Judentum

    Aus WISSEN-digital.de

    Einleitung

    Das Judentum ist die älteste monotheistische Weltreligion. Es zählt lediglich rund 15 Millionen Angehörige, aber sein Verbreitungsgebiet umfasst die gesamte Erdoberfläche.

    Der Staat Israel

    In dem 1948 in Palästina ins Leben gerufenen Staat Israel leben nur 4,8 Millionen Juden, wenn er auch die geistig-religiöse Urheimat aller Juden darstellt. Entscheidend mit verursacht durch den im 19. Jh. überall in Europa aufkeimenden "modernen Antisemitismus" war schon Ende des 19. Jh.s die Rückkehr der in der "Diaspora" (Zerstreuung) lebenden "Kinder Israels" in das gottverheißene Land ihrer Väter von Theodor Herzl politisch konzipiert worden ("Zionismus").

    Die mosaische Lehre

    Der Begründer des Judentums ist Moses, der um 1250 v.Chr. gelebt hat. Das Alte Testament schildert seine Geburt, seine Errettung, seinen Aufstieg, seine Taten, sein Lebenswerk (2. Mos. 2. Kap. ff). Allerdings hat nach der Überlieferung des Alten Testaments schon Abraham, der Stammvater der Israeliten, das monotheistische Grundkonzept als eine ihm von Jahwe verliehene Erbgabe von Anbeginn besessen. Im Wirken Moses' offenbarte sich Gott dann erstmals als Gesetzgeber (Empfang der Zehn Gebote auf dem Berg Sinai).

    Nach der mosaischen Religion gibt es einen und nur einen Gott: Jahwe. Er ist der allmächtige Herr über die gesamte Welt und lenkt die Geschicke sämtlicher Völker. Sein auserwähltes Volk sind die Israeliten. Mit ihnen hat er einen besonderen Bund geschlossen; ihnen hat er auch besondere Gesetze gegeben. Ein in fernen Tagen zu erwartender Messias wird sowohl in religiöser als auch in politischer Hinsicht ein glückliches Zeitalter bringen, das durchaus diesseitig, nicht jenseitig, zu denken ist. Die Juden achten Jesus Christus als ihren Bruder und einen Weisen, erkennen ihn jedoch nicht als Messias an.

    Thora und Talmud

    Die Heilige Schrift der mosaischen Religion ist das Alte Testament. Die fünf Bücher Mose (Pentateuch) bilden für die Juden das Gesetz, die "Thora". Darin sind die zehn Gebote verzeichnet. Die Propheten bauten die Lehre des Moses aus. Sie predigten Buße und Umkehr, warnten vor Götzen und weissagten das Auftreten eines Messias.

    Im Jahr 70 n.Chr. wurden Jerusalem und der Tempel zerstört, die Juden in alle Himmelsrichtungen zerstreut. Im kleinen Ort Jawne an der Küste Palästinas wurde der Grundstein für ein neues Judentum gelegt: Dort sammelten sich zahlreiche Schriftgelehrte. In ihren Schulen wurde die Lehre ausgebaut, und es entstand das große Sammelwerk "Talmud", das die vielfältigen religiösen Vorschriften für die Juden enthält.

    Die zwei Hauptrichungen des Judentums

    Im Judentum gab es zwei religiöse Hauptrichtungen. Die eine folgte dem Talmud und den Buchstaben des Gesetzes. Die andere war eher mystischer Natur und verwendete für ihre Zwecke die Deutung von Buchstaben und Zahlen. Sie heißt "Kabbala". Aus ihr entstand in der Mitte des 18. Jh.s der "Chassidismus" mit seinen Wunderrabbis und der volksnahen Frömmigkeit. Diese Richtungen haben jedoch nicht, wie bei Christentum und Islam, zu einer konfessionellen Spaltung des Judentums geführt.

    Geschichte

    Altertum

    Nach der Rückkehr der Deportierten (536 v.Chr.) in das unter persische Oberhoheit gekommene Palästina ("Judäa") organisierten sich die Juden zu einer religiösen Gemeinde, einem theokratischen Staat unter dem Hohenpriester und später dem Hohen Rat (Synedrium); die Gemeinde war durch den Jahweglauben, das "Gesetz Mosis" (Thora) und das gemeinsame Kultzentrum im neuen Tempel in Jerusalem geeint und durch das Mischehenverbot und die jüdische Lebenseigenart von der Umgebung abgehoben. Die Juden gerieten in der Folge unter die Herrschaft Alexanders des Großen (Ende der persischen Herrschaft 332 v.Chr.). Die Samaritaner spalteten sich ab und errichteten ein eigenes Kultzentrum auf dem Berge Garizim.

