Afghanistan Geschichte

    Aus WISSEN-digital.de

    Frühzeit und Mittelalter

    Vor etwa 4000 Jahren ließen sich Indo-Arier in der afghanischen Region nieder, die ab dem 6. Jahrhundert v.Chr zum Perserreich der Achämeniden zählte. 329 eroberte Alexander der Große die Region. Wenige Jahrzehnte nach dem Beginn der christlichen Zeitrechnung wanderten aus China die buddhistischen Kushana ein und brachten einen Teil des heutigen Afghanistan unter ihre Herrschaft, indem sie das Reich der Kuschan begründeten. Ab Mitte des 5. Jahrhunderts n.Chr. herrschten die persischen Sassaniden. Mitte des 7. Jahrhunderts mussten sie sich den Angriffen der Araber ergeben, die das Land rasch islamisierten und bis zum Indus vordrangen.

    Erst nach dreihundert Jahren gelang es dem muslimischen Sultan Mahmud von Ghazni, wieder ein eigenständiges Reich zu gründen: das Reich der Ghasnawiden. Der Westen ging im 11. Jahrhundert an die Seldschuken, der Süden im 12. Jahrhundert an die Ghuriden verloren. In den nächsten 300 Jahren gehörte Afghanistan verschiedenen mongolischen Reichen an. Der Westen wurde ab dem 16. Jahrhundert von persischen Safawiden beherrscht, der Osten wurde von Persien und dem Mogulreich gleichermaßen beansprucht, der Norden wurde von usbekischen Schaibaniden beherrscht.

    Das 18. Jahrhundert

    Am Anfang des 18. Jahrhunderts erhoben sich afghanische Stämme gegen die Safawiden. 1747 übernahm Ahmed Schah Durrani das unabhängige afgahnische Emirat und begründet damit die afghanische nationale Geschichte. Die Durrani-Dynastie blieb bis ins 20. Jahrhundert hinein an der Macht. Von Kandahar aus, später von Kabul, bildete das Emirat bis 1810 ein einheitliches Staatsgebilde. Dann zerfiel es mit dem Tod von Mahmud Schah in einzelne Khanate und wurde im 19. Jahrhundert zum Streitobjekt zwischen Russland, das einen direkten Zugang zum Meer suchte, und Großbritannien, das seine Besitzung in Indien erweitern wollte. Bereits im späten 18. Jahrhundert hatten sich Belutschistan und Sind selbstständig gemacht, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gingen Kaschmir und das Pandschab verloren.

    Unabhängigkeit in der Kolonialzeit

    Im Jahr 1842 nahm der neue Herrscher Dost Mohammed Khan den Titel des Emirs von Kabul an. Die Konfrontation zwischen den beiden Hegemonialmächten Russland und Großbritannien stellte eine ambivalente Situation dar: Einerseits bedeutete es immer wieder Kriege auf afghanischem Territorium, andererseits verhinderte der Konflikt, dass Afghanistan im 19. Jahrhundert von einem der Länder eingenommen werden konnte.

    In zwei Kriegen gegen Afghanistan versuchten die Briten 1839-42 und 1878-79 vergeblich, ihre Vorherrschaft festzuschreiben. Militärische Gesichtspunkte legten Ende des 19. Jahrhunderts die Grenzen zwischen Pakistan und Afghanistan fest, die ungefähr den heutigen entsprechen und die nach wie vor umstritten sind. Als Großbritannien in einem dritten Krieg eine Entscheidung suchte, konnten sich die Afghanen unter dem späteren König Emir Amanullah behaupten und errangen 1921 die volle Unabhängigkeit. Innere Reformen und wirtschaftliche und kulturelle Bemühungen des neuen Königs wurden aber bereits Ende der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts von religiösen Fanatikern für einige Jahre unterbunden, bis 1932 eine behutsame Fortsetzung der Reformbemühungen unter Nadir Schah und seinen Nachkommen in Gang gesetzt wurden.

    1953 bis 1979

    1953 wurde ein Verwandter des Sohnes von Nadir Schah neuer Regierungschef Afghanistans. Diktatorisch regierend gelang ihm in den folgenden zehn Jahren eine weitere Modernisierung des Landes zwischen den weltpolitischen Blöcken USA und Sowjetunion. 1963 verstärkten sich die demokratischen Bemühungen durch die Neubesetzung des Regierungschefs, der erstmals nicht der königlichen Familie angehörte. 1964 rief König Sahir Schah eine neue Verfassung aus, die den Königsmitgliedern jegliches politisches Mitspracherecht versagte, und 1965 wurde ein Parlament in freien Wahlen gewählt.

