Bionik

    Aus WISSEN-digital.de

    (englisch; Kunstwort aus biology und electronics)

    Der Begriff Bionik wurde 1958 von J. E. Steele geprägt. Für ihn stand das Lernen der Technik von der Natur im Vordergrund.

    Heute hat sich das Feld einmal in die technische Biologie und zum anderen in die Bionik aufgespalten. Erstere untersucht den Funktionszusammenhang zwischen Formen und Strukturen bei lebenden Organismen. Dagegen beschäftigt sich die Bionik mit der Übertragung von Verfahren, Konstruktions- und Verfahrensprinzipien aus der Natur auf die technische Anwendung, wobei identisches Kopieren nicht möglich ist. Der Begriff der Biotechnik, der in diesem Zusammenhang oft fällt, wird inzwischen mit Inhalten aus der Molekularbiologie, Biochemie und auch der Gentechnik in Verbindung gebracht.

    Die Bionik wurde von W. Nachtigall 1992 in zwölf Teilgebiete gegliedert, die vielfach ineinander greifen und auch mit den Ingenieurwissenschaften und der Physik verbunden sind:

    1. Historische Bionik; 2. Strukturbionik; 3. Baubionik; 4. Klima- und Energiebionik; 5. Konstruktionsbionik; 6. Bewegungsbionik; 7. Gerätebionik; 8. Anthropobionik; 9. Sensorbionik; 10. Neurobionik; 11. Verfahrensbionik; 12. Evolutionsbionik.

    Die Vielzahl der in diesen Bereichen gemachten Entdeckungen und Entwicklungen sind hier nicht aufzählbar. Jeder weiß jedoch, dass z.B. das Flugzeug nach der Form der Vögel gebaut worden ist. Auch Oberflächenformen sind solchen in der in der Natur vorkommenden Formen nachempfunden. Eine spektakuläre "Erfindung" war hier die Umsetzung der Oberflächenstruktur des Lotosblattes in Oberflächenbeschichtungen. Dadurch kann neben der Nichthaftung von Lacken (z.B. von Spray an Hauswänden) auch normaler Schmutz nicht mehr haften bleiben. In der Bautechnik hat man nicht nur den stabilen Wabenbau der Biene abgeschaut, sondern auch die Wärmedämmung und Belüftung von Bauten der Präriehunde und der Termiten. Auch Linsen, Düsen, Folien und Außenformen von Schiffen wurden der Natur nachempfunden.

    Das "Wissen", das die Natur im Laufe von Millionen Jahren aufgebaut hat, ist vor allem durch Mutation, Rekombination, Selektion und Anpassung entstanden und beinhaltet für die Technik sicherlich noch zahlreiche Möglichkeiten. Der Mensch lebte schon immer in Abhängigkeit von der Natur, von der er sich im Laufe der Evolution einige Verfahren und Techniken zu Nutze machte. Doch erst in der frühen Antike mit dem Entstehen der Hochkulturen begannen die Menschen wissentlich die Natur zu kopieren. Als wirklicher Begründer der technischen Biologie und Bionik gilt Leonardo da Vinci, der z.B. die Formveränderung von Vogelflügeln während des Fluges analysierte. Jedoch konnte sich erst Anfang des 20. Jahrhunderts unser bekanntes Flugzeug durch starre Flügel in den Himmel heben.



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