    Nach Alexanders Tod wurden die Juden Untertanen der Nachfolgestaaten, der hellenistischen Reiche der Ptolemäer und Seleukiden; es begann die geistig-theologische Auseinandersetzung mit dem Hellenismus besonders durch die Rabbis, die Schriftgelehrten an den nach dem Exil entstandenen Synagogen, die gegen die Gefahr der geistigen Überfremdung auf Buchstaben und Gesetzestreue beharrten. Durch Abwanderung entstanden zahlreiche Diasporagemeinden im Neupersischen Reich, v.a. aber in Babylon, das zweites jüdisches Zentrum wurde, in Athen, wo die Juden Gephyraier genannt wurden, und in Alexandria, wo sie sich assimilierten, die griechische Sprache übernahmen und die heiligen Bücher ins Griechische übersetzen ließen (Septuaginta, Bibel). 168 v.Chr. verbot der Seleukide Antiochos IV., Verehrer der griechischen Götter (Zeusbild im Tempel zu Jerusalem), den jüdischen Kult. Die Reaktion der Juden darauf war der Freiheitskampf unter Führung des Priestergeschlechts der Makkabäer (Hasmonäer), der 164 v.Chr. zur Neuweihe des Tempels und 141 v.Chr. zu einem erheblichen Maß an politischer Selbstständigkeit führte.

    Seit 161 v.Chr. standen die Juden (Freundschaftsgesandtschaft des Judas Makkabäus nach Rom, Anerkennung des jüdischen Staates durch Rom) in Berührung mit den Römern, doch schon 139 v.Chr. gab es eine erste Judenverfolgung in Rom wegen der Sabbatfeier am Tag eines römischen Gottes. In Palästina gelang die Eroberung der samaritanischen Gebiete und des Ostjordanlandes. Es kam zu inneren, z.T. blutigen Auseinandersetzungen zwischen Pharisäern und Sadduzäern, in deren Verlauf der zum Schiedsrichter gerufene Römer Pompejus 63 v.Chr. Jerusalem eroberte (Schleifung der Mauern).

    Die Eroberung Jerusalems bedeutete das Ende der jüdischen Selbstständigkeit. Unter Cäsar kam es zur Teilung des Landes in Statthalterschaften; 37 v.Chr. erfolgte die Bildung des von Rom abhängigen Königtums unter Herodes I. dem Großen (37-4 v.Chr., glanzvolle Restaurierung des Tempels). Im Jahre 6 n.Chr. wurde Judäa römischen, von Syrien abhängigen Landpflegern unterstellt (Prokuratoren; unter dem Landpfleger Pontius Pilatus Kreuzigung Christi und erste Judenchristengemeinden). 41 n.Chr. kam es zur Erneuerung des Königtums unter Agrippa I. (41-44), dem Enkel des Herodes. Tyrannei und Steuerdruck führten 66-72 zum allgemeinen Aufstand gegen die römische Besatzung. Die Römer eroberten daraufhin 70 n.Chr. durch Titus Jerusalem und äscherten den Tempel ein; es kam zur Verschleppung von Hunderttausenden in die Gefangenschaft (Qumran). Die Juden verbreiteten sich im ganzen Römerreich (früheste bekannte Synagoge in Form einer dreischiffigen Basilika in Ostia bei Rom, 1961 entdeckt; Begräbnisstätten in Katakomben).

    Schon in der frühen Kaiserzeit gab es neben freier Entfaltung lokale Verfolgungen. In Palästina erhob sich der jüdische Bevölkerungsrest 132 n.Chr. unter Bar Kochba (Bar Kossebah) erneut gegen die Römer (Kaiser Hadrian), woraufhin das seit 70 n.Chr. z.T. wiederbesiedelte Jerusalem völlig dem Erdboden gleichgemacht wurde. An Stelle der Stadt entstand die heidnische Römerkolonie Aelia capitolina; Judäa wurde entvölkert.

