Adalbert Stifter

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    österreichischer Schriftsteller; * 23. Oktober 1805 in Oberplan, Böhmen, † 28. Januar 1868 in Linz

    eigentlich: Albert Stifter;

    Adalbert Stifter

    Biografie

    Stifter wuchs als ältester Sohn eines Leinenwebers und Garnhändlers im Böhmerwald auf, dessen Landschaft Stifters Beziehung zur Natur zeitlebens prägte. Der Verlust des Vaters im Alter von zwölf Jahren bedeutete den Beginn einer harten Jugend. Einen tiefen Einfluss übte auf Stifter die Ausbildung an der Lateinschule im Benediktinerkloster von Kremsmünster aus. Hier fand er Zugang zur Literatur und sein wissenschaftliches wie künstlerisches Interesse an der Natur wurde geweckt. Seit den Jahren in Kremsmünster war er ein begeisterter Landschaftsmaler.

    Sein Studium in Wien in den Jahren 1826 bis 1830 in den Fächern Jura, Mathematik und Naturwissenschaften schloss Stifter nicht ab, teils aus Examensangst, teils wohl auch aus Unentschlossenheit zwischen einer bürgerlichen Existenz und dem freien Schriftstellerdasein. Hinzu kam seine unglückliche Liebe zu Fanny Greipl, die zum Auslöser für eine schwere persönliche Krise wurde. Seine spätere Ehe mit Amalie Mohaupt blieb kinderlos. Zeitlebens schwierig war auch Stifters finanzielle Situation. Er versuchte, in Wien als Hauslehrer und Vorleser im Dienst des Hochadels seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

    Nach dem Scheitern der Revolution 1848, die Stifter anfangs als fortschrittlicher Liberaler unterstützte, versuchte er, im Schuldienst für soziale Verbesserung und humane Bildung zu wirken. Stifters literarischem Werk wurde zu seinen Lebzeiten nur kurze Zeit Anerkennung zuteil: Der kurzfristige Erfolg durch seine in Journalen und Zeitschriften publizierten Erzählungen und durch journalistische Arbeiten ab 1840 ließ schon bald nach; Besonders Friedrich Hebbel schrieb vernichtende Kritiken.

    Stifter wurde Schulrat in Linz. Er setzte sich auch für die Erhaltung mittelalterlicher Kunstwerke ein (z.B. Kefermarkter Altar). Der bereits tödlich erkrankte Stifter starb am 28. Januar 1868, vermutlich an den Folgen eines Selbstmordversuches.

    Bedeutung

    Stifters Werk steht in der Nachfolge Herders, Goethes und Jean Pauls sowie der Romantik. Er ist ein Vertreter des poetischen Realismus. Die Einschätzung Stifters als biedermeierlicher "Heile-Welt-Poet", der mit pedantischer Genauigkeit auch die unbedeutendsten Details aufzählt, nimmt ihren Ausgang von Hebbels Kritiken und bestimmt bis heute das Stifterbild. Bei genauerer Betrachtung des Werkes ergibt sich jedoch ein anderes Bild.

    Als Ausgangspunkt für Stifters literarisches Schaffen kann eine nihilistisch anmutende Sinnkrise angesehen werden, die besonders deutlich in Stifters Frühwerk ihren Ausdruck findet. Hier sind neben den Erzählungen "Abdias" (1842) und "Brigitta" (1844) vor allem Stifters essayistische Texte über die Wiener Katakomben und über eine Sonnenfinsternis zu nennen. In seinem späteren Werk entwickelt Stifter Strategien zur Gewinnung eines einheitlichen, harmonischen Sinnzusammenhanges der Welt. Von hier aus kann Stifters Stil verstanden werden: Durch das Anführen auch kleinster Details soll eine Analogie zum (positivistischen) Vorgehen der damaligen Naturwissenschaft hergestellt werden. Stifter hoffte, dass die Naturwissenschaften eines Tages die Einsicht in die (sinnvolle) Grundstruktur des Kosmos ermöglichen würden.

    Werke (Auswahl)

    Sein Erzählwerk umfasst sechs Novellenbände, unter anderem "Studien" (1844-50; darin "Der Hochwald"), "Bunte Steine" (1853; darin "Bergkristall") sowie den Bildungs- und Erziehungsroman "Nachsommer" (1857) und den historischen Roman "Witiko" (1865-67).

    Weitere Werke sind "Nachkommenschaften", "Brigitta", "Der Hagestolz".

    Audio-Material
    Datei:Stifter.mp3



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