    Nach politischen Unruhen putschte 1973 das Militär unter Führung von Mohammed Daud Khan (der von 1953-63 Premierminister des Landes gewesen war). Daud Khan errichtete ein autoritär geführtes Regime und erklärte Afghanistan zur Republik. Fünf Jahre später verlor er bei einem Putschversuch sein Leben. Als Führer eines Revolutionsrates übernahm Nur Mohammed Taraki die Macht, setzte die Verfassung außer Kraft und ging mit großer Brutalität gegen jegliche Opposition vor. Zugleich führte er eine Bodenreform durch und unterzeichnete einen Freundschaftsvertrag mit der Sowjetunion. In den Bergregionen Afghanistans bildeten sich Gruppen von muslimischen Widerstandskämpfern, die sich "Streiter Gottes", Mujahedin nannten. Taraki ließ daraufhin zahlreiche Bergdörfer bombardieren.

    Intervention der Sowjetunion

    1979 wurde Taraki von seinem Außenminister Hafisollah Amin gestürzt, dessen prowestlicher Kurs dazu führte, dass Ende Dezember 1979 sowjetische Truppen einmarschierten und Hafisollah Amin töteten. Als neues Staatsoberhaupt wurde der Kommunist Babrak Karmal eingesetzt.

    In den folgenden Jahren flohen Millionen von Menschen über die Berge in den Iran und nach Pakistan. Die Mudschaheddin, die vom Westen unterstützt wurden, leisteten den sowjetischen Truppen erbitterten Widerstand, schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen kamen im Bürgerkrieg um, 1,7 Millionen wurden durch Minen verletzt. Auch unter Karmals Nachfolger, Mohammed Nadschibullah (ab 1986), gingen die Auseinandersetzungen weiter. Knapp zehn Jahre nach der Intervention, Anfang 1989, verließen die letzten sowjetischen Truppen Afghanistan, doch die Kämpfe zwischen den Mudschaheddin und den Regierungstruppen hielten unvermindert an.

    Die Taliban

    Im April 1992 gelang es den Mudschaheddin-Verbänden unter Ahmed Schah Massud, in Kabul einzumarschieren und die kommunistische Regierung von Nadschibullah zu stürzen. Der Bürgerkrieg wurde für beendet erklärt. Eine Übergangsregierung aus Fundamentalisten, Gemäßigten und Traditionalisten führte die islamische Rechtsprechung ein.

    Nachdem der gemeinsame Feind überwunden war, brach die in sich uneinheitliche Mudschaheddin-Bewegung in kleinere Gruppierungen auseinander, die sich gegenseitig bekämpften. 1994 griffen die radikal-muslimischen Taliban-Milizen in die Auseinandersetzungen ein. Sie kontrollierten 1996 zwei Drittel Afghanistans sowie Kabul und begannen, einen streng islamischen Staat in den von ihnen kontrollierten Regionen zu errichten. Gemäß der Scharia, dem islamischen Sittengesetz, wurde ein Arbeits- und Ausbildungsverbot für Mädchen und Frauen erlassen (1997).

    Im Oktober 1997 riefen die Taliban das Islamische Emirat Afghanistan aus. Eine mögliche Ausweitung des inneren Konflikts wurde 1998 durch UN-Vermittlung verhindert. Als 1999 der in Afghanistan lebende Multimillionär Osama Bin Laden in einem Interview die Beteiligung an einen Bombenanschlag auf die US-Botschaft in Nairobi zugab, bei der 253 Menschen getötet und über 5 000 verletzt wurden, verhängten die USA Sanktionen gegen das Land, wenige Monate später folgten Sanktionen der UN, kurz darauf stellte nach eigenem Bekunden auch Pakistan die finanzielle und militärische Unterstützung der Taliban ein. Auch mit Russland, das der afghanischen Regierung vorwarf, die Rebellen in Tschetschenien militärisch zu unterstützen, geriet das Land in Konflikt.

    Zu Beginn des neuen Jahrtausends war die Taliban-Regierung, die etwa 90 % der Staatsfläche kontrollierte, außer von Pakistan, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten von keinem Staat der Erde anerkannt. Angebote über Verhandlungen, die von der afghanischen Exil-Regierung in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe gemacht wurden, lehnte die Taliban-Regierung strikt ab. Um die schlechte Lage der Zivilbevölkerung zu verbessern, die zusätzlich von den Folgen der schwersten Dürre seit 30 Jahren betroffen war, wurden umfangreiche Nahrungsmittel-Lieferungen ins Land gebracht. Anfang 2001 ließ die Taliban-Regierung monumentale Buddhastatuen in Bamian sprengen, um das islamische Postulat der Bildlosigkeit der Gottesdarstellung zu bestärken. Diese Aktion stieß auf weltweite Empörung.

