Babylonien

    Aus WISSEN-digital.de

    Einleitung

    Oberer Abschluss der Gesetzesstele von Hammurabi; 18./17. Jh. v.Chr.

    Babylonien ist die griechische Bezeichnung für das waldlose Steppenland in Mittel- und Südmesopotamien, im heutigen Irak gelegen, zwischen armenischem Tauros, syrischer und arabischer Steppe, Wüste und Persischem Golf, durchflossen von Euphrat und Tigris (daher der Name Zweistromland).

    Babylonien war Vermittler des Handels zwischen Indien und den Mittelmeerländern und bildete den Mittelpunkt des Levantehandels. Dort und von dort gingen zahlreiche Staaten- und Reichsgründungen aus, die zeitweise bis nach Indien, zum Schwarzen Meer, zum Mittelmeer und zum Nil übergriffen. Im Altertum war Babylonien durch jährliche Schlammablagerungen sehr fruchtbar, weshalb es schon vor 3599 v.Chr. Damm- und Kanalbauten gab. Babylonien war Einfallsland für zahlreiche Nachbarvölker, besonders aus den Wüsten.

    Benannt wurde es nach Babylon (Babilu, Babel), dem Kultur- und Kultzentrum Vorderasiens am Euphrat (die Babylonier nannten ihr Land Sumer und Akkad).

    Die Obeid-Kultur

    In Babylonien gab es bereits im 7. Jt. v.Chr. bäuerliche Kulturen mit Getreideanbau, Haustieren und Rechteckhäusern (Fundstätte Qualat Jarmo); seit dem 5. Jt. v.Chr. kann man bemalte Keramik (Teil Hassuna), um Heiligtümer gescharte Siedlungen dörflichen oder stadtähnlichen Charakters nachweisen; seit etwa 3600 v.Chr. herrscht die vorsumerische steinzeitliche Kultur von Obeid (nach dem Hügel el-Obed bei Ur) vor, wo der Metallguss und die Töpferscheibe aufkamen; erste Rechtecktempel aus Ziegeln und Siegelstempel.

    Die Uruk-Kultur

    Abgelöst wurde diese Kultur durch die Uruk-Kultur, deren Träger bereits eine bedeutende zivilisatorische Macht darstellten. Die Menschen dieser Kultur waren entweder die Sumerer, oder sie waren aus dem Iran eingewandert, verschmolzen mit semitischen Nomaden aus den Wüsten. Sie schufen gemeinsam die erste Stadtkultur im südlichen Mesopotamien.

    Sumerer und Akkadier

    Dieses frühbabylonische Reich zerfiel und wurde um 3100 v.Chr. von den Sumerern neu errichtet, die die zivilisatorischen Errungenschaften der Uruk-Periode neu belebten und in schöpferischer Kraft die eigentliche sumerische Hochkultur begründeten. Seit etwa 3000 v.Chr. entstanden theokratische Stadtstaaten der Sumerer in Südbabylonien, um 3000 v.Chr. erfolgte die Erfindung der Keilschrift mit Silben und Wortzeichen zunächst als Handelsschrift, nach 2600 v.Chr. auch in Königsinschriften und nach 2000 v.Chr. schon in literarischen Texten (Hymnen, Klagelieder, Beschwörungen). Es wurden Kultstatuen und Bildreliefs gefertigt. Sumerische Tempelbauten entstanden schon um 3000 v.Chr. (Hochtempel auf künstlichen Terrassen, Tempelmosaike), die erste Urkunde um 2600 v.Chr.

    Um diese Zeit drangen semitisch-akkadischer Nomaden aus der arabischen Wüste in den Norden des Landes ein, das Akkad genannt wurde.

    Die wichtigsten Städte in Sumer waren Eridu, Ur, Larsa, Lagasch, Umma, Uruk, Schuruppak, Isis und Nippur, die zum Teil unter Oberkönigen zu Stadtgemeinschaften verbunden waren. In Akkad bedeutend waren Barsig, Babylon, Kisch, Sippar, Kuscha und Opis.

    Durch die Zusammenfassung der Lokalgötter bildete sich eine sumerisch-akkadische Mischreligion. Um 2700 v.Chr. lebte und regierte der sagenhafte König Gilgamesch von Uruk; seit 2500 v.Chr. sind sämtliche Könige von Ur namentlich nachweisbar (1. Dynastie mit Königsgräbern und Königsinschriften).

