Klassizismus (Bildende Kunst)

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    Im weiteren Sinne meint Klassizismus jede Richtung der europäischen Architektur, die die antike Einfachheit und Klarheit sowie die Bändigung der Form in enger Anlehnung an die griechische und römische Kunst nachzuempfinden versuchte, wie dies zum ersten Mal in der Renaissance geschah. Den nächsten Höhepunkt bildete die oberitalienische Baukunst von Palladio (Palladianischer Klassizismus). Auch die französische Baukunst des 17. Jh.s verwendete klassizistische Elemente (C. Perrault). Besonders in England brachte die Anlehnung an die Architektur Palladios eine Blütezeit der klassizistischen Kunst (I. Jones).

    Im engeren Sinne bezeichnet Klassizismus eine Epoche der europäischen Kunst von 1770 bis 1830, die als Gegenbewegung zu Barock und Rokoko zu verstehen ist. Angeregt wurde dieser Kunststil durch die Entdeckung von Pompeji und Herculaneum (1748). Als wichtigster Theoretiker ist J.J. Winckelmann zu nennen, der in der antiken Kunst "edle Einfalt und stille Größe" verwirklicht fand. Architektur

    Bei der klassizistischen Baukunst stand im Gegensatz zum Historismus nicht die bloße Nachahmung im Vordergrund, sondern die Neugestaltung im Sinne der Antike. Sie versuchte allgemein gültige ästhetische Gesetze zu finden in der Verwendung antiker Tempelfassaden mit klassischen Säulenordnungen, blockhafter Bauweise und sparsam eingesetztem Dekor. In Frankreich ist die Architektur des Klassizismus als Abkehr vom Rokoko zu verstehen; dabei spielte die Architekturakademie von J.F. Blondel (1743) eine wichtige Rolle. Bedeutende Architekten sind J.-G. Soufflot (Pantheon, Paris, 1754-80) und P.-A. Vignon (St.-Madelaine, ab 1807), der im Auftrag Napoleons arbeitete. Von Frankreich aus entstanden in Preußen für Friedrich den Großen erste frühklassizistische Bauten (Opernhaus Berlin, Knobelsdorff, 1741-43).

    Wichtigste Vertreter des deutschen Klassizismus sind F. Gilly und C.G. Langhans (Brandenburger Tor). Bedeutende klassizistische Bauten im 19. Jh. schufen Klenze in München für Ludwig I., in Preußen Schinkel und Weinbrenner.

    Der englische Klassizismus war stärker von griechischer Architektur geprägt (R. Adam, J. Soane).

    Bildhauerei

    Im Sinne der klassischen Bildwerke - über deren Farbfassung im 19. Jh. nichts bekannt war - gestalteten die klassizistischen Bildhauer vorwiegend Marmorplastiken mit glatter, kühler Oberfläche. Ausgehend von Italien, fanden die Werke von A. Canova, der vorwiegend mythologische Gestalten gestaltete, weite Verbreitung in ganz Europa. Auch die technisch virtuos ausgeführten Marmorskulpturen von B. Thorvaldsen waren erfolgreich. In Deutschland knüpften daran v.a. der in Italien ausgebildete G. Schadow und sein Schüler Rauch an.

    In Frankreich griffen die Bildhauer schon seit der Renaissance auf klassische Vorbilder zurück (J. Goujon). Wichtigster klassizistischer Bildhauer des 19. Jh.s. in Frankreich ist J.-A. Houdon.

    Malerei

    Die Vorbilder der Malerei des Klassizismus waren neben der Antike auch die Maler der Renaissance (Raffael) und die klassizistische Malweise Poussins und Lorrains. Besonders mythologische Stoffe erfreuten sich großer Beliebtheit.

    Die französische Malerei ist in ihren Anfängen von der Persönlichkeit des Franzosen J.L. David geprägt ("Schwur der Horatier", 1785). Er vereinte antiken Inhalt mit einer klaren Bildkomposition, zeichnerischer Präzision und kühler Farbigkeit. Davids Schüler Ingres vertritt am reinsten die Malerei des Klassizismus im Gegensatz zur aufkommenden Romantik.

    Die Anfänge des deutschen Klassizismus liegen im Deckengemälde "Parnass" von A.R. Mengs (Rom, Villa Albani, 1761) begründet. An dieses Vorbild schlossen sich unter anderem J.A. Koch, A.J. Carstens und Schinkel an. Siehe auch Klassizismus (Musik).



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