    In Rom kam es auch in der mittleren Kaiserzeit zu mehrmaligen Verfolgungen (wegen der Ablehnung des Kaiserkults durch die Juden und der Weigerung, am Sabbat Dienst im Heer zu tun oder vor Gericht zu erscheinen). Erst unter Konstantin (Toleranzedikt) erhielten die Juden die Gleichberechtigung mit den Christen (der antijüdischen Theologie mancher Kirchenväter stand die Toleranz eines Chrysostomus, Augustinus und Gregors des Großen gegenüber); im Osten wurden die Juden unter Justinian (527-565) den Ketzern gleichgestellt.

    Mittelalter

    Bis zu den blutigen Pogromen durch die Kreuzfahrer lebten die Juden im frühen Mittelalter im Allgemeinen unbehelligt; sie waren neben Syrern, Arabern und Friesen führend im Handel von Frankreich bis China tätig (Geld, Seide, Pelzwerk, Waffen, Gewürze), viele Juden waren Grundbesitzer, Steuerpächter, Handwerker, Gelehrte, Astrologen, Ärzte, Diplomaten (unter Karl dem Großen); auch am Hof der Kalifen (trotz Kopfsteuer) und in den christlichen Ländern Spaniens (Leon, Aragonien, Kastilien, Navarra) konnten sie sich trotz islamischen und christlichen Bekehrungsdrucks wirtschaftlich und kulturell verhältnismäßig frei entfalten. Als Übersetzer antiker Schriftsteller waren sie Mitbegründer der arabischen wissenschaftlichen Kultur.

    Es kam zu einer großen Leidenszeit des Judentums während der Kreuzzüge: beim Durchzug der Kreuzfahrer seit 1096 fanden entsetzliche Judenmassaker und Plünderungen in vielen Städten statt (unter Beteiligung des vielfach an Juden verschuldeten Bürgertums), auch in Frankreich und England. Die Ausschreitungen gegen die Juden führten zum Eingreifen des Kaisers, Bernhards von Clairvaux und Abälards. Es kam zu Massenauswanderungen nach Litauen, Polen, Galizien und in andere Ostländer. Die Stauferkaiser nahmen die Juden als "Kaiserliche Kammerknechte" gegen Abgaben in ihren Schutz; dieses Judenregal wurde aber schon bald Handelsobjekt und gegen Entgelt an Fürsten, Bischöfe oder Städte abgetreten oder verpfändet; seit dem 12. Jh. wurde vielerorts durch harte Beschlüsse von Konzilien und päpstliche Erlasse das Wohnen in umgrenzten Stadtvierteln (Gettos) gefordert und das Tragen von Abzeichen (Judenhut) Pflicht; nur die Juden, die sich taufen ließen, waren vollwertige Bürger. Der Ausschluss aus Gilden und Zünften und vielen anderen Berufen führte die Juden zum Klein-(Trödel-)Handel und zum Pfand- und zinsbringenden Geldgeschäft, da den Christen Zinsnehmen von der Kirche verboten war ("Jeder Gewinn an Geld oder Waren aus reinem, mit keiner Arbeit verbundenem Geldgeschäft ist Wucher"); von diesem Verbot waren die Juden nicht betroffen, sie wurden dadurch ebenso unentbehrlich wie wegen der behördlich genehmigten hohen Zinsen verhasst.

    Gegen die lästigen Gläubiger und die religiös "Verstockten" kam es im 14. und 15. Jh. fast in allen europäischen Ländern unter den verschiedensten geglaubten oder konstruierten Anklagen (Kreuzigung Christi, Ritualmorde, Brunnenvergiftungen, Hostienschändungen, Scheintaufen) zu grausamen Ausschreitungen besonders in Hungersnot- und Katastrophenzeiten ("Schwarzer Tod" 1347-1350); im spätmittelalterlichen Spanien wurden 1492 300 000 Juden ausgewiesen (Maranen) und wanderten nach Marokko, in die Berberei, in die Türkei, nach Portugal, Italien und Sizilien aus.

    Neuzeit

    Die unduldsamen Judenordnungen bestanden auch in der Neuzeit noch lange Zeit weiter; völlig unfrei waren die Juden im Orient (außer der Türkei); in Italien und Spanien blieben sie von der Inquisition bedroht, verhältnismäßig tolerant waren Frankreich, Holland und bald auch England. In Deutschland blieben ihnen trotz Reformation, Renaissance und der Judenschutzordnung Karls V. die Zünfte und viele andere Handelszweige weiterhin verschlossen; trotzdem gelangten viele Juden zu wissenschaftlichem Ansehen und wirtschaftlichem Einfluss.

