Bulgarien Geschichte

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    Frühzeit bis byzantinisches Reich

    Bereits vor circa 100 000 Jahren lebten Menschen auf dem heutigen bulgarischen Staatsgebiet. Bereits im Neolithikum wurde hier Landwirtschaft betrieben. Im Bronze-Zeitalter siedelten sich thrakische Stämme im Land an, die im 5. Jahrhundert ein eigenes Reich gründeten, das dann im Makedonischen Reich aufging. Die Römer brachten das Land im 2. Jahrhundert v.Chr. unter ihre Herrschaft und teilten es in Mösien nördlich und Thrakien südlich des Balkangebirges auf.

    Das erste Bulgarische Reich entstand im 7. Jahrhundert n.Chr. Bulgarenstämme unter der Führung von Khan Asparuch eroberten Gebiete südlich der Donau und gründeten ein eigenes Reich. Byzanz erkannte den Staat an, der bis ins 10. Jahrhundert existierte, und unter Boris I. wurde im 9. Jahrhundert sowohl das orthodoxe Christentum als auch die kyrillische Schrift eingeführt.

    Es folgten knapp zwei Jahrhunderte unter der Herrschaft des Byzantinischen Reichs, bis 1185 das Zweite Bulgarische Reich entstand und für eine Zeitlang zur führenden Territorialmacht auf dem Balkan wurde.

    Osmanisches Reich bis 19. Jahrhundert

    Demonstration in Bukarest (1848) zu Gunsten der Verfassung; zeitgenössische Darstellung

    Im 14. Jahrhundert geriet Bulgarien erst unter serbischen Einfluss, zerfiel in Teilreiche und wurde schließlich Teil des Osmanischen Reichs. Knapp 500 Jahre lang dauerte diese Phase, bis in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts bulgarische Freischärler den Russisch-Türkischen Krieg auslösten, der mit dem Frieden von San Stefano und dem Berliner Kongress die türkische Herrschaft beendete. Nordbulgarien mit Sofia wurde ein tributpflichtiges Fürstentum, Südbulgarien blieb als Südrumelien vorerst Teil des Osmanischen Reichs. Doch bereits wenige Jahre später, im Jahr 1885, vereinigte sich das Fürstentum Bulgarien mit Südrumelien und wurde 1908 unabhängiges Zarenreich. Mit russischer Unterstützung wurde 1912 ein Balkanbund mit Serbien, Griechenland und Montenegro geschlossen.

    Balkankriege bis 2. Weltkrieg

    Die beiden Balkankriege (1912/13) brachten erst Gebietsgewinne, dann Verluste: Bulgarien musste den Großteil Makedoniens an Griechenland und Serbien abgeben, ein Teil des Landes fiel an Rumänien, ein weiterer an das Osmanische Reich zurück. Diese territorialen Verluste bewogen Bulgarien zur Teilnahme am Ersten Weltkrieg auf der Seite der Mittelmächte. Doch auch die hier gemachten Gebietsgewinne der südlichen Dobrudscha mussten nach dem Krieg wieder abgegeben werden. Zudem ging mit dem Verlust Ostthrakiens an Griechenland der Zugang zur Ägäis verloren.

    Georgi Dimitrow

    Es folgte bis 1923 eine kurze Phase agrarreformerischer Politik unter dem ambitionierten Ministerpräsidenten Stamoliski, der jedoch ermordet wurde. Innenpolitischen Wirren folgten und 1935 übernahm Zar Boris III. die Macht. Durch den Wiener Schiedsspruch kamen 1940 verlorene Gebiete an das Land zurück. Im folgenden Jahr trat Bulgarien an der Seite der Achsenmächte gegen Jugoslawien und Griechenland in den Zweiten Weltkrieg ein und besetzte Thrakien und Makedonien. Die Wende kam mit der Kriegserklärung der Sowjetunion 1944, kurz danach folgte der Einmarsch sowjetischer Truppen. Die Macht in Bulgarien wurde von der Vaterländischen Front übernommen, Georgi Dimitrow wurde Regierungschef und Deutschland wurde der Krieg erklärt.

    Kommunistische Ära bis Gegenwart

    Aus den Wahlen im Jahr 1945 ging die kommunistisch geprägte Vaterländische Front mit großer Mehrheit hervor und 1946 wurde die Volksrepublik Bulgarien ausgerufen. Der Friedensvertrag von Paris bestätigte die Grenzen von 1940.

