Buchmalerei

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    auch: Buchillumination, Miniaturmalerei (nach dem roten Farbstoff Minium);

    Bildschmuck einer Handschrift, Randillustrationen, verzierte Initialen oder ganzseitige Bilder, in der spätantiken und mittelalterlichen Kunst sowie in der Kunst des Islam und in der Ostasiens verbreitet.

    Zur Buchmalerei gehören Ornamente, Randillustrationen und ganzseitige Bilder. Initialen, Zeilenausgänge, Blattränder oder ganze Seiten werden verziert. Ganzseitige Bilder bzw. Initialen zieren häufig Kapitelanfänge oder es werden Bilderfolgen entwickelt.

    An Techniken hat die Buchmalerei die Federzeichnung, die aquarellierende Tönung, die Grisaille und die Deckfarbenmalerei hervorgebracht. Bei letzterer ist bis ins 14. Jh. ein Goldgrund charakteristisch. Die Federzeichnungen waren meist skizzenhaft; Deckfarbenbilder entstanden in einem vielschichtigen Arbeitsvorgang, unter Beteiligung mehrerer Maler, meist als Gemeinschaftsarbeit mittelalterlicher Klosterschreibstuben.

    Geschichte

    Die altägyptischen Totenbücher (auf Papyrusrollen oder Pergament gemalt) sind wohl die ältesten Zeugnisse dieser Kunst.

    Die europäische Buchmalerei des christlichen Mittelalters knüpft an die griechisch-römische Antike an und auch die byzantinische Kunst übte großen Einfluss aus.

    Bis ins 13. Jahrhundert wurde die Buchmalerei hauptsächlich in den Schreibstuben der Klöster, in den Scriptorien, ausgeübt. Von Byzanz bis Irland gab es in ganz Europa diese Werkstätten, deren Mönche Bücher aus Pergamentbogen fertigten. Handschriftliche Texte, die vor allem liturgischen Zwecken dienten, wurden mit ornamentalen oder figürlichen Miniaturen ausgeschmückt. Kunstvoll gestaltete Bibeln, Breviere, Gebet- und Messbücher, Evangeliare und Liederbücher entstanden.

    Die Buchmalerei der vorkarolingischen Zeit lässt sich in den so genannten insularen Stil, der im 7. und 8. Jh. auf den britischen Inseln blühte (z.B. Book of Kells, um 700 in Irland entstanden; heute in Dublin) und in den kontinentalen Stil unterteilen. Auf den Inseln dominierte die keltisch-germanische Flechtbandornamentik mit Spiralen und verschlungenen Vierfüßlern, auf dem Festland dagegen die orientalisierende Fisch-Vogel-Ornamentik, der merowingische Stil. Ab etwa dem 8. Jahrhundert begannen sich die beiden Stile miteinander zu vermischen, und ungefähr ab dem 9. Jahrhundert wurde dem Figürlichen immer mehr Beachtung geschenkt, architektonischer und landschaftlicher Hintergrund kamen hinzu.

    Die Buchmalerei des Mittelalters entwickelte sich zunehmend auf der Basis von Aufträgen der Kaiser und Bischöfe, was eine hohe künstlerische Ausprägung förderte. Für die Illuminierung v.a. liturgischer Texte entstanden bedeutende Malschulen, z.B. unter Karl dem Großen in Aachen, Metz, Tours und Reims.

    Die Malschulen in Trier-Echternach, Hildesheim, Regensburg, Salzburg, Fulda, Köln und auf der Insel Reichenau sind auf die sächsischen Kaiser (Ottonen) zurückzuführen. Auf der Reichenau entstand ein ganz eigenständiger Stil, im Gegensatz zu den antiken Vorbildern der karolingischen Mönche bzw. der keltisch-germanischen Ornamentalkunst. Die Reichenauer Buchmalerei verzichtet auf die räumliche Darstellung des Schauplatzes und lässt die Figuren expressiv in Beziehung zueinander treten (z.B. Bamberger Apokalypse). Das Ergebnis ist die Vernachlässigung der Realität zu Gunsten des geistigen Inhalts. Diese Art buchmalerischer Darstellungen blieb bis in die Romanik erhalten. Eine dann häufiger aufkommende Aufnahme byzantinischer Einflüsse (über Italien, Südwest-Deutschland) ist in allen europäischen Ländern zu verfolgen. Bei der Buchmalerei des 11. und 12. Jh.s nahmen die Abbildungen an Farbigkeit und Größe zu (z.B. "Anbetung der Könige" aus dem Antiphonar von St. Peter in Salzburg oder "Verkündigung an die Hirten" aus dem Perikopenbuch Heinrichs II.).

    Im Umkreis von Kaiser Friedrich II. erlebte die gotische Buchmalerei ihre Blütezeit um 1250. Zahlreiche profane Handschriften entstanden, wie etwa sein Buch über die Falknerei. Am Ende des 13. Jh.s sind die Stilelemente der Gotik in die Buchmalerei fast aller westeuropäischer Länder vorgedrungen. Das Hauptelement spielt dabei eine realistische Darstellungsweise, die Wiedergabe von Perspektive, Landschaft, Stofflichkeit sowie reale Proportionen von Körperfigur und Raum. In der Gotik kamen auch Handschriften mit weltlichen Themen vor (Große Heidelberger Liederhandschrift, frühes 14. Jh.). Die Höfe von Bourges, Dijon, Paris entwickelten sich um 1400 zu künstlerischen Hochburgen der Buchmalerei. Die Brüder von Limburg mit ihrem verfeinerten Stil, ihrer Realitätsnähe in der Darstellung von Landschaften und Bauten, wirkten auf die Tafelmalerei.

    Während die englische Buchmalerei ab dem 14. Jh. zunehmend verfiel, erlebte sie auf dem Kontinent einen erneuten Höhepunkt. Spätgotische Werke in höchster Vollendung entstanden in Frankreich, Deutschland, Ungarn, Spanien und Italien. Die flämischen Künstler (z.B. Jan van Eyck) schufen gegen Ende des 15. Jh.s bedeutende Buchwerke, in Deutschland ragte vor allem die Familie Glockendon aus Nürnberg hervor.

    Nach der Erfindung des Buchdrucks Mitte des 15. Jh.s versah man zwar teilweise die Texte noch mit Randzeichnungen (z.B. das Gebetbuch Kaiser Maximilians, an dessen Ausschmückung auch Dürer beteiligt war), doch war ab diesem Zeitpunkt die Buchmalerei zum Untergang verurteilt. Nur in Italien konnte sich die Buchmalerei neben dem gedruckten Buch etwas länger behaupten, da sie dort von reichen Auftraggebern gefördert wurde ("Florentiner Bibel"). Auf lange Sicht wurde die Buchmalerei von der Buchillustration abgelöst.



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