Quotenwahn bei Germany's next Topmodel

Aus WISSEN-digital.de

20. Juni 2011  |  Kommentare: 3

Immer aufdringlicher werden die gefühlstriefenden Slow-Motion-Szenen, die Nahaufnahmen der weinenden Kandidatinnen und die überdramatisierende Hintergrundmusik. Nun, nachdem bereits die sechste Staffel ihr Ende genommen hat, können es selbst eingefleischte Fans nicht mehr leugnen: Auch Heidi Klums Sendung Germany’s next Topmodel hat sich - ganz im Stile von Popstars, Das Supertalent und DSDS - komplett dem Quotenkrieg verschrieben.

Schon in der ersten Folge der neuen Staffel offenbart sich die zugespitzte Dramatik: Ein Video (siehe oben) wird gezeigt, in dem Heidi Klum ihre Jury-Kollegen Thomas Rath und Thomas Hayo per Privat-Jet aus Mailand und New York einsammelt. Es liegt nahe, dass diese zwei Charaktere nicht nur aufgrund ihrer fachlichen Kompetenzen, sondern ebenso wegen ihrer Medienwirksamkeit ausgewählt wurden. Und das Konzept wurde von Erfolg gekrönt: Als "Der Coole und der Schwule“ gingen sie durch sämtliche Zeitungen und Fernsehsendungen.

Ein weiteres Anzeichen für die extreme Kommerzialisierung der Sendung ist die übertriebene Demütigung der Kandidatinnen. Bestes Beispiel aus der vergangenen Staffel ist "Körperklaus“ Marie-Luise, die trotz mangelnden Talents jede Woche aufs Neue im Stil ihres Vorbildes Dita van Teese vor der Jury Burlesque tanzen musste - und sich jedes Mal mehr blamierte. Ebenfalls auffällig ist, dass die "Challenges“ spätestens seit der letzten Staffel den Zickenkrieg regelrecht provozieren: Die Kandidatinnen müssen getreu dem Motto "Möge die Schönere gewinnen“ gegeneinander shooten oder Wortgefechte darüber führen, wer besser für einen Job geeignet ist. "Dieser Konkurrenzkampf, das ist die Realität“ rechtfertigt Jury-Mitglied Thomas Rath die aggressive Inszenierung. Dieser Konkurrenzkampf, das ist was die Leute sehen wollen, trifft das Ganze wohl eher.

Paradebeispiel für einen Zickenkrieg der Extraklasse sind Anna-Lena und Rebecca aus der letzten Staffel. Anna-Lena, die, wie sie selbst sagt, "keine Lust auf so eine Fake-Tussi“ wie Rebecca hat, kann mit ihren Sticheleien nicht an sich halten. "Beccy“ kontert mit überheblichen Kommentaren wie "Wir werden beide oft verglichen. Sie zieht immer den Kürzeren“.

Insgesamt eine quotenorientierte Aufmachung, ganz in DSDS-Manier, bestehend aus Zicken- und Psychoterror, Demütigung und Dramatik. Und sie zahlt sich aus: Mehr als vier Millionen Zuschauer verfolgten das Finale der sechsten Staffel und sprengten damit alle Rekorde der Sendung.

Die Erfahrung hat es gezeigt: Germany’s next Topmodel zu werden heißt nicht unbedingt Topmodel zu werden. Auch wenn die bisherigen Siegerinnen nun teils gutbezahlte Jobs einheimsen, internationalen Bekanntheitsgrad oder Kultstatus wie Modelmama Heidi Klum haben sie alle nicht erreicht. Es ist also eigentlich nur logisch, dass das gesamte Konzept der TV-Show nicht (mehr?) auf dem Ziel beruht, wahres Talent aufzuspüren und zu fördern, sondern die Einschaltquoten durch Zickenkriege und Psychoterror konstant hoch zu halten. Das ist nun einmal die Fernseh-Realität in Deutschland: Qualitätsschwund und Quotenkampf als Erfolgs- und Bestandsgarantie.

Kommentare

walter (genau der)
09.08.2011 - 2:01
sagt mal, sonst gehts euch noch gut oder? koennt ihr nicht normal reden wie andere leute auch? man versteht doch kein wort von dem gesuelze! also mir gefaellt die sendung und damit basta.
horst krumpholz
26.07.2011 - 0:42
Hans-Dieter, eine solche Sendung kann diesen Anspruch doch gar nicht verkraften. Ein gewisses Maß an geistiger Umnachtung ist doch Voraussetzung für den Konsum einer solchen materiell dominierten Dauerberieselung. Schon die alten Römer pflegten zu sagen: "stercus semper in procul videre currit" und sie hatten das schon damals richtig erkannt.
hans-dieter
14.07.2011 - 1:37
Wenn die dauerhafte Ambivalenz des Seins sich mit der Persistenz der Gegenwart verbindet, dann kann der Mensch aus eigener Kraft nichts mehr dagegen tun. Wird er sich in seinem tiefsten Inneren auf die Seite des Profanen stellen, dann werden von allen Seiten Neid und Missgunst auf ihn einprasseln. Der erste Verdacht wird in diesem Konflikt niemals zum konkreten Anlass einer Aussprache mit der inneren Zerrissenheit herhalten sondern als Chance zum Ausbruch angesehen werden.
  



 


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Kommentare

walter (genau der) am 09.08.11
sagt mal, sonst gehts euch noch ...
horst krumpholz am 26.07.11
Hans-Dieter, eine solche Sendung...
hans-dieter am 14.07.11
Wenn die dauerhafte Ambivalenz d...

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