    Die Bulgarische Kommunistische Partei und die Sozialdemokratische Partei wurden vereinigt und nach dem ungeklärten Tod Dimitrows in Moskau im Jahr 1949 folgte erst W. Kolarow, dann W. Tscherwenkow als Präsidenten nach. Im Jahr 1954 wurde Todor Schiwkow erster Sekretär der BKP, die eng mit der Sowjetunion zusammenarbeitete. Entsprechend eng war die neue Verfassung von 1971 an das Vorbild UdSSR angelehnt. Todor Schiwkow wurde neben seiner Tätigkeit als Staatssekretär zusätzlich Vorsitzender des Staatsrats. Außenpolitisch kam es zur Annäherung an Jugoslawien. Gegenüber der Türkei, insbesondere in der Frage der Behandlung der türkischen Minderheit in Bulgarien, gab es tief greifende Meinungsverschiedenheiten. Diese führten in den 80er Jahren zu Kampagnen, in denen den Türken in Bulgarien bulgarische Namen aufgezwungen wurden, was zu schweren Unruhen und der Flucht von Hunderttausenden in die Türkei führte.

    Die Revolution in Osteuropa machte Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts auch vor Bulgarien nicht Halt. Schiwkow trat nach fast zwei Jahrzehnten als Vorsitzender des Staatsrats zurück und machte Platz für einen demokratisch orientierten Nachfolger: Petar Mladenow. Im Rahmen des Demokratisierungsprozesses wurden 1990 allgemeine und freie Wahlen zur Großen Volksversammlung abgehalten, an denen die aus der kommunistischen Partei hervorgegangene BSP unter Lukanow teilnahm und gewann. Stärkste Oppositionsparteien wurden die Bauernpartei und die UDK. Nach Unruhen bildeten UDK und BSP unter dem parteilosen Popow eine Koalitionsregierung, die im Oktober 1991 nach dem Sieg der UDK von der Regierung Dimitrow abgelöst wurde. Diese führte die Reformpolitik bis zu ihrem durch Misstrauensantrag verursachten Rücktritt 1992 weiter. In diesem Zeitraum wurde ein Landreformgesetz und eine neue Verfassung verabschiedet.

    Neue Massenauswanderungen der türkischstämmigen Bevölkerungsminderheit folgten unter der Regierung L. Berow und Renata Indschona. Auch diese Regierungen konnten die wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes nicht lösen. Im Dezember 1994 gewannen die Sozialisten die absolute Mehrheit und stellten mit Schan Widenow den Ministerpräsidenten, in dessen Amtszeit 1995 der Beitrittsantrag zur EU fiel. 1996 wurde P. Stoyanov von der UDK Nachfolger des bisherigen Präsidenten Schelew, doch auch er konnte eine weitere soziale und politische Zuspitzung der inneren Lage nicht verhindern. Hungersnöte im Winter 1996/97 führten u.a. zur Stürmung des Parlaments. Nach vorgezogenen Wahlen wurde 1997 ein Zusammenschluss mehrerer Parteien, die Vereinigten Demokratischen Kräfte, gewählt, die mit Ivan Kostow den neuen Ministerpräsidenten stellten. Die "Nationale Bewegung" von Ex-Monarch Simeon II. (Simeon Sakskoburggotski) gewann die Parlamentswahlen 2001; Simeon wurde neuer Ministerpräsident von Bulgarien. Bei den Parlamentswahlen 2005 erlitten die Konservativen eine Wahlniederlage und neuer Ministerpräsident ist seitdem Sergei Stanischew; Staatsoberhaupt ist seitdem der Präsident Georgi Parwanow.

    1999 erfolgte die Aufnahme Bulgariens in den Kreis der offiziellen EU-Beitrittskandidaten. Ende des Jahres kam es zu einer neuerlichen Regierungsumbildung durch den Ministerpräsidenten Ivan Kostow, der damit die Regierungsstrukturen angesichts der geplanten Aufnahmeverhandlungen mit der EU modernisieren wollte. Ende 2000 forderte Bulgarien die sofortige und bedingungslose Aufhebung der Visapflicht für seine Staatsbürger bei Reisen in die EU und eine bevorzugte Behandlung unter den südosteuropäischen Ländern, was zu Irritationen innerhalb der Europäischen Union führte.

    2001 vereinbarten Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Jugoslawien, Kroatien, Makedonien und Rumänien mit Wirkung zum Jahr 2003 eine Freihandelszone. 2004 erfolgte der Beitritt Bulgariens zur NATO. Seit 2007 ist Bulgarien Mitglied der Europäischen Union.



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