Aristotelismus

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    Als Aristotelismus bezeichnet man die Weiterführung der Lehren des Aristoteles (380-321 v.Chr.). Der geistige Erbe Platons stand an der Schwelle zum Hellenismus. Er hielt als erster große Zyklen wissenschaftlich-philosophischer Schulvorträge über alle Probleme der Natur von Physik bis Zoologie und Botanik und über alle Probleme des Menschen, von allgemeiner Ethik bis zu Rhetorik und Poetik. Insbesondere ist er der Schöpfer der Logik, der Wissenschaft von den menschlichen Denk- und Beweisformen. Von größter Bedeutung ist Aristoteles' logisches Prinzip des "Tertium non datur" - ein Drittes gibt es nicht. Dieses Prinzip bot sich für die mittelalterlichen Scholastiker zur Untermauerung ihres dualistischen Weltbildes geradezu an.

    Im Zeitalter des Investiturstreites erwachte das Bedürfnis, die christlichen Lehren rational durchzuarbeiten, um ihr Verständnis zu festigen und zu vertiefen. Anselm von Canterbury (1033-1109) hob den Rang der Vernunft auf eine theologische Stufe: Die Vernunft wurde dem Menschen vom Schöpfer eingehaucht, sodass es bei richtigem Vorgehen unmöglich ist, dem Schöpfer zu widersprechen. Er regte ebenso wie später Peter Abaelard zu methodischer philosophischer Untermauerung der Glaubenslehre an.

    Um 1150-1250 wurden Schriften des Aristoteles sowie der führenden arabischen und jüdischen Philosophen bekannt. Die Hochscholastik des 13. und beginnenden 14. Jahrhunderts entwickelte sich an der Aufgabe, das hier vorliegende außerchristliche Wissen und Denken mit dem christlichen Glauben in Einklang zu bringen. Die ältere Franziskanerschule baute das aristotelische Gedankengut in eine platonisch-augustinische Theologie ein, sah aber unvereinbare Gegensätze zwischen außerchristlichem und christlichem Wissen.

    Ihr Meister Bonaventura (Johannes Fidanza aus der Toscana, 1221-1274) lehrte in Paris zugleich mit dem dominikanischen Meister Thomas von Aquin (aus neapolitanischem Hochadel, 1225/26-1274), der als Schüler des deutschen Theologen und Polyhistors Albertus Magnus (Graf von Bollstädt, gestorben 1280) den eigentlichen Aristotelismus ausbildete: Natur und Übernatur oder Mensch und Gott oder Vernunft und Offenbarung sind zwar zweierlei, aber das Niedere ist organisch auf das Höhere hin geordnet und bildet philosophisch seinen Unterbau; d.h. das aristotelische Wissen ist so auszulegen, dass es die christliche Glaubenslehre fundiert. In seiner "Summa Theologica" führt Thomas diese Harmonisierung in universalem, vergeistigtem System durch.



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