Organismus

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sinnvoll strukturierte Gesamtheit, deren Teile einem Zweck untergeordnet sind.

In der Naturphilosophie spielt der Begriff des Organismus in Abgrenzung vom Mechanismus seit der Antike eine bedeutende Rolle. Bereits Platon und Aristoteles haben sich darum bemüht, die charakteristischen Merkmale des Organismus zu bestimmen. Während für Platon der Seelenbegriff eine entscheidende Rolle für die Bestimmung des Organismus spielt, nennt Aristoteles die Entelechie, das Streben nach Vervollkommnung. Nach Aristoteles strebt jeder Organismus eine bestimmte Form an, die ihm gemäß ist; erkennbar ist dies am Wachstum und an der Entwicklung pflanzlicher und tierischer Organismen. Den Bestimmungen beider Philosophen ist gemeinsam, dass für sie der Organismus einen nicht materiellen, einen empirisch nicht nachweisbaren Aspekt beinhaltet.

Platons Seelenlehre erfuhr in der Philosophie des christlichen Mittelalters eine spezielle Ausdeutung. Der Unterschied zwischen dem Menschen und den anderen Lebewesen wurde jetzt bedeutsam. Der Philosoph Descartes etwa betrachtete die Tiere als seelenlose Maschinen. Demgegenüber vertraten die pantheistischen Philosophen die These, dass die Welt insgesamt als Organismus zu verstehen sei (Paracelsus); Spinoza war deshalb der Auffassung, dass allen Dingen, auch den anorganischen, etwas "Göttliches" innewohnt. In der Philosophie seit der Aufklärung rückte man zunehmend von metaphysischen Bestimmungen des Unterschieds zwischen Mechanismus und Organismus ab und verwendete mechanistische (physikalische) Erklärungsmodelle auch für die Organismen. Bereits Kant plädierte für eine mechanistische Auffassung und betrachtete die aus Aristoteles' Entelechiebegriff folgende Bestimmung des Organismus durch den "Zweck" als zwar dem Denken des Menschen, keineswegs aber auch unbedingt der Natur gemäß.

Die Trennung zwischen der Welt des organischen Lebens und den nicht lebendigen Dingen erfolgt heute in der Wissenschaft ausschließlich beschreibend. In der Biologie dient der Begriff als Bezeichnung für ein ein- oder vielzelliges Lebewesen, das Stoffe aufnimmt und abgibt, wächst, sich fortpflanzt und auf Reize reagiert. Seine Organe sind aufeinander abgestimmt, bilden ein funktionierendes System und können für sich allein nicht existieren.

Die Verwendung des Begriffs in der Kulturphilosophie, wonach Kulturen oder Völker als Organismus gesehen werden, die wachsen, blühen und vergehen (etwa bei Spengler), ist heute nicht mehr gebräuchlich. Ebenso ist die Auffassung vom Kunstwerk als Organismus in der Kunstgeschichte heute überholt.


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