Henrik Ibsen
Aus WISSEN-digital.de
norwegischer Dramatiker; * 20. März 1828 in Skien, † 23. Mai 1906 in Oslo
Der Sohn eines Großhändlers wurde durch den Bankrott des ungeliebten Vaters, der die bürgerliche Existenz der Familie ruinierte, abrupt aus seiner Schulausbildung gerissen. Dies war die Ursache seiner lebenslangen autodidaktischen Bestrebungen. Als Apothekerlehrling schrieb er 1848/49 ohne dramaturgische Kenntnisse sein erstes Drama, "Catilina". Wenig später engagierte er sich als Journalist für die sozialrevolutionäre Arbeiterbewegung.
Erst ab 1851 lernte er durch die Tätigkeit als Regisseur, Dramaturg und Schauspieler an verschiedenen Theatern sein Handwerk als Dramatiker von Grund auf. In einer Serie von nationalromantischen Stücken - am bedeutendsten "Die Kronprätendenten" (1863) - schlugen sich diese praktischen Erfahrungen nieder.
1864 reiste Ibsen mit einem Stipendium zunächst nach Italien und nahm schließlich, da er sich in seiner Heimat verkannt und missverstanden fühlte, ab 1868 für mehr als zwanzig Jahre seinen Wohnsitz in Deutschland. In den genialen Werken der so genannten mittleren Periode, die in Italien und Deutschland entstanden, den Ideendramen "Brand" (1865), "Peer Gynt" (1867) und "Kaiser und Galiläer" (1873), sprengte er zunächst bewusst alle Form- und Stilprinzipien, bis er 1877 mit "Die Stützen der Gesellschaft" die analytische Technik neu belebte, die bis dahin unbekannte Gattung des Gesellschaftsstücks schuf und damit das moderne Drama begründete.
Aktuelle soziale und anthropologische Probleme wie Frauenemanzipation und Darwinismus riefen bei Aufführung der folgenden Gesellschaftsstücke "Nora" (1879), "Gespenster" (1881), "Ein Volksfeind" (1882) und "Die Wildente" (1884) leidenschaftliche Debatten im Publikum hervor und machten damit Ibsen zum meistgespielten Dramatiker seiner Epoche.
In den Spätwerken wandte er sich jedoch mehr und mehr Problemen der Vereinzelung und des Individualismus, vor allem in der Person des Künstlers, zu und erreichte in den Stücken "Rosmersholm" (1886), "Die Frau vom Meer" (1888), "Hedda Gabler" (1890), "Baumeister Solness" (1892), "Klein-Eyolf" (1894), "Johann Gabriel Borkmann" (1896) und "Wenn wir Toten erwachen" (1899) mithilfe symbolischer und mythischer Strukturen eine bis dahin auf dem Theater für unmöglich erachtete Sublimierung und Sensibilisierung, in der, wie Freud bestätigte, Tiefenpsychologisches in großem Ausmaß vorweggenommen wurde. Nach jahrelanger Krankheit und zeitweiliger Lähmung starb Ibsen in Oslo.
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H. Ibsen: Die ungesungenen Lieder sind stets die schönsten.
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