Boualem Sansal erhält Friedenspreis 2011
Aus WISSEN-digital.de
Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal wird Ende Oktober den renommierten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. Der Stiftungsrat begründete seine Entscheidung gestern mit Sansals herausragendem literarischen Einsatz für die "Begegnung der Kulturen in Respekt und wechselseitigem Verstehen".
Bevor er als Schriftsteller in Erscheinung trat, arbeitete Sansal als Generaldirektor im Ministerium für Industrie und Umstrukturierung für die algerische Regierung. Mit der Veröffentlichung seines ersten Romans "Der Schwur des Barbaren" 1999, in dem er sich kritisch mit dem nationalen Bürgerkrieg auseinandersetzte, nahm seine Karriere jedoch ein abruptes Ende. Er wurde bis auf weiteres beurlaubt und bald darauf entlassen.
Seit 2006, als er sich mit "Postlagernd: Algier. Zorniger und hoffnungsvoller Brief an meine Landsleute" an die Öffentlichkeit wandte, um zu Demokratie und gegen jegliche Form von ideologischer Verblendung und Unterdrückung aufzurufen, stehen sämtliche Werke des Schriftstellers in Algerien auf dem Index. Trotzdem ist Boualem Sansal seiner Heimat treu geblieben.
"Mit der diesjährigen Wahl des Friedenspreisträgers will der Börsenverein ein Zeichen setzen für die Demokratiebewegung in Nordafrika", so der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Dr. Honnefelder. Für seine Wahl darf Sansal also sicher auch der politischen Brisanz seiner Heimat danken, und doch taugt er nicht uneingeschränkt zur Symbolfigur eines literarischen arabischen Frühlings.
In einem in der WELT veröffentlichten Artikel des Schriftstellers zu den aktuellen Geschehnissen in Nordafrika äußert er seine Bedenken: "Meine persönliche Einschätzung ist, dass sich kurz- und mittelfristig gar nichts ändern wird außer einigen Korrekturen an der Fassade. Denn in der ganzen arabischen Welt hat sich bisher noch niemand vom traditionellen Diskurs gelöst und die Autonomie des eigenen Landes und die Vorherrschaft der Demokratie beschworen." Ebenso kritisch sieht er den Militär-Einsatz der westlichen Länder und vermutet dahinter mehr die Image-Kampagne eines schuldbewussten ehemaligen Regime-Helfers denn echtes Engagement.
Die Verleihung des mit 25.000 Euro dotierten Friedenspreises findet am 16. Oktober zum Ende der Frankfurter Buchmesse statt.
Boualem Sansals Werke liegen beinahe vollständig in der deutschen Übersetzung im Merlin-Verlag vor. Das deutsche Interesse erregte vor allem sein jüngstes Buch "Das Dorf des Deutschen" (2009): Sansal zieht darin eine Parallele zwischen Nazis und radikalen Islamisten.
Copyright Bild: Simone Hainz / pixelio.de
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