    Im späten 16. Jh. begann die Emanzipation und der allmähliche soziale Aufstieg der Juden. Die Juden waren führend am Geschäft der großen Messen besonders für den Osthandel und den Handel mit Spanien und Portugal beteiligt (Frankfurt: Buch-, Seiden- und Juwelenhandel); sie beherrschten Geldleihe und Pfandhandel. Im und nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden Juden Industrielle, Heereslieferanten und Finanziers geistlicher und weltlicher Fürsten. Im Zeitalter des Absolutismus waren sie Geldgeber bei Großbauten (Schlösser, Festungen) und dank ihrer internationalen Beziehungen diplomatische Ratgeber (Hofjuden); sie waren unter Friedrich dem Großen am wirtschaftlichen Aufbau Preußens beteiligt. Trotzdem bestanden weiterhin abergläubische Vorstellungen im Volk (1699 Vertreibung aus Lübeck).

    Die mehr als tausendjährigen Vorurteile begannen erst seit der Aufklärung allmählich zu schwinden; Moses Mendelssohn, Dohm, Lessing kämpften für ihre geistige und politische Befreiung. Es kam zur Proklamierung der Gleichberechtigung in den USA, in Österreich (1782 Toleranzpatent Kaiser Josephs II.), durch die französische Nationalversammlung (1791), in Hessen 1808, Frankfurt 1811, Baden 1808 und 1811, Preußen 1812, Mecklenburg 1813, Württemberg 1828, Kurhessen 1833. 1848 und 1849 erfolgte die Bestätigung der Grundrechte, doch blieben höhere Offiziers- und Beamtenstellen Juden praktisch verschlossen. Bis Ende des 19. Jh.s war die Gleichberechtigung in allen europäischen Staaten gewährt, außer in Rumänien und Russland, wo zahlreiche Judenverfolgungen, Ausnahmegesetze und Beschränkungen der Freizügigkeit und Berufsausübung Zehntausende zur Auswanderung zwangen (nach Palästina, Großbritannien, Amerika, Argentinien, Australien).

    In Deutschland, Österreich, Frankreich und Russland begann in der zweiten Hälfte des 19. Jh.s ein erneutes Aufflammen der Judengegnerschaft: In Deutschland v.a. nach dem Zusammenbruch der Gründerjahre und unter dem Einfluss Treitschkes, Stöckers, Richard Wagners, seines Schwiegersohnes Houston Stewart Chamberlains u.a. (1879 prägte der getaufte Jude W. Marr das Wort "Antisemitismus"), in Frankreich im Zusammenhang mit der Dreyfus-Affäre, in Russland nach der Ermordung Alexanders II., in Österreich durch die antijüdische Propaganda Schönerers und Luegers; Bildung von antisemitischen Gruppen im deutschen Reichstag.

    Verfolgung im Nationalsozialismus

    Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zum Wiederaufleben des Antisemitismus besonders im stalinistischen Russland (Zerstörung der kulturellen Einheit der drei Millionen russischer Juden; Verbot der hebräischen Sprache, eigener Institutionen, des Zionismus, der Auswanderung, erschwerter Zugang zu Staatsämtern und öffentlichen Bildungsanstalten), in den arabischen Ländern (gegen die jüdische Einwanderung in Palästina) und in "völkischen" Kreisen Deutschlands (Nationalsozialismus) und Österreichs.

    Die systematische Verdrängung der Juden aus dem öffentlichen Leben begann in Deutschland mit der Machtübernahme Hitlers 1933, zunächst mit Einzelaktionen der SA, dann durch politische, wirtschaftliche, gesetzliche, gesellschaftliche Maßnahmen. Im April 1933 organisierte Julius Streicher nach Hitlers Weisung einen Judenboykott in ganz Deutschland (SA-Posten vor Geschäften), am 7. 4. 1933 wurden die Juden aus den Beamtenstellen und aus der Anwaltschaft verdrängt ("Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" mit dem so genannten "Arierparagrafen", dem Nachweis von vier nichtjüdischen Großeltern, der in der Folge für alle öffentlichen Positionen gefordert wurde; davon waren außer den Volljuden etwa 750 000 "Mischlinge" betroffen). 19. 9. 1935 erfolgte das Verbot der Ehen mit Juden ("Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre"), die Aberkennung der Reichsbürgerrechte und der Verbot des Besuchs der öffentlichen Schulen. Die Juden organisierten Hilfsstellen, errichteten eigene Schulen, Krankenhäuser u.a.

