Carl Dietrich Harries

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    deutscher Chemiker; * 5. August 1866, † 1923

    Harries war der Sohn eines Amtsrichters, der mit seiner Familie früh nach Berlin, Halberstadt und schließlich nach Jena versetzt wurde, wo Harries seine Jugend verlebte. 1886 ging er nach beendigtem Gymnasialstudium an die Universität Jena ohne eigentlichen Studienplan, wandte sich aber schließlich dem Studium der Chemie zu. Unter Leitung Tiemanns promovierte er 1889/90 mit einer Dissertation über den Salizylaldehyd und wurde August Wilhelm von Hofmanns Privatassistent. Nach Hofmanns Tod erhielt Harries in dessen Nachfolger Emil Fischer den dritten berühmten Lehrmeister. Im Winter 1896/97 habilitierte er sich und wurde 1900 Abteilungsvorsteher in dem neuen großen Institut von Emil Fischer. Eine öffentliche Anerkennung wurde ihm durch Ernennung zum Generalsekretär für die deutsche chemische Abteilung der Weltausstellung in St. Louis 1904 zuteil. Im selben Jahr wurde Harries außerordentlicher Professor und erhielt einen Ruf an die Universität Kiel, dem er Folge leistete.

    In Kiel befasste er sich mit Arbeiten über den Kautschuk, die ihn berühmt gemacht haben. Der Kautschuk hatte bis dahin allen Versuchen getrotzt, ihn durch Abbau seines großen Moleküles in besser bekannte kleine Moleküle zu zerlegen, die einen Rückschluss auf den Bau der Muttersubstanz erlaubten. Harries gelang dies durch die Darstellung und Aufspaltung des Kautschukozonids. Er hatte vorher entdeckt, dass das Ozon imstande ist, sich an organische Doppelbindungen anzulagern. Das so erhaltene Anlagerungsprodukt lässt sich dann leicht in kleinere Stücke zerlegen. Diese Bildung und Aufspaltung von Ozoniden organischer Verbindungen gehört seitdem als Harries'sche Reaktion zum Rüstzeug des organischen Chemikers. Gleichzeitig mit Fritz Hoffmann von den Elberfelder Farbwerken gelang Harries auch die Synthese des Kautschuks aus den verhältnismäßig leicht zugänglichen Kohlenwasserstoffen Isopren und Butadien. Die bahnbrechenden Arbeiten Harries fanden Anerkennung dadurch, dass ihm 1912 die Goldene Liebig-Gedenkmünze verliehen wurde.

    Er schlug den ihm angebotenen Lehrstuhl in Göttingen aus und übernahm 1916 die Leitung der wissenschaftlichen Abteilung des Siemenskonzerns. Er lehrte auch weiterhin als Honorarprofessor an der Technischen Hochschule Berlin und arbeitete an der Gummisynthese, über den Schellack und die Gewinnung von Fettsäuren durch Ozonisierung von Braunkohlenteerölen. Regen Anteil nahm er an den Arbeiten der Deutschen Chemischen Gesellschaft, deren Präsident er von 1919 bis 1923 war.



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