Cembalo

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    (italienisch von Clavicembalo, Gravicembalo; französisch: Clavecin; englisch: Harps, Chord)

    Französisches Cembalo, 18. Jahrhundert

    Tasteninstrument, dessen Saiten mittels einer Mechanik über eine Tastatur angerissen werden. Das Cembalo entstand aus dem Psalterium, das etwa im 14. oder 15. Jh. mit einer Klaviatur versehen wurde. Ab dem 16. Jh. wurden Cembali mit zwei Klaviaturen gebaut, der Umfang wurde von drei Oktaven auf fünf und mehr erweitert. Dabei erhielt das Instrument verschiedene Register, z.B den "Lautenzug", um den Klang zu manipulieren. Der Ton kann sowohl gemildert werden als auch durch Oktavkoppelung mehr Volumen erhalten. Der Klang des Cembalos ist etwas metallen, glänzend und in Folge der Tonerzeugung mit Federkielen nicht durch den Tastenanschlag in seiner Lautstärke zu beeinflussen.

    Die Mechanik des Cembalos war der im Clavichord benutzen Tangentenmechanik überlegen, da das Clavichord in großen Räumen zu leise war. Seine Blüte erlebte das Cembalo im 16., 17. und 18. Jh., als es das unangefochten bedeutendste Tasteninstrument darstellte und sowohl für solistische Zwecke als auch zur Ausführung des Generalbasses verwendet wurde.

    Musik für Cembalo komponierten unter anderem G. Frescobaldi, D. Scarlatti, G.F. Händel, J.S. Bach und die französischen "Clavenicisten" J.C. de Chambonnierès. J.Ph. Rameau und F. Haydn. Wegweisend waren die einsätzigen Cembalosonaten von D. Scarlatti, die durch ihre technischen Finessen und den formalen Bau die Basis für die spätere klassische Klaviersonate bildete. Von 1735 bis 1740 arbeitete J.S. Bach einige seiner Violinkonzerte sowie Sätze aus Kantaten für Solo-Cembalo mit Streicherbegleitung um.

    Ab etwa 1750 wurde das Cembalo immer mehr durch das Klavier verdrängt (das sich jedoch der Tastatur des Cembalos bedient) und erst im 20. Jh. in großem Umfang wiederbelebt, um vor allem die Musik des Barock stilgetreu aufführen zu können.

    Hier begann auch eine Renaissance des Cembalobaus, den es erst zu erforschen galt. Zu Beginn des 20. Jh. wurde noch der Korpus eines Konzertflügels benutzt, um darin (nebst einem Klavier) ein Cembalo unterzubringen (z.B. das Cembalo von Wanda Landowska, 1879-1959). Die Restaurierung von alten, oft reich verzierten Instrumenten (das älteste erhaltene von 1521) brachte verschollenes Wissen wieder an die Oberfläche, und so können mittlerweile Cembali von annähernd gleicher Qualität gebaut werden wie historische Instrumente. Auch die Komponisten entdeckten im 20. Jh. das Cembalo neu und komponierten Werke für Cembalo, so etwa M. de Falla, F. Poulenc oder G. Ligeti.



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