Islamischer Staat

    Aus WISSEN-digital.de

    Abk.: IS; Die terroristisch agierende sunnitisch-islamistische Miliz "Islamischer Staat" kämpft für einen islamischen Gottesstaat und nennt ihn "Kalifat". Derzeit kontrolliert sie Teile des Irak und Syriens. Der IS ist auch in anderen Staaten aktiv und wirbt um Mitglieder für Bürgerkriege sowie Terroranschläge. Er entführt und tötet Andersdenkende, versklavt Frauen und zerstört Kulturdenkmäler. Seit 2014 ist die Organisation in Deutschland verboten. Der IS hat sich unter anderem zu den Terroranschlägen am 13.11.2015 in Paris, am 22.3.2016 in Brüssel und am 19.12.2016 in Berlin bekannt.

    Geschichte

    Im Jahr 2000 gründete der Jordanier Abu Musab az-Zarqawi in Afghanistan die Organisation "Tauhid" ("Bekenntnis zur Einheit Gottes"). Sein Ziel war es, das jordanische Königshaus zu stürzen. Die Organisation unterhielt enge Kontakte zur Al Kaida. Az-Zarqawi führte seine Anhänger 2003 in den Irak, wo er zahlreiche sunnitische Iraker in seine Organisation aufnahm und die US-Besatzungstruppen sowie die neue irakische Regierung bekämpfte. Ziel der Organisation war es nun, nach der Vertreibung der US-Truppen aus dem Irak einen islamischen Staat aufzubauen.

    Anschließend wollten die Dschihadisten den bewaffneten Kampf in die Nachbarländer Syrien, Libanon und Jordanien tragen, um schließlich Israel zu bekämpfen und Jerusalem zu erobern. Az-Zarqawi selbst sah sich als wichtigsten Verteidiger der Sunniten. 2004 leistete die Organisation Al Kaida einen Treueeid und änderte ihren Namen in "Organisation der Basis des Dschihad im Zweistromland", meist als "Al Kaida im Irak" (AQI) bezeichnet. AQI änderte seine Strategie weg von Entführungen und einzelnen Ermordungen Anfang 2005 hin zu spektakulären Anschlägen. Im irakischen Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten, der 2006 ausbrach, gaben jedoch schließlich viele sunnitische Gruppierungen ab September 2006 den bewaffneten Kampf auf. Az-Zarqawi wurde bei einem amerikanischen Luftangriff getötet.

    Az-Zarqawis Nachfolger wurde der Ägypter Ayyub al-Masri. Ihm wurde mit Abu Abdullah ar-Raschid al-Baghdadi ein Iraker zur Seite gestellt. Als im Oktober 2006 die Gründung des "Islamischen Staates Irak” (ISI) verkündet wurde, wurde al-Baghdadi Emir und al-Masri Kriegsminister. Die tatsächliche Kommandogewalt lag jedoch bei al-Masri. Ab spätestens 2008 zeichnete sich ab, dass der ISI trotz einer weiterhin hohen Zahl von Anschlägen nicht mehr in der Lage sein würde, die Stabilität des irakischen Staates zu gefährden. Al-Masri und Abu Abdullah ar-Raschid al-Baghdadi kamen 2010 in einem Gefecht ums Leben. Abu Bakr al-Baghdadi wurde neuer Führer von ISI.

    Im Nachbarland Syrien begann 2011 ein Aufstand gegen das Regime des Präsidenten Baschar Al-Assad, der in einen Bürgerkrieg mündete. Abu Bakr al-Baghdadi schickte im Sommer 2011 eine Gruppe syrischer Kämpfer in ihr Heimatland, die im Auftrag des ISI dort die "Hilfsfront für die Menschen Syriens" ("Nusra-Front") gründeten. Unter der Führung des Syrers Abu Muhammad al-Jaulani wurde die Nusra-Front im Laufe des Jahres 2012 zu der mit Abstand wichtigsten dschihadistischen und auch zu einer der stärksten aufständischen Gruppierungen. Als sich abzeichnete, dass Abu Bakr al-Baghdadi die Kontrolle über al-Jaulani verlieren würde, erklärte er im April 2013, dass die Nusra-Front lediglich der verlängerte Arm des ISI sei. Die Bezeichnungen "Nusra-Front" und "Islamischer Staat Irak", so Abu Bakr al-Baghdadi, würden zugunsten des neuen gemeinsamen Namens "Islamischer Staat im Irak und Syrien" (ISIS) abgeschafft.

    Al-Jaulani suchte Unterstützung beim Al-Kaida-Führer Zawahiri, dem er Gefolgschaft schwor. Die Al Kaida stützte al-Jaulani, indem Zawahiri anwies, dass der ISIS aufzulösen sei und der ISI und die Nusra-Front unabhängig voneinander operieren sollten. Abu Bakr al-Baghdadi weigerte sich aber, dem Folge zu leisten, so dass Zawahiri ihn Anfang 2014 aus dem Al-Kaida-Verbund ausschloss. Zeitgleich zu diesen Auseinandersetzungen übernahmen ISIS-Einheiten ab Frühsommer 2013 schrittweise Stützpunkte der Nusra-Front im Osten und Norden des Landes.

    Im Irak war der stark geschwächte ISI nach dem amerikanischen Abzug Ende 2011 unter der Führung von Abu Bakr al-Baghdadi wieder erstarkt. Bis Juni 2014 nahm er weite Teile des West- und Nordwestirak einschließlich Mosul ein. Damit kontrolliert die Organisation nun ein zusammenhängendes Gebiet im Westen Iraks und in Syrien. Seit der Ausrufung eines Kalifats am 29. Juni 2014 nennt sich die Organisation nur noch Islamischer Staat (IS), al-Baghdadi nennt sich nun "Kalif aller Muslime".

    Der IS kämpft gegenwärtig im syrischen Bürgerkrieg gegen das Regime von Präsident Al-Assad, aber zugleich auch gegen die Freie Syrische Armee sowie gegen die kurdische Minderheit im Norden des Landes. Außerdem kämpft der IS im zweiten libyschen Bürgerkrieg seit 2014 sowohl gegen die international anerkannte Regierung von Ministerpräsident Abdullah Thenni als auch gegen die Streitkräfte der Gegenregierung um Chalifa al-Ghweil und rief in Libyen ein "Emirat" aus.

    Seit August 2014 sind IS-Truppen Ziele von Luftangriffen einer internationalen Allianz, an der sich seit September 2014 mehrere westliche und arabische Staaten beteiligen.



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