Carl Ferdinand von Stumm-Halberg

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    deutscher Techniker; * 30. März 1836, † 8. März 1901

    Die Familie Stumm steht seit 1715 mit dem Eisenhüttengewerbe in engster Verbindung. Zuerst lag das Feld ihrer Tätigkeit im Hunsrück. 1806 erwarben die Gebrüder Stamm, Friedrich Philipp, Christian Philipp und Johann Ferdinand, das Neunkircher Eisenwerk und kamen so ins Saargebiet. Bereits 1806 hatte Friedrich Philipp Stumm neben dem Neunkircher Eisenwerk die Halberger Hütte und die Fischbacher Hütte erworben; seit 1828 war er zusammen mit seinem Sohn Hauptaktionär der Dillinger Hütte geworden, so dass er auch hier bestimmenden Einfluss hatte.

    Sein Sohn Carl Friedrich leitete die Werke der Familie bis zu seinem Tod 1848. Da Carl Ferdinand, Carl Friedrichs Sohn, damals erst 12 Jahre alt war, übernahm Carl Friedrichs Schwager, Carl Böcking, die Leitung des Hauses, bis 1858 Carl Ferdinand selbst an die Spitze der Eisenwerke trat, die er bis 1871 zusammen mit Carl Böcking - danach allein - führte. Besonders die Neunkircher Eisenwerke, der eigentliche Stammbesitz der Familie, haben ihm außerordentliche Fortschritte zu danken. Zunächst wurden die alten Walzwerke verbessert und erweitert, 1866 wurde ein neues Drahtwalzwerk in Betrieb genommen. 1870 begann der Bau einer eigenen Koksofenanlage, die das Werk von den staatlichen Kokslieferungen unabhängig machte. Stumm bemühte sich, alle Fertigungs- und Förderanlagen in seinem Werke so auszugestalten, dass die Eisenerzeugung mit einem Mindestaufwand von Kosten vor sich gehen konnte.

    Einen besonderen Aufschwung nahmen die Werke, nachdem die Engländer Thomas und Gilchrist 1878/79 das basische Bessemerverfahren erfunden hatten. Stumm sicherte sich die Patente und begann noch 1880 den Bau eines basischen Stahlwerkes; Ende 1881 wurde der erste Satz Thomasstahl erblasen. Für dieses Verfahren lieferten die lothringischen Eisenerzgruben ein ausgezeichnetes Material; Stumm sicherte sich infolgedessen umfangreiche Lieferungen in Lothringen und Luxemburg. Die Schweißeisenerzeugung, die in den achtziger Jahren noch einen großen Teil der Erzeugung ausgemacht hatte, wurde vollkommen durch Flussstahl und Flusseisen verdrängt. Auch Träger konnten nach der 1894 erfolgten Aufstellung eines neuen schweren Walzwerkes aus Flusseisen hergestellt werden.

    Außer den eigentlichen Hüttenwerkmaschinen legte Stumm den größten Wert darauf, die Förderanlagen innerhalb der Werke sowie die Verkehrsmittel zwischen Erzeugungsstellen, Weiterverarbeitungsstellen und Abnehmern auszugestalten, da er hierin eine Grundbedingung für die wirtschaftliche Ausgestaltung der Werke sah. Als Präsident der Aktiengesellschaft der Dillinger Hüttenwerke und als Haupteigentümer der Halberger Hütte hat er auch diesen Werken in der Zeit der Entwicklung zu neuzeitlichen Großbetrieben wertvolle Dienste geleistet.

    Neben seiner Tätigkeit als Techniker und Industrieller ist Stumm auch im politischen Leben stark hervorgetreten. Von 1867, mit einer achtjährigen Unterbrechung, bis zu seinem Tod gehörte er dem Deutschen Reichstag an; außerdem war er Mitglied des Preußischen Herrenhauses und seit 1890 des Preußischen Staatsrates. Im Wirtschaftsleben nahm er als Vorsitzender der Handelskammer Saarbrücken und verschiedener Verbände der Eisenindustrie eine hervorragende Stellung ein. Enge persönliche Freundschaft verband ihn mit Kaiser Wilhelm II.



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