    Nach einer Reihe von Attentaten auf die USA am 11. September 2001 (unter anderem Zerstörung des World Trade Centers mit Tausenden von Todesopfern) forderte die US-Regierung die Taliban erneut auf, den als Drahtzieher verdächtigten Osama Bin Laden auszuliefern. Die Taliban-Regierung erklärte jedoch, Bin Laden sei für sie außer Reichweite. Daraufhin griffen die USA und ihre NATO-Verbündeten Afghanistan im Oktober 2001 an. Nach der Vertreibung der Taliban-Regierung aus Kabul und Kandahar wurde im Dezember 2001 eine Übergangsregierung vereidigt, außerdem wurde eine internationale Friedenstruppe stationiert. Im Juni 2002 wurde Übergangspremier Hamid Karzai zum Interims-Präsidenten ernannt; seine Regierung soll demokratische Wahlen vorbereiten. Im Januar 2004 wurde von der Loya Jirga eine neue Verfassung verabschiedet, die ein Präsidialsystem mit einer starken Stellung des Staatsoberhaupts vorsieht.

    Die Islamische Republik

    Im Januar 2004 wurde von der Loya Jirga eine neue Verfassung verabschiedet, die ein Präsidialsystem mit einer starken Stellung des Staatsoberhaupts vorsieht. Afghanistan ist damit eine "Islamische Republik", Staatsreligion ist der Islam.

    Das Parlament besitzt 249 Sitze; 68 Sitze sind für Frauen und 10 für die Nomaden-Minderheit der Kuchis reserviert sind. Parteien sind verboten und die Abgeordneten dürfen keine Verbindungen zu bewaffneten Organisationen haben. Die Legislative besteht aus zwei Häusern: Wolesi Dschirga (Haus des Volkes), auf fünf Jahre gewählt, und Meschrano Dschirga (Haus der Älteren), auf vier Jahre gewählt. Die Amtszeit des Präsidenten beträgt fünf Jahre und ist auf maximal zwei Amtsperioden beschränkt. Kein Gesetz darf im Widerspruch zum Koran stehen.

    Die erste Wahl des Parlaments fand am 18. September 2005 statt. Aus Angst vor Anschlägen der Taliban betrug die Wahlbeteilung nur etwa 54 %. Der gewählte Präsident Hamid Karzai wurde im August 2009 durch reguläre Wahlen bestätigt. Allerdings erschütterten Wahlfälschungen und die Zusammenarbeit Karzais mit korrupten Stammesoberhäuptern das Vertrauen der internationalen Gemeinschaft in den Präsidenten.

    Knapp 120 000 NATO- bzw. ISAF-Soldaten sind im Land stationiert, um die politische Stabilität zu gewähren; die Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe ISAF ist eine Sicherheits- und Aufbaumission unter NATO-Führung in Afghanistan. Unter der Regierung von Barack Obama wurde die Truppenstärke der USA erheblich - auf fast 80 000 Soldaten - erhöht. Deutschland beteiligt sich mit 4350 Soldaten.

    In den vergangenen Jahren hat sich die Lage nach anfänglichen Erfolgen der NATO- bzw. ISAF-Truppen erneut verschlechtert, die Selbstmordanschläge nehmen zu, die Taliban kontrollieren wieder größere Landesteile im Süden des Landes an der nur schwer zu überwachenden Grenze zu Pakistan. Zwischen den an der ISAF-Mission beteiligten Staaten kam es zu Meinungsverschiedenheiten über Ausmaß und Ort (aufgrund der regional unterschiedlichen Gefahrenlage) ihres Engagements. Auch der Opium- und Cannabisanbau stellt nach wie vor ein Problem dar.

    Die Sicherheitslage des Landes ist nach wie vor kritisch. Selbstmordattentate und Bombenanschläge (vor allem auf nichtmilitärische Ziele) nehmen stark zu. Verantwortlich dafür zeigen sich zumeist die Taliban. Der ebenfalls von den Taliban forcierte Guerillakrieg findet hauptsächlich im Süden des Landes statt, er erfasst zunehmend aber auch die nördlichen Landesteile.



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