Blauer Reiter

    Aus WISSEN-digital.de

    »Der Turm der blauen Pferde«; Gemälde von Franz Marc

    Den zweiten Mittelpunkt des deutschen Expressionismus neben der "Brücke" in Dresden bildete in Süddeutschland der "Blaue Reiter". Die Ablehnung von Kandinskys Gemälde "Komposition 5" durch die Ausstellungsjury der "Neuen Künstlervereinigung München" führte 1911 zum Austritt von Wassily Kandinsky, Franz Marc, Gabriele Münter und Alfred Kubin aus der Künstlervereinigung. In der Galerie Thannhauser in München organisierten sie eine eigene Ausstellung, die zu einem der bedeutendsten Kunstereignisse in München werden sollte.

    Der Name stammt von einem Bild Kandinskys, das von ihm und Franz Marc für den Umschlag des 1912 erschienenen Almanachs "Der Blaue Reiter" ausgewählt worden war. In der Folge wurde er für die Künstlergemeinschaft selbst verwendet. Im "Blauen Reiter" wurden neben Arbeiten und theoretischen Äußerungen der Gruppenmitglieder auch Volks- und Kinderkunst, Ethnografisches, naive Malerei und Schriften zur Musik veröffentlicht.

    »Seiltänzer« (1914); August Macke

    Die Gruppe bildete keine organisierte Vereinigung, sondern war vielmehr eine Ausstellungsgemeinschaft, zu der auch Künstler benachbarter Länder eingeladen wurden. Zu dem Kreis um den "Blauen Reiter" zählten unter anderem Alexej von Jawlensky, August Macke, Heinrich Campendonk und Marianne von Werefkin. 1912 stieß auch Paul Klee zu der Gruppe.

    Stilistische Geschlossenheit stand bei den Künstlern des "Blauen Reiters" nicht im Vordergrund, jeder wahrte seine künstlerische Eigenart. Gemeinsam war ihnen jedoch das Gefühl für leidenschaftliche Farben und expressive Formen. Anders als die Maler der "Brücke", die gegenständlich malten, gingen einige Maler des "Blauen Reiters" einen Schritt weiter in Richtung Abstraktion, um den emotionalen und geistigen Gehalt ihrer Gemälde zu verstärken. Die Maler bedienten sich alter Techniken wie Holzschnitt, Lithografie und Aquarell und versuchten die Grenzen der ästhetischen Tradition zu überschreiten. Ihre Motive entnahmen sie bevorzugt der Voralpenlandschaft um die Stadt Murnau, wo Kandinsky zeitweise mit Gabriele Münter zusammen lebte.

    Obwohl die Gruppe beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges aufgelöst wurde, wirkten ihre Ideen fort und beeinflussten neben dem Bauhaus, dem Kandinsky und Klee angehörten, verschiedene Bereiche der abstrakten Kunst.



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