer memorialer und propagandistischer Funktion (und Wirkung) entwickelte sich als typisch römische Kunstproduktion von historisch-konkreter Kunst zu allegorisch-symbolischer Überhöhung. So wurde z.B. die schlichte, erzählende Situationsdarstellung am römischen Titusbogen seit dem 2. Jh., z.B. durch Hervorhebung der Hauptpersonen, ins Bedeutungshafte transformiert (Trajanssäule in Rom, Trajansbogen in Benevent; Mark-Aurel-Säule und Septimius-Severus-Bogen in Rom; severischer Fries in Leptis Magna). Seit dem 3. Jh. bildete sich ein räumlicher Illusionismus aus, der nur zeitweilig von klassizistischen Tendenzen zurückgedrängt wurde, als typisches Merkmal der Flächengestaltung (Helldunkelkontraste, gedrängte Figurenfülle, tief zerklüftete Relieffläche). Zuerst ist dies in der Gestaltung von Sarkophagen (z.B. Ludovisischer Schlachtsarkophag, 251 n.Chr., Thermenmuseum, Rom), dann aber auch an historischen Reliefs (Galeriusbogen, Thessaloniki) spürbar.

    Malerei

    Der räumliche Illusionismus des historischen Reliefs wirkte auch in der römischen Malerei fort, in der Wandmalerei, Mosaikkunst und Porträtmalerei. Während Tafel- und Leinwandbilder nicht erhalten sind und die Porträtmalerei fast nur aus dem ägyptischen Mumienbildnis (1.-4. Jh.) bekannt ist, findet sich ein reicher Bestand römischer Wandmalerei aus der Zeit vom 1. Jh. v.Chr. bis 79 n.Chr., insbesondere aus den vom Vesuv verschütteten Städten Pompeji, Herculaneum und Boscoreale. Im 1. Jh. v.Chr. war z.T. die illusionistische Auflösung der Wandfläche charakteristisch, die aber rasch einer klaren symmetrischen Gliederung wich und in den augusteischen Klassizismus überging. Etwa zwischen 90 und 10 v.Chr. entstanden Scheinarchitekturen als Wandschmuck, beeinflusst durch Bühnen-, Nymphäenarchitektur, ab 10 v.Chr. (bis 40 n.Chr.) durch spielerischen Dekor (Rahmen-, Leistendekoration, Kandelaberstil, Friese mit idyllischen Erotenszenen) ersetzt. Figürliche Wandgemälde hatten oft ein mythologisches Thema. Im 1. Jh. traten neben die selteneren figürlichen Szenen Landschafts-, Genre- und Tierdarstellungen, wobei in der Landschaftsmalerei die optisch erfassbare räumliche Kontinuität (Luftperspektive) weiterentwickelt wurde. Im 4. Jh. wird die farbliche Intensität der römischen Malerei stärker herausgearbeitet und so der Grundstein für die frühchristliche Malerei und Mosaikkunst gelegt, die insgesamt immer stärker auf den Reichsstil der römischen Kunst wirkte und andere Einflüsse (z.B. orientalische Kulte) überlagerte.



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