Barock (Literatur)

    Aus WISSEN-digital.de

    Frankreich

    Andreas Gryphius; Porträt

    Der Barock war das Zeitalter, in dem der französische Absolutismus mit seiner höfischen Kultur großen Einfluss in Europa ausübte. Die französische Literatur wurde maßgeblich beeinflusst von der Gründung der Académie française 1635. Diese trug zur Vereinheitlichung der Literatur bei, indem sie die Wahrscheinlichkeit der Handlung (vraisemblance) und die Einhaltung der drei Einheiten (der Zeit, des Ortes und der Handlung) forderte. Der Pariser Salon der Mademoiselle de Scudéry förderte ebenfalls die Normierung der Literatur. Zur moralistischen Literatur zählt man jene Schriftsteller (unter anderem J. de la Bruyère), die als Kritiker der Salongesellschaft gelten.

    Als wichtigste Vertreter der Tragödie gelten P. Corneille und J. Racine, bedeutendster Verfasser von Komödien ist Molière. Daneben entstanden Romane (Schäferroman, Reiseroman und psychologischer Roman), die zur Unterhaltung dienten. Der Streit der Gelehrten um die Gleichwertigkeit der zeitgenössischen Literatur mit der antiken ("Querelle des anciens et des modernes", 1687) markierte den Übergang zum Zeitalter der Aufklärung.

    Deutschland

    In Deutschland führte die Gründung von Sprachgesellschaften zu einer Ablösung der lateinischen Sprache in der Literatur - einschließlich der wissenschaftlichen und philosophischen - durch die deutsche Volkssprache. M. Opitz leistete hierzu mit seinem "Buch von der Deutschen poeterey" von 1624 seinen literaturtheoretischen Beitrag. In der Lyrik entstanden verschiedene Gedichtformen: der Petrarkismus mit P. Fleming, die barocke Jenseitssehnsucht implizierende Dichtung mit A. Gryphius, das protestantische Kirchenlied mit P. Gerhardt und die katholische Lyrik mit A. Silesius und A. a Sancta Clara. Ein vollendetes Zeitbild des Barock bietet C.V. Grimmelshausens Roman "Simplicissimus" von 1669.

    Italien

    Die kirchliche Zensur dämpfte im 17. Jh. in Italien die Produktion großer Literatur und die italienische Literatur verlor dadurch ihren hohen Stellenwert in Europa. Im Bereich der Lyrik schuf der Dichter G. Marino mit seinen metapherreichen Barockgedichten den Stil des Marinismus. 1680 wurde in Rom die Accademia dell'Arcadia gegründet. Sie leitete über von der Literatur des Barock zur Literatur des Rokoko.

    England

    In England begann das barocke Zeitalter mit dem Theaterverbot 1642 durch die Puritaner, das die Nachfolge von Shakespeares Renaissancedramen abschloss. Stattdessen blühte in der englischen Literatur die metaphysische Dichtung auf, die Weltflucht und Hinwendung zu Gott beinhaltete. Als Hauptwerk der puritanischen Literatur gilt der Blankversepos "Das verlorene Paradies" von 1667 des Schriftstellers J. Milton. Das Theater wurde wiederbelebt durch heroischen Stücke und Sittenstücke von J. Dryden. In der zweiten Hälfte des 17. Jh.s machte sich der Einfluss der französischen Klassik auf die englische Literatur bemerkbar.

    Spanien

    In der spanischen Literatur schufen die Dramatiker R. de Alarcón und T. de Molina Anfang des 17. Jh.s das typische spanische Theater, die comedia, das Auto sacramental und das komische Zwischenspiel (Entremés). Die größten spanischen Dramatiker des 17. Jh.s waren L. de Vega und P. Calderón de la Barca. Der Autor M. de Cervantes Saavedra schuf als Hauptwerk des spanischen Romanes in dieser Epoche den eigentlich als Parodie auf die beliebten Ritterromane gedachten Roman "Don Quijote", der für ganz Europa vorbildlich wurde. Daneben markierte er mit seinen "Novelas ejemplares" den Beginn der eigenständigen spanischen Novelle.



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