    Die sumerisch-akkadische Reichsgründung zwischen Persischem Golf und Mittelmeer erfolgte durch die semitischen Könige Sargon (um 2370 v.Chr.) und Naramsin (um 2310 v.Chr.) von Akkad, die auch Sumer, Elam, Assur und Teile Kleinasiens unterwarfen. Um 2200-2100 v.Chr. kam es zur Fremdherrschaft der Gutäer aus Nordbabylon, der jedoch eine Wiedererrichtung des sumerischen Reiches folgte (um 2100 v.Chr. durch König von Uruk). Unter Gudea (um 2100 v.Chr.), Schulgi (um 2070 v.Chr.) und ihren Nachfolgern war die Zeit der Hochblüte.

    Um 2000 v.Chr. brachen die semitischen Kanaanäer ein (Kleinstaaten Jsin, Larsa, Mari, Eschrunna u.a.) und um 1800 v.Chr. verschwand das sumerische Volkstum - seine Kultur aber wirkte noch lange nach: Sumerisch blieb als Kultsprache erhalten, die Schrift wurde von Nachfolgevölkern übernommen und wirkte auch auf die ägyptische Hieroglyphenschrift ein, Mythen wurden weiterentwickelt, die Nachwirkungen des Tier- und Dämonenglaubens sind bis ins Mittelalter nachweisbar, das sexagesimales Zahlensystem ist noch heute in Stunden- und Kreiseinteilung lebendig und astrologische und astronomische Vorstellungen befruchteten die babylonische Kultastronomie.

    Hammurabi

    Um 1890 v.Chr. wurde die Dynastie von Babylon begründet, Hammurabi wurde um 1770 v.Chr. Herr Babylons und des babylonischen Reiches, dessen Mittelpunkte Babylon wurde. Hammurabi erhob den Stadtgott Marduk zum Reichsgott, der König selbst war Mittler zwischen diesem und den Menschen. Die Rechtskodifizierung knüpfte an das sumerische Recht an (Staats-, Wirtschafts-, Familienrecht), gliederte die Gesellschaft auf in Freie, Halbfreie und Sklaven, Richter wurden Berufsbeamte, das Recht der Berufung an den König wurde eingeführt, die Keilschrift wurde offizielle Staatsschrift, das Akkadische Verwaltungssprache, Tempel und Palastbauten (Babylonischer Turm) entstanden. Nach dem Tod Hammurabis kam es zum Fall Südbabylons und Assurs und zur allmählichen Zerbröckelung des Reiches, das schließlich von den Hethitern vernichtet wurde (um 1595 v.Chr.). Außerdem drangen die Kassiten (Kossäer) in das ehemalige Reich ein; sie waren durch Pferd und Streitwagen überlegen und wurden erst um 1160 v.Chr. verdrängt wurden. Die einfallenden Aramäer unterwarfen sich einen Großteil Babylons.

    Babylon unter assyrischem Einfluss

    Seit 850 v.Chr. wirkte Assyrien auf Babylonien ein, das aber eine gewisse Selbstständigkeit behauptete. Unter Tiglat Pilesar III. (745-727 v.Chr.), dem Begründer des Neuassyrischen Weltreiches, schloss sich Babylon an Assyrien an. 689 v.Chr. kam es zur Zerstörung Babylons durch Sanherib von Assyrien. Es folgte der Wiederaufbau durch Asarhaddon und unter Assurbanipal (669-630 v.Chr.) wurde Babylonien assyrische Provinz. 626 v.Chr. riss Nabopolassar, Herrscher des seit etwa 850 v.Chr. in Südbabylonien entstandenen semitisch-aramäischen Chaldäerstaates, die Herrschaft über Babylon an sich.

    Nebukadnezar

    Im Bunde mit den Medern gelang es dem Kronprinzen Nebukadnezar, ganz Babylon und das übrige Assyrerreich unter chaldäische Herrschaft zu bringen; unter seinem Nachfolger Nebukadnezar II. (604-562 v.Chr.) umfasste das "Neubabylonische Reich" Babylonien, Assyrien, Syrien und Palästina (Zerstörung Jerusalems 587 v.Chr. und Deportation der Juden [Babylonische Gefangenschaft]). Nebukadnezars Vorbild war der große Hammurabi. Unter ihm kam es zur Blüte der chaldäischen Sternkunde und Astralreligion, zum Bau des neuen Palastes, des neuen Marduktempels und des Ischtartores.

    Die Perser

    Unter Nebukadnezars Nachfolgern kam es immer wieder zu Kämpfen mit der Marduk-Priesterschaft und gegen die vordringenden Perser, die seit 550 v.Chr. im Osten eine Großmacht errichtet hatten, 539 v.Chr. eroberte der Perserkönig Kyros II. Babylon - Babylonien war bis in die Alexanderzeit Provinz des Reiches der Perser.



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