    In der Nacht vom 9./10. 11. 1938, nach der Ermordung des deutschen Botschaftsangestellten vom Rath in Paris (Protesttat eines Juden), organisierte Goebbels mit SA und SS und Pöbelhaufen das Pogrom der "Kristallnacht" (Einäscherung von 600 Synagogen, Demolierung jüdischer Wohnungen und Geschäfte). Göring erpresste von den Juden als "Buße" eine Sondersteuer von einer Milliarde Mark. Es folgte die Beschlagnahme alles jüdischen Eigentums und die Ausschaltung der Juden aus dem Wirtschaftsleben. Die Herauslösung aus der "Volksgemeinschaft" sollte durch Vertreibung ins Ausland vollendet werden; bis zum Weltkriegsbeginn emigrierte eine halbe Million Juden.

    Im Januar 1939 wurde Heydrich, Chef des SS-Sicherheitsdienstes (SD) unter Himmler, Leiter des "Zentralamts für jüdische Auswanderung" mit dem "Judenreferat der Gestapo" unter Adolf Eichmann. Im September 1939 wurden beide Ämter ins "Reichssicherheitshauptamt" eingegliedert. Nach dem Polenfeldzug Ende 1939 entstand der Plan zu einem "Jüdischen Siedlungsgebiet" zwischen Bug und San (es gab drei Millionen polnische Juden); nach dem Frankreich-Feldzug 1940 gab es einen Plan zur Ansiedlung der Juden im französischen Madagaskar unter deutscher Oberhoheit.

    Während der Vorbereitungen zum Russlandfeldzug entschied sich Hitler für die Vernichtung der europäischen Juden auf russischem Boden als Vorbereitung zur Auslieferung und "Liquidierung" der Juden der gesamten Welt nach dem erwarteten Sieg. Im Februar 1941 begannen die Deportationen zunächst in polnische Übergangslager oder Durchgangs-Konzentrationslager. Im Juli 1941 befahl Hitler die so genannte "Endlösung" der Judenfrage, die radikale Ausrottung der Juden. Im September 1941 wurde das Tragen des Judensterns und jüdischer Vornamen befohlen; im Dezember 1941 entstand das erste Vernichtungslager ("Gaslager") in Polen (Tötungslager in Treblinka, Maidanek, Belzec, Auschwitz-Birkenau, Sobibór u.a. folgten). Im Januar 1942 begann nach der "Wannseekonferenz" die planvolle Organisation der Vernichtungsaktion, die durch die von Himmler eingesetzten "Einsatzgruppen" durchgeführt und bis Ende 1944 systematisch auf alle besetzten Gebiete ausgedehnt wurde (außer in "Großdeutschland" in Polen, der Slowakei, in Holland, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Norwegen, Italien, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien). Von April bis Juni 1943 kam es zum Aufstand der Juden des Warschauer Gettos (50 000 bis 100 000 Juden fielen oder verhungerten).

    Die Zahl der Juden in Europa ging durch die Massenerschießungen, Massenverbrennungen, Dezimierung durch Überarbeitung und Aushungerung von 1939 bis 1945 von zehn Millionen auf 4,2 Millionen zurück.

    Judentum nach dem Nationalsozialismus

    In der Geschichte der Juden bedeutet die Leidenszeit unter dem Nationalsozialismus eine Zäsur: Danach schien die Diaspora- und Minoritätssituation weder Schutz noch menschenwürdige Existenzbedingungen zu bieten. Die Pioniergesellschaft des jüdischen Palästina und der 1948 nach UN-Beschluss gegründete Staat Israel gaben den Juden die Möglichkeit der freien Selbstentfaltung und der Selbstbestimmung. Dennoch entschied sich nur ein Teil der Juden für Übersiedlung, auch vermag der Staat Israel keineswegs alle Juden aufzunehmen. Bestimmend für die Geschichte der Juden bleiben die Beziehungen zwischen den in Israel Ansässigen und den Juden in der Welt, v.a. den zahlreichen Gemeinden in den USA. In Deutschland lebten im Jahr 2005 über 100 000 Juden.

    Audio-Material
    Datei:Juedische Liturgie08.mp3 Jüdische Liturgie (V´Hu Rachum)
    Datei:Budc66 01.mp3 Rozo d´Shabbos von Pierre Pinchik



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