Adel

    Aus WISSEN-digital.de

    (von altdeutsch: adal, "Geschlecht")

    politisch und gesellschaftlich privilegierter Stand. Insbesondere in der ständischen Ordnung des Mittelalters mit politischen und sozialen Vorrechten (Privilegien) ausgestatteter herrschaftstragender Stand. Adlige Oberschichten hat es fast überall und zu allen Zeiten gegeben, mit der Herrschaft hat sich jeweils auch ein Herrenstand entwickelt (Geburts-, Besitz-, Priester-, Krieger- oder Berufsadel).

    Geschichte

    In den ältesten orientalischen Hochkulturen, in Ägypten, bei den Assyrern usw. gab es führende Geschlechter, im trojanischen Sagenkreis Homers hervorragende Sprosse berühmter Geschlechter mythischer Herkunft. In den Alkmäoniden erscheint das alte Königsgeschlecht von Athen. Im republikanischen Rom waren die Patrizier (Geschlechtsadel) staatsführend.

    Bei den Germanen der Völkerwanderungszeit galt zunächst grundsätzlich nur der Unterschied zwischen frei und unfrei; im Zusammenhang mit kriegerischen Wanderzügen bildete sich ein Volksadel, aus dem die Herzöge und Könige gekürt wurden. Diese Adelssippen ragten auch durch reicheren Grundbesitz (höheren Beuteanteil) aus der Masse der Freien hervor. Durch das Lehnswesen wurde seit der fränkischen Zeit dieser Adel eingebaut in die Lehnspyramide, seine Stellung im Staat war damit rechtlich festgesetzt (fortan Hochadel der großen Vasallen, der späteren Reichsfürsten).

    In der Stauferzeit Entwicklung eines sich aus kleineren Gefolgsleuten rekrutierenden Amtsadels der so genannten Ministerialen ("niederer Adel"), aus dem später die Reichsritterschaft hervorging (Ritterstand). Aus den Unterlehnsleuten der großen Lehnsherren entwickelte sich der Landadel der einzelnen deutschen Territorien. Ausübung des Waffenhandwerks und Verwaltung des (Lebens-) Grundbesitzes wurden Grundlage der standesbewussten ritterlichen Lebensweise und ständischen Abkapselung gegenüber dem "gemeinen Mann" (Prinzip der Ebenbürtigkeit, d.h. der "gleichen Geburt", im Rechtswesen, bei Heiraten usw.; Recht auf Wappenführung; Satisfaktionsfähigkeit).

    Das Nachrücken von Unfreien als Inhaber königlicher Ämter in den Ritter- oder Adelsstand hörte im späten Mittelalter auf, dafür gab es seit Kaiser Karl IV. den Briefadel: Angehörige der kaiserlichen Kanzlei, vornehme Juristen, die sich ein Landgut kaufen konnten, erhielten den Adelsbrief (Erhebung in den Adelsstand bis 1806 nur durch den Kaiser, bis 1918 auch durch die Landesfürsten).

    Mit dem Absinken in die Anarchie des Fehdewesens, der Ablösung des Lehnsstaates durch den modernen Staat mit Beamtentum und Söldnerheer und mit dem Aufkommen eines wirtschaftlich und kulturell überlegenen Bürgertums verlor der Adel politisch und sozial seine alte Geltung und im Zeitalter des Absolutismus auch einen Teil seiner Privilegien, den Rest erst durch die Revolution des "Dritten Standes" (1789; 1848/49) und (in Deutschland) durch die Mediatisierungen von 1803; doch hatte der Adel (z.B. in Preußen) praktisch bis 1919 noch eine gewisse Vorzugsstellung (höhere Beamtenschaft, Offizierskorps); die Weimarer Verfassung erkannte Adelstitel nur noch als Teil des Namens an.

    In Frankreich wurde der Adel politisch vom Königtum entmachtet, blieb aber sozial privilegiert, wurde 1789 abgeschafft, doch rief Napoleon I. die adligen Emigranten zurück.

    In England ging der alte Feudal-Adel in den Rosenkriegen zugrunde, seine Reste, die Nobility oder die Peers, beschickten das Oberhaus; der Titel vererbte sich nur auf den Erstgeborenen. Der niedere Adel, die Gentry, bildete sich durch Inbesitznahme herrenlosen Landes seit dem 15. Jh., hatte keine Lehnspflichten, stellte die Friedensrichter der Grafschaften, machte das Parlament (Unterhaus) stark gegenüber der Krone und trat mit dem Bürgertum den Ansätzen zum Absolutismus entgegen.

    In Russland stellte sich der Adel nach der Ausblutung des alten Bojaren-Adels unter Iwan IV. in den Dienst des (zaristischen) Cäsaropapismus und herrschte seinerseits gleich despotisch auf seinen riesigen Gütern; doch bildete sich im 19. Jh. der Typ der "reuigen Adligen" als eines revolutionären Gegners dieser Gesellschaftsordnung aus; in der bolschewistischen Revolution wurde der Adel ausgerottet, soweit er nicht emigrierte.

    In den USA konnte sich ein Adel nicht ausbilden.



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